Das Leben Eben, Mompreneurs
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Mompreneur oder der 198 Stunden Job mit Rufbereitschaft

Es gibt viele Dinge, die mich auf die Palme bringen. Die Themen sind mal mehr, mal weniger wichtig und oft auch gar keinen Aufreger wert.

Was mich aber wirklich so richtig nervt, ist dieses Mom-Bashing im Internet. Jedes Thema wird durchdiskutiert bis zum Letzten und egal, wie man es macht – es ist verkehrt. Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt, Stillen oder Flasche, das Eintrittsalter in die Kita, wie viel Süßes isst das Kind, zu welchen Aktivitäten geht es nachmittags – oder eben nicht, wie sieht die Mama aus, zu dünn, zu dick, zu perfekt, zu schlampig, der Kinderwagen ist zu bonzig, die Klamotten zu teuer oder eben zu schlunzig.

Familienbett oder von Geburt im eigenen Bett im eigenen Zimmer, Mama macht zu viel Sport oder zu wenig, fährt alleine in den Urlaub oder die Familie nimmt in eben diesem Kinderbetreuung in Anspruch. Sie arbeitet zu viel oder zu wenig, und, scheinbar so richtig schlimm: sie ist selbstständig und nennt sich Mompreneur. Oder wird von anderen als Powerfrau bezeichnet.DSC_2142Auf dem Blog Littleyears ist letzte ein Artikel erschienen, in dem es darum geht, dass wir diese Begriffe doch bitte aus unserem Wortschatz streichen sollen, denn sie halten uns, als die „Working Moms“ klein, bewirken, dass unsere Arbeit nicht wert geschätzt wird und implizieren, dass wir alles eben irgendwie schaffen, obwohl wir ja Mütter sind. Wenn ich also den Hashtag #mompreneur unter einen Instagram-Post setze, heißt das eigentlich nicht: „Hey, ich bin selbstständig und habe Kinder.“ sondern „Entschuldige, ich bin halt auch noch Mutter, bitte guck nicht so genau drauf, ob ich meine Arbeit wirklich korrekt mache.“.

Als Mompreneur spielt man nur in der Mama-Liga?

Dieser und andere Begriffe sorgen laut Littleyears dafür, dass wir „nur“ in der Mama-Liga mitspielen – und nicht in der „richtigen“.

Bitte was? Nur in der Mama-Liga? Und welche Liga ist denn die richtige? Das und noch einiges mehr habe ich mich gefragt, als ich den Post gelesen habe.

Die „richtige“Liga ist die, in der Frauen so tun, als ob es gar kein Problem wäre, Familie und Kind unter einen Hut zu kriegen, versteh ich das richtig? Die Liga, in der die richtig coolen Frauen auch schon vorher gespielt haben, dann wurden sie Mütter, sind natürlich genau so saucool geblieben und wollen jetzt nicht als „Mutti“ belächelt und weniger hart beurteilt werden.

Die Qualität der Arbeit, die Leistung, das alles soll unabhängig vom Mama-Sein beurteilt werden. Es soll keine Rolle spielen, ob man Mutter ist oder nicht, ob man ein Business mit Kind(ern) oder ohne auf die Beine stellt. Nein nein, bloß kein Mama-Bonus.

Auf der anderen Seite wird aber im gleichen Post auf einen anderen Artikel von Littleyears verwiesen, in dem es darum geht, dass Frauen immer noch viel weniger Rente bekommen, weil sie sich um die Kinder kümmern, während der Mann arbeitet und in die Rentenkasse einzahlt.  Care-Arbeit, in diesem Fall die Kinderbetreuung, soll doch in Zukunft als das anerkannt und auch vergütet werden, was es ist – neben Liebe einfach viel harte Arbeit.DSC_2149Dem stimme ich prinzipiell natürlich zu – aber gerade dieser Teil passt mit der Forderung, Worte wie Mompreneur zu verbannen, einfach nicht zusammen. Mutter zu sein ist harte Arbeit. Es ist wundervoll und großartig, keine Frage, aber oft ist es einfach auch nur anstrengend, körperlich und emotional. Und es ist ein 24 Stunden Job. Minus bei vielen wahrscheinlich die Stunden der Krippen- und Kitabetreuungzeit, also 4-10 Stunden, das ist ja sehr individuell.

Würde mir jemand erzählen, dass er einen, 148 bzw. 118 Stunden Job hat, bei dem er die restlichen 20 bzw. 50 Stunden Rufbereitschaft hat UND noch einen zweiten Job mit sagen wir mal 56-75 Wochenstunden, die für Unternehmensgründer nicht unrealistisch sind, dann würde ich sagen: ALTER FALTER! Hut ab.

(K)Ein Unterschied zwischen Entrepreneur und Mompreneur?

Denn seien wir mal ehrlich – wenn wir wollen, dass unsere Arbeit als Mutter als das anerkannt wird, was es (auch) ist – Arbeit eben – dann kann man doch sagen, dass es etwas Besonderes ist, wenn man es als Mutter schafft, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich mir als Entrepreneur meine Zeit selbst einteilen kann, sagen kann: Geil, heute läuft es bombig, ich häng noch mal 3 Stunden dran und danach chill ich mich gemütlich auf die Couch. Oder ob man als Mompreneur denkt: Es läuft Bombe, am Liebsten würd ich noch weitermachen – aber in 30 Minuten muss ich an der Kita sein.Night Light Cloud Es ist ein Unterschied, ob ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren kann oder ob ich dafür sorgen muss, dass dem Kind nicht langweilig wird – weil es nämlich mit ins Büro oder in meinem Fall, den Laden kommen muss, wenn in der Kita Fortbildungstag hat und geschlossen ist.

Es ist ein Unterschied, ob ich mit den eventuellen Schulden, die ich für die Unternehmensgründung anhäufe, nur mich oder eine ganze Familie belaste. Es ist ein Unterschied, ob ich plötzlich alle Termine umorganisieren muss, weil eins oder auch beide Kinder krank sind.

Und es ist auchh ein Unterschied, ob ich mir als Frau, die ohne Kinder gründet, regelmäßig Auszeiten nehmen kann, um körperlich, geistig und emotional wieder gestärkt in den Kampf um Kunden, Reichweite und und und treten kann oder, ob ich als Mutter erstmal einen ganzen Abend Planung investieren muss, um mir einen Termin für eine Maniküre in zwei Wochen freischaufeln zu können.

Klar, natürlich sind wir (meistens) nicht hundertprozentig alleine für das oder die Kind(er) zuständig, weil Papa/Oma/Freunde dabei sind. Viele haben aber auch nicht solche Unterstützung und im Zweifel ist es eben doch Mama, die gefragt und angesagt ist. Mama, Mama, Mama.

Viele von uns hören diesen Begriff täglich vermutlich so oft, dass sie ganz froh sind, wenn sie bei der Arbeit mal keine Mama sind, dort nehmen die meisten sich vermutlich endlich auch mal wieder als Person wahr, als der Mensch, der wir trotz dieser Mama-Rolle ja alle noch sind. Ich zumindest genieße die Momente sehr, in denen ich mal nicht „Mama“, sondern einfach nur Johanna bin.

Und trotzdem finde ich, können alle Unternehmerinnen, die mit Kind gegründet haben, stolz darauf sein, was sie täglich in zwei Vollzeitjobs leisten. Ich finde, sie dürfen diesen Unterschied hervorheben, indem sie sich Mompreneur nennen, denn für mich schmälert das die Leistung nicht, der Begriff entschuldigt nichts. Vielmehr sagt er aus: ich mache zwei Jobs gleichzeitig: ich habe mein eigenes Unternehmen und ziehe Kinder groß, ich habe die doppelte Belastung, viel mehr Verantwortung und bin trotzdem genau so gut wie Unternehmerinnen ohne Kind. Und manchmal sogar besser.

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