Das Leben Eben
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Gedankenkarussell #1 – Um Zeit, Druck, Stress, Familie und Leben

Ja, wo bleibt es denn jetzt, das elfte Türchen? Das fragt sich der ein oder andere von euch sicher. Ich frag mich nicht, denn ich weiß es natürlich. Es wartet, halb fertig, als Entwurf in meiner Liste von Posts. Ich habe gestern Abend erst mein fieberndes Kleinkind ins Bett gebracht, dann noch zwei Stunden mit meinem ebenso kränkelnden Mädchen verbracht, Salat gegessen, mich unterhalten, gekuschelt. Ich hab ihr ein bisschen Zeit mit Mama gegönnt.

Zwischendurch musste ich immer wieder zu Bo, denn das kennt wohl jeder – Fieberschlaf ist oft unruhig. Und wenn meine Kinder nach mir rufen, bin ich da. Glücklicherweise hatte Lotta irgendwann die Nase voll davon, immer wieder alleine im Wohnzimmer zu sitzen, kam auch ins Bett gekrochen und ist ruck zuck eingeschlafen.

Während ich da so zwischen meinen beiden glühenden Kindern lag, ihre Köpfe und Bäuche streichelte und ihnen beim Atmen zuhörte, war ich tatsächlich ziemlich glücklich. Nicht, weil die beiden krank sind, sondern weil es mich zwang, einfach mal alles andere eben so unwichtig sein zu lassen, wie es ist bei genauer Betrachtung einfach ist.

Der Adventskalender hier auf dem Blog ist toll, es macht mir Spaß, ich liebe eure Kommentare zu den einzelnen Türchen und möchte am liebsten auf jeden einzelnen antworten. Und ich liebe den Blog, den Shop, die Emails, Anfragen und alles, was das so mit sich bringt. Aber es ist einfach unheimlich viel Arbeit. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gearbeitet wie jetzt – und um das ganz klar zu sagen – ich beschwere mich nicht. Ich liebe wirklich, was ich mir aufgebaut habe und gerade aufbaue. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, dass mein Freund mich in jeder Hinsicht unterstützt und das alles so mitmacht.

Aber ich merke, dass da gerade ein Ungleichgewicht herrscht. Ich arbeite und arbeite und mache mir Druck, was ich alles schaffen will und muss. Das stresst mich, macht mich ungeduldig, ungerecht und unglücklich. Ich bin erschrocken darüber, wie laut ich werden kann – und darüber, wie schnell so eine Wand kaputt geht, nur weil eine Tür geknallt wird. Wenn ich gestresst bin, kommt die Furie in mir durch.

Keep calm and start living | Pinkepank (2)Während ich also zwischen den glühenden Kindern lag, eigentlich glücklich war, mit ihnen im warmen Bett zu kuscheln und ihnen das Gefühl zu geben, dass ich da bin, klopfte natürlich auch Türchen 11 an. Ebenso Türchen 12 und ein paar neue Produkte für den Shop. Von den unbeantworteten Emails ganz zu schweigen. Um mich vom Kehle zuschnürenden Stress abzulenken, scrollte ich durch meine Facebook Timeline und stieß auf den Post „Weniger Stress – mehr Leben“ von Littleyears.

Marie spricht mir mit ihrem Post so aus der Seele, sie formuliert das, was ich mir, was wir uns als Familie, als Paar, schon so oft vorgenommen haben – weniger Stress, mehr Leben! Denn am Ende eines Lebens kommt es nicht darauf an, dass man immer tolle Arbeit geleistet hat. Das ist nicht, woran die Menschen sich erinnern, wovon sie erzählen. Ich habe in meinem Leben als Krankenschwester mit unglaublich vielen Menschen gesprochen, mit vielen alten Menschen. Niemand erzählte mir stolz, dass er jeden Tag 12 Stunden geknüppelt hatte. Die Augen leuchten bei Geschichten von Erlebnissen mit Freunden, mit der Familie. Beim Gedanken an Reisen, an Konzerte, Grillparties, dem einen Glas Wein zu viel. Das sind die Geschichten, die den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Und wenn ich ehrlich bin, geht es mir jetzt doch auch schon so.

Ich habe mich immer schon mit über meine Arbeit definiert, über das, was ich leiste. Und ich habe gemerkt, dass es mich nicht ausfüllt und glücklich macht, ausschließlich Mutter zu sein. Deswegen werde ich immer weiter daran arbeiten, mir mit dem Shop etwas aufzubauen. Aber ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich das nicht um jeden Preis kann und will. Ich mag mich nicht, wenn ich so gestresst bin. Mein Freund mag mich nicht und Lotta und Bo, na gut, die beiden lieben mich wohl immer, aber eine glückliche und vor allem entspannte Mutter ist ihnen garantiert auch lieber.

Ein Tag im Wald | PinkepankWas man nicht mag, will man nicht behalten. Das geht mir nicht nur mit Gegenständen so, auch mit Zuständen und Angewohnheiten. Ich möchte nicht, dass meine Kinder sich an eine ständig brüllende Mutter erinnern, wenn sie an ihre Kindheit denken. An Stress und Druck, an mich, wie ich immer sage: „Nicht jetzt Schatz, ich muss noch mal kurz…“.

Ich möchte, dass sie sich an Urlaube erinnern, an Nachmittage auf dem Dom, ans Äpfel pflücken, Picknicken, an Abenteuer im Wald und an Maronen auf dem Weihnachtsmark. Ans gemeinsame Kekse backen, an Lachen, heißen Kakao mit Marshmallows. An ein schönes Familienleben. Aber auch an eine Mutter, die tut, was sie liebt.

Positiver Stress kann ein Ansporn sein, aber er schlägt schnell um , wird negativ und erzeugt Druck, gerade in unserer heutigen Gesellschaft, in der es immer nur darum geht, wer der Beste ist. Damit dieser Stress nicht das ist, woran meine Familie und ich uns erinnern, wenn wir auf dieses Jahre zurückblicken, werde ich auch weiterhin Adventskalendertürchen verschieben, wenn meine Kinder krank sind und mich brauchen. Wir werden ein bisschen mehr leben, gemeinsam erleben und den Stress das sein lassen, was er ist. Zeitverschwendung.

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