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Baby Bump Update 26. SSW. Und die Geschichte von Bos Geburt

Die Geburt beim zweiten Kind. Ein Erfahrungsbericht.

Die 26. Woche ist rum, die heikelste Phase ist erstmal geschafft. In den diversen, auf meinem Handy installierten Schwangerschafts-Apps steht jetzt: Falls es zu einer Frühgeburt kommen sollte, hätte ihr Baby nun Überlebenschancen.

Der Kleinen in meinem Bauch geht es fantastisch. Sie strampelt fleißig und war beim letzten Ultraschall absolut zeitgerecht entwickelt. Obwohl ich das alles bereits zum dritten Mal erlebe,  finde ich vieles einfach immer noch unheimlich spannend und faszinierend. Ich war wirklich total geflashed, als meine Gynäkologin mir gezeigt hat, dass man schon die Gehirnwindungen erkennen kann. Wahnsinn.

Baby Bump Update und der Geburtsbericht zu Geburt Nr. 2

Anmeldung zur Geburt

Ansonsten habe ich es endlich geschafft, einen Termin zur Geburtsanmeldung zu machen. Ich werde voraussichtlich diesmal in einem anderen Krankenhaus entbinden als bei den ersten beiden Geburten. Einfach aus dem rein praktischen Grund, weil das UKE mittlerweile dichter ist als die Asklepios Klinik Altona.

Im UKE habe ich bei der äußeren Wendung kurz vor Ende meiner zweiten Schwangerschaft schon mal unheimlich gute Erfahrungen gemacht. Und hoffe natürlich, dass sich dieser Eindruck auch unter der Geburt bestätigen wird.

Je näher das Thema Geburt rückt, desto öfter denke ich an die Geburten von Lotta und Bo zurück. Ich erinnere mich gerne. Auch, wenn sie völlig unterschiedlich waren, habe ich das Glück, zwei wirklich schöne Geburten erlebt zu haben. Den Bericht über meine erste Geburt könnt ihr hier nachlesen, falls es euch interessiert. Und die zweite? Ja, wie war eigentlich die zweite Geburt?

Jedes Jahr, wenn Bos Geburtstag ansteht, denke ich: jetzt schreibst du endlich mal was. Die Geburt beim zweiten Kind. Wie die so war. Und immer kam irgendwas dazwischen. Aber jetzt.

Wie war eigentlich die Geburt von Kind Nummer zwei?

Am allermeisten bzw. fast ausschließlich beschäftigt hat mich in Bezug auf die zweite Geburt ein Thema: Mein erstes Kind.

Was für mich vor und während der Geburt meines zweiten Kindes wirklich wichtig war

Wo bleibt Lotta, wie geht es Lotta damit, wie machen wir die Geburt ihres Bruders zu einem möglichst positiven Erlebnis?

Weil wir zu diesem Zeitpunkt von einer Fremdbetreuung außer 4 Stunden Krippe weit entfernt waren und Lotta leider auch keine wirklich vertraute Beziehung zu irgendjemandem aus unserer Familie hatte, fiel uns die Planung wirklich schwer. Mir machte es schwer zu schaffen, dass ich mein Kind niemandem mit richtig gutem Gefühl überlassen konnte. Jemanden, von dem ich wusste, dass sie sich damit auch wohl fühlen würde.

Unterstützung aus der Familie

Letztendlich holten wir meine Schwester ins Boot, die auch in Hamburg wohnt und in den Wochen vor der Geburt öfter Zeit mit Lotta verbrachte. Wir übten sogar das Abholen aus der Krippe ohne André oder mich. Das klappte toll, ich wurde etwas ruhiger und erstellte für den Tag der Tage einen Lotta-Guide.

Der Lotta-Guide

Darauf notierte ich alles, was irgendwie wichtig sein könnte. Unsere Routinen und Abläufe, Lieblingsessen, Lotta-Deutsch – Deutsch-Lotta (sie war immerhin erst 21 Monate alt und für „Fremde“ manchmal noch schwer zu verstehen), Telefonnummern für den Notfall und und und.

Trotz der Vorbereitungen wäre es mir am liebsten gewesen, die Geburt hätte sich morgens angekündigt, wir hätten Lotta noch in die Krippe bringen können und wären dann ins Krankenhaus gefahren. Unsere Krippe damals war fantastisch. Lotta hätte auch den ganzen Tag bleiben können statt den üblichen 4 Stunden und wäre in vertrauter Umgebung gewesen, abgelenkt von den anderen Kindern und Erzieherinnen.

Vorbereitungen auf die zweite Geburt - einen "Fahrplan" mit allen wichtigen Infos für denjenigen, der auf’s große Kind aufpasst.

Mein zweites Sonntagskind

Aber natürlich kam es, wie es kommen musste. An einem Samstag, drei Tage nach dem errechneten Stichtag „platzte“ in einem Bahnhofszeitschriftenladen meine Fruchtblase. Dezent, zum Glück, ich stand weder in einer Pfütze aus Fruchtwasser noch bekam jemand anders etwas mit.

Relativ entspannt fuhren wir mit dem Bus nach Hause, holten die Kliniktasche, machten noch ein allerletztes Foto zu dritt und fuhren dann ins Krankenhaus. Die Hebamme dort stellte schnell fest – der Schwall war wirklich Fruchtwasser (man denkt in seinem verrückten Schwangerenhirn ja manchmal sonstwas), die Geburt stand scheinbar kurz bevor.

Aber auch nur scheinbar – Wehen hatte ich keine. Auch im Laufe des späten Nachmittags und frühen Abends stellte sich keine Wehentätigkeit ein. Relativ schnell wurde klar, dass ich über Nacht bleiben würde. Sollten die Wehen in der Nacht nicht von alleine die Geburt in Gang bringen, stand eine Einleitung auf dem Plan.

Kliniktasche schnappen und ab ins Krankenhaus

Geplatzte Fruchtblase, hallo Einleitung

André und Lotta fuhren nach Hause, um zu schlafen. Und bei mir tat sich in der Nacht so gar nichts. Nachdem ich morgens geduscht hatte, stand ich um acht Uhr im Kreißsaal vorm Schwesternzimmer und bekam irgendwas, um die Geburt einzuleiten. Kaum zu glauben, dass ich nicht mehr weiß, was.

Danach hieß es: CTG im Wehenzimmer und warten. Das musste ich nicht besonders lange, mein Körper hatte scheinbar nur diesen kleinen Stupser gebraucht. Die Wehen kamen ziemlich schnell in guten, regelmäßigen Abständen. Die meiste Zeit war ich alleine im Wehenzimmer, meine betreuende Hebamme kam ab und zu vorbei, um nach mir zu schauen. Sie versuchte, sich ihren Stress nicht anmerken zu lassen, aber ich wusste, dass alle Kreißsäle belegt waren und die Hebammen nur so rotierten.

Glücklicherweise kam ich ganz gut alleine zurecht. Ich wusste von der ersten Geburt, dass ich stark genug bin, ich wusste, mein Körper kann das. Ich vertraute mir und ihm und atmete mich durch die Wehen.

Nichts geht mehr, wenn das große Kind unglücklich ist

Natürlich hatte ich André Bescheid gesagt, als die Wehen stärker wurden. Er „aktivierte“ also unseren Wochenendplan – sprich: meine Schwester. Leider machte er dabei einen großen Fehler – er ging, bevor Lotta aufgewacht war. Damit war quasi vorprogrammiert, dass die Sache schwierig werden würde. Diese Situationen hatten wir vorher nämlich noch nie und hatten sie mit Lotta auch nicht besprochen.

Und tatsächlich – nichts ging. Lotta ließ sich einfach nicht beruhigen, wollte weder essen noch trinken oder sonst irgendwas. Diese Tatsache führte bei mir erstmal zum Stillstand. Nichts ging mehr, ich machte mir nur noch Sorgen und zog kurz sogar in Erwägung, „abzubrechen“ und nach Hause zu meinem kleinen Mädchen zu fahren. Natürlich hätte ich nicht einfach abbrechen können, aber ich konnte mich plötzlich überhaupt nicht mehr auf die Geburt einlassen. Die einzige Lösung für mich war: André musste wieder nach Hause fahren.

Und wieder allein im Wehenzimmer

Gleichzeitig schrieb ich meiner Mutter, die sofort ihre Tasche packte und sich in den nächste Zug nach Hamburg setzte. Ich hatte irgendwie im Gefühl, dass meine Mutter und meine Schwester die Situation gemeinsam besser unter Kontrolle kriegen würden.

Sobald André von zuhause Entwarnung gab und ich das Gefühl hatte, alles getan zu haben, um die Situation bestmöglich zu regeln, ging die Geburt weiter. Im Nachhinein bin ich immer noch ziemlich beeindruckt davon, wie sehr mein psychischer Zustand die Reaktion meines Körpers beeinflusst hat. Erst quasi Stillstand und dann weiter mit wehenden Fahnen.

Die nächsten 3 Stunden war ich wie im Wehenrausch. Alleine in „meinem“ Wehenzimmer, die meiste Zeit gestützt auf den einen Besucherstuhl, atmen, atmen, und Pause. Atmen, atmen, Pause. Kurz Zeit zwischen den Wehen, um Luft zu holen. Die ganze Situation ein bisschen strudelig. Trotzdem hatte ich das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Über mich, über meinen Körper.

Der beste Tipp für die Geburt

Natürlich waren die Wehen schmerzhaft – aber ich wusste immer, wohin mich dieser Schmerz führen würde und hielt mich an den Rat meiner Hebamme aus dem Vorbereitungskurs, den ich in meiner ersten Schwangerschaft gemacht hatte:

„Trau dich, zum Schmerz hin zu atmen.“

Das hat super geklappt und eine PDA wollte ich diesmal auf jeden Fall vermeiden. Während Lottas Geburt habe ich sie etwas zu sehr genutzt und hatte am Ende der Geburt kein Gefühl mehr, wohin ich eigentlich pressen sollte. Ich konnte die Wehen kaum noch spüren und nicht so „arbeiten“, wie ich es gewollt hätte. Dieses Gefühl wollte ich nicht noch mal erleben.

In den anderen Kreißsälen war immer noch die Hölle los. Wenn meine Hebamme es zwischendurch zu mir schaffte, merkte ich, wie leid es ihr tat, dass sie nicht die ganze Zeit bei mir sein konnte. Ungefähr gegen 12 Uhr (in meiner Erinnerung) hatte ich dann plötzlich eine Hebammenschülerin im dritten Ausbildungsjahr an meiner Seite. Meine Hebamme hatte mich trotz der stressigen Situation so gut im Blick (und hat mich natürlich auch zwischendurch untersucht), dass sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde. Sie riet mir, André Bescheid zu sagen, damit er sich auf den Weg machen konnte.

Los geht’s – die Presswehen

Die Hebammenschülerin begleitete mich in die Badewanne und blieb bei mir. In den Wehenpausen quatschen wir ein bisschen, aber ich hatte ziemlich schnell das Gefühl, aus der Wanne raus zu müssen. Wir wechselten in den Kreißsaal direkt nebenan und wie auf’s Stichwort kam in dem Moment André durch die Tür. Gerade rechtzeitig zu Beginn der Presswehen.

Wie lange die Presswehen genau dauerten, kann ich im Nachhinein so gar nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass das im Bauch noch mal ein ganz anderer Schmerz als der während der Eröffnungsphase war. Den kannte ich noch nicht (wegen der PDA), aber dank der starken Armen meines Freundes und den Worten meiner Hebamme bin ich auch durch diese Phase gekommen.

Ich will das nicht kleinreden, die Schmerzen unter der Geburt waren wirklich nicht schön. Aber ich hatte seitdem schon Kopfschmerzen, die ich bei weitem schlimmer fand. Vor allem – so viel weniger „nützlich“. Denn nach dieser relativ schnellen Geburt (5,5 Stunden) hielt ich unser zweites Kind in den Armen.

Die Geburt beim zweiten Kind. Ein Erfahrungsbericht.

Hallo Bo!

Während meine Geburtsverletzungen versorgt wurden, genossen wir unser Baby. Unsere Hebamme rieb ihm zwischendurch immer mal wieder kräftig über den Rücken und nachdem wir uns eine halbe Stunde kennenlernen konnten, nahm sie Bo kurz mit zum Kinderarzt. Wie lange er wirklich dort war, kann ich gar nicht sagen – aber Minuten kamen mir vor wie Stunden. Als ich langsam anfing, unruhig zu werden, kam sie glücklicherweise mit ihm im Arm wieder in den Kreißsaal und alles war gut. Das Bonding konnte weitergehen.

Cin Cin! Auf die Liebe und das große Glück der zweiten schönen Geburt

Wie auch nach meiner ersten Geburt war ich ziemlich schnell wieder fit und André und ich stießen mit Weißweinschorle an. Auf uns, auf unser neues Baby, auf das Glück und die Liebe.

Während Bo und ich auf unser Zimmer gebracht wurden, holte André meine Mutter, die absolut rechtzeitig angekommen war, meine Schwester und Lotta vom Spielplatz um die Ecke ab. Sie wollten Bo natürlich alle kennenlernen.

Eifersucht auf’s Baby?

Um von Anfang an möglichst wenig Eifersucht zu schüren, hielten wir uns an diesen Tipp:

„Das Baby am besten nicht auf dem Arm haben, wenn das „große“ Kind ins Zimmer kommt. Gut ist, das Baby sicher neben sich zu legen, das „große“ Kind auf den Arm zu nehmen und gemeinsam das neue Baby zu begrüßen.“

Wer uns diesen Tipp gegeben hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Aber ich glaube, dass das für uns auf jeden Fall die richtige Herangehensweise war.

Eifersucht auf’s Baby? Tipp für den ersten Kontakt mit dem Baby

So schnell wie möglich nach Hause

Am liebsten wäre ich am selben Tag noch mit nach Hause gefahren – da der Kinderarzt aber leider erst gegen 2 Uhr Nachts Zeit für die Entlassungsuntersuchung gehabt hätte, blieben wir bis zum nächsten Tag.

Unsere erste Nacht lief auch im Krankenhaus super – trotzdem würde ich diesmal wirklich gerne ambulant entbinden und direkt nach Hause gehen. Vorausgesetzt, es geht dem Baby und mir gut natürlich.

Zwei so unterschiedliche, zwei so schöne Geburten

Wenn ich mich so an diese zweite (und dadurch zwangsläufig auch an die erste) Geburt erinnere, bin ich wirklich zutiefst dankbar für diese beiden tollen Erlebnisse. Mir ist sehr bewusst, dass es viele Frauen gibt, die eine Geburt anders erleben und ich möchte mit meinen Posts niemandem vor den Kopf stoßen.

Ich wünsche mir nur den ein oder anderen positiven Geburtsbericht, der nicht verklärt beschönigt – aber doch Mut machen und Angst nehmen kann. Denn, wie ich auch schon in meinem Bericht über Lottas Geburt geschrieben habe – ich fand es fantastisch, von einer schönen Geburt  zu lesen. Und vielleicht geht es der ein oder anderen von euch auch so.

11 Kommentare

  1. Kathy sagt

    Ach, liebe Johanna, mit deinen Worten hast du mich gerade ziemlich genau drei Jahre zurück in den Kreißsaal versetzt! Und ich denke absolut und ganz ausschließlich mit positiven Gedanken an diese Nacht zurück, die bis dahin die Tollste meines Lebens war (danach kamen noch tollere Momente mit meinen Töchtern). Ich war schon 8 Tage über dem Termin und reichlich genervt davon, weil einfach nur noch ungeduldig. Für den nächsten Morgen stand die Einleitung im Krankenhaus an, also habe ich am Abend zuvor versucht mich schlafen zu legen um fit zu sein – zack – Blasensprung. Ab jetzt finde ich faszinierenden wie ruhig man bleiben kann und irgendwie plötzlich auf den eigenen Instinkt vertraut. Wir sind in den Kreißsaal gefahren, wurden dort von einer phantastischen Hebamme empfangen, die mir ab der ersten Sekunde durchweg sympathisch war und mir ein sicheres Gefühl vermittelt hat. Ich weiß noch wir haben viel zusammen gelacht und ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, genau zu wissen was als nächstes passiert, einfach aufgrund ihrer Begleitung. Was soll ich sagen, natürlich tut eine Geburt weh, es wäre absoluter Quatsch das zu schon zu reden. Aber ich habe es zu keiner Sekunde als richtige Qual empfunden, sondern konnte mich durch sie wirklich darauf einlassen was gerade passiert und gedanklich mit meiner Energie bei meinem Baby zu sein. Mein Mann hat definitiv hier auch seinen Part geleistet und mich mit Humor, viel Wasser, Handhalten, bestätigenden Worten und alles was ihm möglich war unterstützt. Alles lief exakt wie im Lehrbuch ab und nach nur 3 Stunden war das sxhönste kleine Baby plötzlich in meinen Armen, ohne PDA, ohne den Gedanken an eine PDA, ohne Angst, einfach nur mit unvorstellbarer Liebe, Dankbarkeit und auch stolz, auf das was gerade einfach so passiert ist. Es war der Wahnsinn und ich wünsche wirklich jeder Frau eine solche Geburt! Lustigerweise hat meine beste Freundin zwei Wochen zuvor im selben Krankenhaus ihre zweite Tochter auch nach nur knapp 3h und ohne PDA etc. entbunden und da sie bei der ersten Geburt nach langem hin und her dann mit einem Kaiserschnitt noch lange zu kämpfen hatte (rein gedanklich, nicht körperlich), habe ich mich für sie noch umso mehr freuen können! Und so konnte ich auch ohne Schreckensszenarien im Kopf wohl einfach ganz entspannt in den Kreißsaal spazieren. Einen Arzt hätte ich nicht gebraucht, auch hier ist mir bewusst wie viel Glück ich mit meiner Hebamme hatte. Es ist unfassbar was diese Frauen leisten und eine Schande was gerade mit ihrem Berufsstand passiert. Sie war definitiv das „Schmerzmittel“ und der Grund warum ich nicht mal kurz über die Einnahme eines nachdenken musste.

    Bei meiner zweiten Geburt vor etwas über einem Jahr war alles ganz anders. Kein Blasensprung, nur wieder so eine instinktive Geschichte. Obwohl wir an dem Abend zwei Tage vor ET schon im Kreißsaal waren und ohne jedes Anzeichen wieder nach Hause fuhren, war ich 3h später so unrugig und gereieben, dass ich wieder hin wollte um mich sicher zu fühlen. Ich kam mir etwas lächerlich vor, aber was soll es, zu dem Zeitpunkt sollte man sowas ein mal ablegen, immerhin geht es um das eigene Kind und den eigenen Körper. Also zurück in den Kreißsaal. Diesmal wieder eine sehr sympathisch, sehr junge Hebamme mit Anfang/Mitte 20. Befund, Muttermund völlig geschlossen und keine wegen am ctg zu sehen. Und ab jetzt würden wir alle rechts überholt, denn nur 32 Minuten später war meine zweite Tochter auf der Welt. Jetzt sehe ich neidische Gesichter vor mir. Aber tatsächlich war dies gegen meine erste tolle Geburt absolut beängstigend und wirklich verstörend, denn weder die Hebamme, mein Mann oder ich hatten mit dieser Sturzgeburt gerechnet. Kein Arzt da, nichts. Und wenn der Muttermund in wenigen Minuten statt in ein paar Stunden komplett aufgeht ist das wirklich ein anderer schmerzhafter Vorgang. Auch hier brauchte ich alleine aufgrund der Schnelle keine Schmerzmittel, wir waren alle damit beschäftigt mit der Situation mit zu kommen. Die Hebamme, die erst seit einem Jahr in Deutschland war, hier die Ausbildung zu Ende brachte und noch keinen 100 Kindern auf die Welt geholfen hatte, war trotz der uns überrollenden Ereignisse immer bei mir und hat sich nichts anmerken lassen. Sie war phantastisch! Und ich bin ihr so unglaublich dankbar, für ihren Mut, ihre Abgebrühtheit und schnelle Reaktion! Hätte ich vorher gewusst, dass es manchmal so gehen kann, was Sturzgeburt bedeutet, hätte ich wohl auch diese Geburt als tolles Erlebnis empfinden können, ich war aber einfach damit beschäftigt irgendwie verstehen zu wollen was gerade passiert. Fakt ist – und das ist auch das einzige was wirklich hängen geblieben ist – als mein Baby dann nach der halben Stunde da war und endlich klar war, dass auch ihre Versorgung wieder passt war augenblicklich alles gut und ich von plötzlich noch mehr bedingungsloser Liebe umgeben. Es ist tatsächlich ein Wunder und ich möchte keine der Geburten missen!

    Schon in der Schwangerschaft war meine größte Angst, dass meine „große“ Tochter (zum Zeitpunkt der zweiten Geburt 23Monate alt) zu kurz kommt, eifersüchtig sein wird, ihre Mama und alles andere teilen muss obwohl sie selbst noch so klein ist. Aber es war umsonst. Wie du auch schreibst, bin ich mit ihr zusammen zum Babybett und habe sie hochgehoben um ihr ihre kleine Schwester zu zeigen. Feste kuschelnd als Einheit wie zuvor. Auch der Tipp mit dem Geschenk half sicher, sie bekam von ihrer kleinen Schwester ihre erste Puppe (Baby und Puppe hatten von mir den gleichen Strampler verpasst bekommen) und begann sofort diese zu hegen und zu pflegen, zu stillen etc, alles genau wie Mama. Sie war bis heute keinen Tag schlimm eifersüchtig und es ist so wunderschön die beiden miteinander zu sehen.

    Ich weiß ich hatte und habe mit allem unfassbares Glück. Und das wünsche ich mir für dich und alle werdenden Mamas auch. Und ich hoffe ich kann trotz der sehr unterschiedlichen Berichte etwas Mut machen, denn mir tat es gut mit positiven Gefühlen in den Kreißsaal zu gehen. Und vollkommen erfüllt wieder herauszukommen ♥️
    Alles Gute!

  2. Kathrin sagt

    Danke für den positiven Geburtsbericht! Ich bin in der 36. Woche schwanger und wenn sich bis zum Termin nichts tut, muss ich eingeleitet werden. Da tut es sehr gut zu lesen, dass das nicht zwangsläufig in einer Horrorvision endet, sondern auch schön laufen kann. Dir weiterhin alles Gute für die Schwangerschaft!

  3. Anna sagt

    Liebe Johannas, ich finde es ganz toll auch mal von einer schönen Geburt zu lesen. Das ist doch wirklich selten. Und wie lieb von dir, dass du uns davon berichtet hast. Ich habe vor 4 Monaten unser drittes Kind bekommen und bei mir war auch jede Geburt ganz anders. Eine im Krankenhaus und zwei Hausgeburten. Und jede war auf ihre Art schön, denn man hat das Schönste überhaupt zur Welt gebracht ?

    Alles Liebe
    Anna

  4. Ich mußte gerade auch wieder an die Geburt unserer Tochter denken. Es war auch eine schöne Geburt und ich habe in der Schwangerschaft auch gerne positive Geburtsberichte gelesen, da man ja wirklich nicht weiß, was auf einen zukommt und es sich auch nicht vorstellen kann. Ich konnte es jedenfalls nicht. Bei uns ging es am frühen Samstag Morgen los. Ich hatte plötzlich ein Ziehen im Rücken, dass ich nicht einordnen konnte. Da es aber immer stärker wurde und irgendwann wieder abflachte, erinnerte ich mich an den Geburtsvorbereitungskurs und wußte, das sind Wehen. Die zweite Wehe kam nach etwa 15 Minuten, die dritte bereits nach weiteren 10 und so ging es dann weiter. Ich habe erstmal nachgelesen nach welcher Zeit und welchen Abständen man ins Krankenhaus fahren soll, habe überlegt, ob ich meinen Mann wecke und mir dann gedacht, der Wecker klingelt eh um halb sieben, da kann ich auch warten. Als er dann wach wurde, hab ich ihm gesagt, dass unser Fräulein sich wohl auf den Weg machen würde. Er hatte allerdings am Vormittag noch einen Kurs und wir haben uns beraten, ob er hinfahren sollte. Da ich davon ausging vor spätem Nachmittag wäre mit der eigentlichen Geburt doch nicht zu rechnen, ging ich duschen, wir frühstückten und er fuhr los. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Wehen bereits im Abstand von 6-8 Minuten. Trotzdem war ich noch recht entspannt, machte es mir auf dem Sofa bequem und sah mir auf Netflix Gilmore Girls an. Gegen viertel vor zehn merkte ich allerdings, dass der Abstand der Wehen immer kürzer wurde und sie auch stärker wurden und ich nun doch gerne ins Krankenhaus wollte. Also mußte mein Mann zurückkommen und um 10:45 waren wir im Kreißsaal. CTG war gut, Ultraschall auch und der Muttermund 4 cm geöffnet. Da ich immer noch die Wehen hauptsächlich im Rücken merkte, ging ich in die Wanne und merkte schnell, wie sich mein Rücken entspannte. Nach 3 oder 4 weniger schmerzhaften Wehen veränderte sich aber irgendwas und ich hatte plötzlich ein Druckgefühl nach unten. Als meine Hebamme wiederkam, sagte ich ihr das und sie untersuchte mich und meinte: „Kein Wunder! Wir haben jetzt 9 cm“. Die Öffnung hat ca. eine halbe Stunde gedauert. Nach der nächsten Wehe waren es 10 cm und ich sollte zu pressen beginnen. Zwischendurch mußte ich dann noch aus der Wanne und auf das Bett und mithilfe einer Ärztin kam unser Fräulein nach einer weiteren halben Stunde auf die Welt.
    Leider konnte bei uns aber kein Bonding stattfinden, da unser Fräulein die Nabelschnur um den Hals hatte. Außerdem hat sie versucht mit einer Hand am Kopf durch den Geburtskanal zu kommen, was in Summe mit der schnellen Eröffnung wohl zu zu viel Stress geführt hat. Zum Glück ist aber alles gut gegangen.

    Was mich so wundert, ist, wie schnell man aber die ganzen Details vergißt, bzw. wie man auch unter der Geburt das Zeitgefühl verliert. Ich weiß zum Beispiel genau, wann ich meinen Mann angerufen habe, wann wir im Auto saßen und somit auch ungefähr, wann wir im Kreißsaal waren, aber dann habe ich noch Erinnerungen an bestimmte Wehen, aber das wirkliche Gefühl, wieviel Zeit vergangen ist, ist mir abhanden gekommen. Außerdem kann ich mich erinnern, dass ich mich unter der Geburt gefragt habe, warum sich Frauen so etwas mehrfach antun?!? Inzwischen sehe ich das nicht mehr so und würd’s auch nochmal machen.
    Liebe Johanna, ich wünsche Dir eine schöne, komplikationsfreie Restschwangerschaft und eine entspannte, schöne Geburt!

  5. Pingback: Die zweite Geburt. Ganz anders und trotzdem schön.

  6. Miriam sagt

    Liebe Johanna,

    wie schön! Das freut mich total, dass ihr bis jetzt auch ein solches Glück hattet, zwei tolle Geburten erlebt zu haben. Das wünsche ich euch von Herzen natürlich auch für die dritte :)

    Auch ich kann von mir sagen, dass meine zwei Geburten zu den schönsten Erlebnissen in meinem Leben zählen. Sie hätten zwar nicht unterschiedlicher sein können, einmal 23 Stunden und einmal etwa 4 Stunden, einmal mit PDA, einmal ohne, aber es ist, wie du geschrieben hast: Man weiß, wofür man es tut, wo diese Schmerzen hinführen. Und so lange keine Komplikationen auftreten, es dem Baby gut geht und man sich geborgen und gut betreut fühlt, war es bei mir jedenfalls so, dass auch die lange Geburt im Endeffekt sehr schön war.
    Schön, dass du über das Thema sprichst, denn ich finde auch, dass man meist nur die Horrorgeschichten hört. Da ich die erste Mama in unserem Freundeskreis war, haben mich alle Freundinnen natürlich zu den Thema ausgequetscht und ich habe auch bewusst gesagt, dass ich es als unheimlich schön empfunden habe. Klar, eine Geburt ist schmerzhaft, aber es ist eben für mich ein durchweg positiver Schmerz und das versuche ich allen meinen Freundinnen zu vermitteln. Ich erzähle auch immer, dass ich mich im Vorfeld, gerade vor der ersten Geburt gar nicht sooo sehr mit der Geburt an sich beschäftigt habe. Klar, das Krankenhaus haben wir ausgesucht und ich wusste vorher, wie eine Geburt im besten Fall abläuft… Aber über meine Geburt habe ich ziemlich wenig nachgedacht, nur dafür gesorgt, dass alles möglich ist, wie beispielsweise auch in der Wanne entbinden zu können.
    Das war wirklich bei den zwei Geburten das wichtigste für mich, alle Möglichkeiten zu haben. Man kann nie wissen, was einem in den Momenten der Geburt gut tut. Deshalb habe ich schon vorher die Einwilligung für die PDA unterschrieben und alle Tests für eine mögliche Wassergeburt machen lassen.

    Alles Gute für alle Bald-Mamis<3

  7. Cathrin Schunk sagt

    Ich finde es toll endlich mal wieder von einer „normalen „Geburt zu lesen, ich hatte drei Spontangeburten ohne Schmerzmittel, wofür ich sehr dankbar bin, leider bin ich da in meinem Umfeld die Einzige ohne Komplikationen ?‍♂️ wünsche euch alles Gute !

  8. Anna sagt

    Was für ein schöner Bericht! Ja, positive Erfahrungen zu teilen finde ich auch unglaublich wichtig. Ich habe sogar meinen Kaiserschnitt unter Vollnarkose (weil Notfall) positiv verarbeitet abgespeichert. Auch Kind Nummer 2 kam leider nicht zu Hause, aber noch spontan in der Klinik. Es muss nicht immer alles – was nun leider nicht so läuft, wie man es sich wünscht – gegen die Wand laufen. Und das sollte jede (Erst)Gebärende auch einmal hören.

    Liebe Grüße

    Anna

  9. Anna sagt

    Liebe Johanna, erstmal alles Gute weiterhin für euch! Vielen Dank für deinen Geburtsbericht, von einer schönen Geburt liest man ja immer eher selten! Ich hatte auch zwei sehr schöne, wenn auch nicht ganz komplikationslose, Spontangeburten, aber da in meinem Umfeld alle anderen die 48-Stunden-Wehen-nach-Einleitung-und-dann-doch-Notkaiserschnitt-Geburten hatten, habe ich mich gar nicht getraut von meinen Geburten zu erzählen! Aber dadurch habe ich gelernt, wie dankbar ich für diese Erlebnisse sein muss! Meine Kinder sind auf den Tag genau 2,5 Jahre auseinander, dadurch war der Große schon so alt, das wir ihn gut auf seine Schwester vorbereiten konnten. Er hatte auch ein Geschenk für sie ausgesucht, aber für ihn war dann schlussendlich die Situation dort im Krankenhaus eher verstörend, weil er mit Krankenhaus natürlich anderes verband! Mit Eifersucht hatten wir nie Probleme, er war von Anfang an ganz stolz auf seine Schwester und ist auch jetzt von sich aus der große Beschützer-Bruder! Ich hatte mir darüber auch viele Gedanken gemacht, aber schlussendlich haben wir einfach auf seine Bedürfnisse reagiert!
    Ich wünsche dir jedenfalls Entspannung und Gelassenheit bei allem was kommen mag!

  10. Anna sagt

    Ach ja, und weil ich gelesen habe, dass dir Namen mit O gefallen: Roona.
    Ich bin mit einem Nachbamen gesegnet, den kein Lehrer aussprechen konnte (und sich auch nicht bemühen wollten), aber seitdem ich die Schulzeit hinter mir habe bin ich stolz auf meinen Nachnamen – den hat echt nicht jeder!!

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