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Baby Bump Update 26. SSW. Und die Geschichte von Bos Geburt

Die Geburt beim zweiten Kind. Ein Erfahrungsbericht.

Die 26. Woche ist rum, die heikelste Phase ist erstmal geschafft. In den diversen, auf meinem Handy installierten Schwangerschafts-Apps steht jetzt: Falls es zu einer Frühgeburt kommen sollte, hätte ihr Baby nun Überlebenschancen.

Der Kleinen in meinem Bauch geht es fantastisch. Sie strampelt fleißig und war beim letzten Ultraschall absolut zeitgerecht entwickelt. Obwohl ich das alles bereits zum dritten Mal erlebe,  finde ich vieles einfach immer noch unheimlich spannend und faszinierend. Ich war wirklich total geflashed, als meine Gynäkologin mir gezeigt hat, dass man schon die Gehirnwindungen erkennen kann. Wahnsinn.

Baby Bump Update und der Geburtsbericht zu Geburt Nr. 2

Anmeldung zur Geburt

Ansonsten habe ich es endlich geschafft, einen Termin zur Geburtsanmeldung zu machen. Ich werde voraussichtlich diesmal in einem anderen Krankenhaus entbinden als bei den ersten beiden Geburten. Einfach aus dem rein praktischen Grund, weil das UKE mittlerweile dichter ist als die Asklepios Klinik Altona.

Im UKE habe ich bei der äußeren Wendung kurz vor Ende meiner zweiten Schwangerschaft schon mal unheimlich gute Erfahrungen gemacht. Und hoffe natürlich, dass sich dieser Eindruck auch unter der Geburt bestätigen wird.

Je näher das Thema Geburt rückt, desto öfter denke ich an die Geburten von Lotta und Bo zurück. Ich erinnere mich gerne. Auch, wenn sie völlig unterschiedlich waren, habe ich das Glück, zwei wirklich schöne Geburten erlebt zu haben. Den Bericht über meine erste Geburt könnt ihr hier nachlesen, falls es euch interessiert. Und die zweite? Ja, wie war eigentlich die zweite Geburt?

Jedes Jahr, wenn Bos Geburtstag ansteht, denke ich: jetzt schreibst du endlich mal was. Die Geburt beim zweiten Kind. Wie die so war. Und immer kam irgendwas dazwischen. Aber jetzt.

Wie war eigentlich die Geburt von Kind Nummer zwei?

Am allermeisten bzw. fast ausschließlich beschäftigt hat mich in Bezug auf die zweite Geburt ein Thema: Mein erstes Kind.

Was für mich vor und während der Geburt meines zweiten Kindes wirklich wichtig war

Wo bleibt Lotta, wie geht es Lotta damit, wie machen wir die Geburt ihres Bruders zu einem möglichst positiven Erlebnis?

Weil wir zu diesem Zeitpunkt von einer Fremdbetreuung außer 4 Stunden Krippe weit entfernt waren und Lotta leider auch keine wirklich vertraute Beziehung zu irgendjemandem aus unserer Familie hatte, fiel uns die Planung wirklich schwer. Mir machte es schwer zu schaffen, dass ich mein Kind niemandem mit richtig gutem Gefühl überlassen konnte. Jemanden, von dem ich wusste, dass sie sich damit auch wohl fühlen würde.

Unterstützung aus der Familie

Letztendlich holten wir meine Schwester ins Boot, die auch in Hamburg wohnt und in den Wochen vor der Geburt öfter Zeit mit Lotta verbrachte. Wir übten sogar das Abholen aus der Krippe ohne André oder mich. Das klappte toll, ich wurde etwas ruhiger und erstellte für den Tag der Tage einen Lotta-Guide.

Der Lotta-Guide

Darauf notierte ich alles, was irgendwie wichtig sein könnte. Unsere Routinen und Abläufe, Lieblingsessen, Lotta-Deutsch – Deutsch-Lotta (sie war immerhin erst 21 Monate alt und für „Fremde“ manchmal noch schwer zu verstehen), Telefonnummern für den Notfall und und und.

Trotz der Vorbereitungen wäre es mir am liebsten gewesen, die Geburt hätte sich morgens angekündigt, wir hätten Lotta noch in die Krippe bringen können und wären dann ins Krankenhaus gefahren. Unsere Krippe damals war fantastisch. Lotta hätte auch den ganzen Tag bleiben können statt den üblichen 4 Stunden und wäre in vertrauter Umgebung gewesen, abgelenkt von den anderen Kindern und Erzieherinnen.

Vorbereitungen auf die zweite Geburt - einen "Fahrplan" mit allen wichtigen Infos für denjenigen, der auf’s große Kind aufpasst.

Mein zweites Sonntagskind

Aber natürlich kam es, wie es kommen musste. An einem Samstag, drei Tage nach dem errechneten Stichtag „platzte“ in einem Bahnhofszeitschriftenladen meine Fruchtblase. Dezent, zum Glück, ich stand weder in einer Pfütze aus Fruchtwasser noch bekam jemand anders etwas mit.

Relativ entspannt fuhren wir mit dem Bus nach Hause, holten die Kliniktasche, machten noch ein allerletztes Foto zu dritt und fuhren dann ins Krankenhaus. Die Hebamme dort stellte schnell fest – der Schwall war wirklich Fruchtwasser (man denkt in seinem verrückten Schwangerenhirn ja manchmal sonstwas), die Geburt stand scheinbar kurz bevor.

Aber auch nur scheinbar – Wehen hatte ich keine. Auch im Laufe des späten Nachmittags und frühen Abends stellte sich keine Wehentätigkeit ein. Relativ schnell wurde klar, dass ich über Nacht bleiben würde. Sollten die Wehen in der Nacht nicht von alleine die Geburt in Gang bringen, stand eine Einleitung auf dem Plan.

Kliniktasche schnappen und ab ins Krankenhaus

Geplatzte Fruchtblase, hallo Einleitung

André und Lotta fuhren nach Hause, um zu schlafen. Und bei mir tat sich in der Nacht so gar nichts. Nachdem ich morgens geduscht hatte, stand ich um acht Uhr im Kreißsaal vorm Schwesternzimmer und bekam irgendwas, um die Geburt einzuleiten. Kaum zu glauben, dass ich nicht mehr weiß, was.

Danach hieß es: CTG im Wehenzimmer und warten. Das musste ich nicht besonders lange, mein Körper hatte scheinbar nur diesen kleinen Stupser gebraucht. Die Wehen kamen ziemlich schnell in guten, regelmäßigen Abständen. Die meiste Zeit war ich alleine im Wehenzimmer, meine betreuende Hebamme kam ab und zu vorbei, um nach mir zu schauen. Sie versuchte, sich ihren Stress nicht anmerken zu lassen, aber ich wusste, dass alle Kreißsäle belegt waren und die Hebammen nur so rotierten.

Glücklicherweise kam ich ganz gut alleine zurecht. Ich wusste von der ersten Geburt, dass ich stark genug bin, ich wusste, mein Körper kann das. Ich vertraute mir und ihm und atmete mich durch die Wehen.

Nichts geht mehr, wenn das große Kind unglücklich ist

Natürlich hatte ich André Bescheid gesagt, als die Wehen stärker wurden. Er „aktivierte“ also unseren Wochenendplan – sprich: meine Schwester. Leider machte er dabei einen großen Fehler – er ging, bevor Lotta aufgewacht war. Damit war quasi vorprogrammiert, dass die Sache schwierig werden würde. Diese Situationen hatten wir vorher nämlich noch nie und hatten sie mit Lotta auch nicht besprochen.

Und tatsächlich – nichts ging. Lotta ließ sich einfach nicht beruhigen, wollte weder essen noch trinken oder sonst irgendwas. Diese Tatsache führte bei mir erstmal zum Stillstand. Nichts ging mehr, ich machte mir nur noch Sorgen und zog kurz sogar in Erwägung, „abzubrechen“ und nach Hause zu meinem kleinen Mädchen zu fahren. Natürlich hätte ich nicht einfach abbrechen können, aber ich konnte mich plötzlich überhaupt nicht mehr auf die Geburt einlassen. Die einzige Lösung für mich war: André musste wieder nach Hause fahren.

Und wieder allein im Wehenzimmer

Gleichzeitig schrieb ich meiner Mutter, die sofort ihre Tasche packte und sich in den nächste Zug nach Hamburg setzte. Ich hatte irgendwie im Gefühl, dass meine Mutter und meine Schwester die Situation gemeinsam besser unter Kontrolle kriegen würden.

Sobald André von zuhause Entwarnung gab und ich das Gefühl hatte, alles getan zu haben, um die Situation bestmöglich zu regeln, ging die Geburt weiter. Im Nachhinein bin ich immer noch ziemlich beeindruckt davon, wie sehr mein psychischer Zustand die Reaktion meines Körpers beeinflusst hat. Erst quasi Stillstand und dann weiter mit wehenden Fahnen.

Die nächsten 3 Stunden war ich wie im Wehenrausch. Alleine in „meinem“ Wehenzimmer, die meiste Zeit gestützt auf den einen Besucherstuhl, atmen, atmen, und Pause. Atmen, atmen, Pause. Kurz Zeit zwischen den Wehen, um Luft zu holen. Die ganze Situation ein bisschen strudelig. Trotzdem hatte ich das Gefühl, die Kontrolle zu haben. Über mich, über meinen Körper.

Der beste Tipp für die Geburt

Natürlich waren die Wehen schmerzhaft – aber ich wusste immer, wohin mich dieser Schmerz führen würde und hielt mich an den Rat meiner Hebamme aus dem Vorbereitungskurs, den ich in meiner ersten Schwangerschaft gemacht hatte:

„Trau dich, zum Schmerz hin zu atmen.“

Das hat super geklappt und eine PDA wollte ich diesmal auf jeden Fall vermeiden. Während Lottas Geburt habe ich sie etwas zu sehr genutzt und hatte am Ende der Geburt kein Gefühl mehr, wohin ich eigentlich pressen sollte. Ich konnte die Wehen kaum noch spüren und nicht so „arbeiten“, wie ich es gewollt hätte. Dieses Gefühl wollte ich nicht noch mal erleben.

In den anderen Kreißsälen war immer noch die Hölle los. Wenn meine Hebamme es zwischendurch zu mir schaffte, merkte ich, wie leid es ihr tat, dass sie nicht die ganze Zeit bei mir sein konnte. Ungefähr gegen 12 Uhr (in meiner Erinnerung) hatte ich dann plötzlich eine Hebammenschülerin im dritten Ausbildungsjahr an meiner Seite. Meine Hebamme hatte mich trotz der stressigen Situation so gut im Blick (und hat mich natürlich auch zwischendurch untersucht), dass sie wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde. Sie riet mir, André Bescheid zu sagen, damit er sich auf den Weg machen konnte.

Los geht’s – die Presswehen

Die Hebammenschülerin begleitete mich in die Badewanne und blieb bei mir. In den Wehenpausen quatschen wir ein bisschen, aber ich hatte ziemlich schnell das Gefühl, aus der Wanne raus zu müssen. Wir wechselten in den Kreißsaal direkt nebenan und wie auf’s Stichwort kam in dem Moment André durch die Tür. Gerade rechtzeitig zu Beginn der Presswehen.

Wie lange die Presswehen genau dauerten, kann ich im Nachhinein so gar nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass das im Bauch noch mal ein ganz anderer Schmerz als der während der Eröffnungsphase war. Den kannte ich noch nicht (wegen der PDA), aber dank der starken Armen meines Freundes und den Worten meiner Hebamme bin ich auch durch diese Phase gekommen.

Ich will das nicht kleinreden, die Schmerzen unter der Geburt waren wirklich nicht schön. Aber ich hatte seitdem schon Kopfschmerzen, die ich bei weitem schlimmer fand. Vor allem – so viel weniger „nützlich“. Denn nach dieser relativ schnellen Geburt (5,5 Stunden) hielt ich unser zweites Kind in den Armen.

Die Geburt beim zweiten Kind. Ein Erfahrungsbericht.

Hallo Bo!

Während meine Geburtsverletzungen versorgt wurden, genossen wir unser Baby. Unsere Hebamme rieb ihm zwischendurch immer mal wieder kräftig über den Rücken und nachdem wir uns eine halbe Stunde kennenlernen konnten, nahm sie Bo kurz mit zum Kinderarzt. Wie lange er wirklich dort war, kann ich gar nicht sagen – aber Minuten kamen mir vor wie Stunden. Als ich langsam anfing, unruhig zu werden, kam sie glücklicherweise mit ihm im Arm wieder in den Kreißsaal und alles war gut. Das Bonding konnte weitergehen.

Cin Cin! Auf die Liebe und das große Glück der zweiten schönen Geburt

Wie auch nach meiner ersten Geburt war ich ziemlich schnell wieder fit und André und ich stießen mit Weißweinschorle an. Auf uns, auf unser neues Baby, auf das Glück und die Liebe.

Während Bo und ich auf unser Zimmer gebracht wurden, holte André meine Mutter, die absolut rechtzeitig angekommen war, meine Schwester und Lotta vom Spielplatz um die Ecke ab. Sie wollten Bo natürlich alle kennenlernen.

Eifersucht auf’s Baby?

Um von Anfang an möglichst wenig Eifersucht zu schüren, hielten wir uns an diesen Tipp:

„Das Baby am besten nicht auf dem Arm haben, wenn das „große“ Kind ins Zimmer kommt. Gut ist, das Baby sicher neben sich zu legen, das „große“ Kind auf den Arm zu nehmen und gemeinsam das neue Baby zu begrüßen.“

Wer uns diesen Tipp gegeben hat, kann ich gar nicht mehr sagen. Aber ich glaube, dass das für uns auf jeden Fall die richtige Herangehensweise war.

Eifersucht auf’s Baby? Tipp für den ersten Kontakt mit dem Baby

So schnell wie möglich nach Hause

Am liebsten wäre ich am selben Tag noch mit nach Hause gefahren – da der Kinderarzt aber leider erst gegen 2 Uhr Nachts Zeit für die Entlassungsuntersuchung gehabt hätte, blieben wir bis zum nächsten Tag.

Unsere erste Nacht lief auch im Krankenhaus super – trotzdem würde ich diesmal wirklich gerne ambulant entbinden und direkt nach Hause gehen. Vorausgesetzt, es geht dem Baby und mir gut natürlich.

Zwei so unterschiedliche, zwei so schöne Geburten

Wenn ich mich so an diese zweite (und dadurch zwangsläufig auch an die erste) Geburt erinnere, bin ich wirklich zutiefst dankbar für diese beiden tollen Erlebnisse. Mir ist sehr bewusst, dass es viele Frauen gibt, die eine Geburt anders erleben und ich möchte mit meinen Posts niemandem vor den Kopf stoßen.

Ich wünsche mir nur den ein oder anderen positiven Geburtsbericht, der nicht verklärt beschönigt – aber doch Mut machen und Angst nehmen kann. Denn, wie ich auch schon in meinem Bericht über Lottas Geburt geschrieben habe – ich fand es fantastisch, von einer schönen Geburt  zu lesen. Und vielleicht geht es der ein oder anderen von euch auch so.

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  1. Pingback: Die zweite Geburt. Ganz anders und trotzdem schön.

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