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30 Wochen + eine schöne Geburt

Babybauch 30 Wochen, 31.SSW, Schwanger, Schwangerschaft (1)So, 30 Schwangerschaftswochen sind rum, die Geburt rückt so langsam immer näher. Der Neue hat sich zwar noch nicht gedreht und von Wehen merke ich auch noch nichts, aber in meinen Schwangerschaftsapps ploppt das Thema Geburt immer öfter auf, mit Tipps zum Geburtsplan und dem Rat, gegen die Nervosität anzuatmen.

Und auch, wenn ich nie, nie, nie gedacht hätte, dass ich mal was zu dem Thema Geburt schreiben würde – jetzt mache ich es doch. Aber keine Sorge, es gibt keine blutigen Details und keine Horrorgeschichte – es geht mir vielmehr um die andere Seite, darum, dass eine Geburt auch einfach schön sein kann. Mir fällt nämlich in Gesprächen oder auch online immer wieder auf, dass die meisten Frauen wirklich Angst haben vor der (ersten) Geburt.

Und ich finde, das ist auch kein Wunder, wenn man immer wieder von Müttern, Freundinnen, der Tante und auch gerne ungefragt von der Verkäuferin im Umstandsmodengeschäft Geschichten über den schlimmsten Schmerz ever, nicht enden wollende Wehen, kratzborstige Hebammen und verweigerte PDAs aufgetischt bekommt, kombiniert mit der Tatsache, dass viele Frauen einfach nicht mehr genug Vertrauen in sich und die Fähigkeiten ihres Körpers haben. DSC_4753Über das Thema Geburt zu schreiben oder auch zu sprechen ist immer ein bisschen heikel, weil jeder seine eigene Meinung dazu hat und, ganz egal, wie sie verläuft, eine Geburt ist ein einschneidenes Erlebnis. Niemand kann von außen beurteilen, wie die gebärende Frau diese Situation wahr nimmt. Und mir ist auch bewusst, dass es wirklich viele Geburten gibt, die unglücklich laufen, traumatisierend und einfach schrecklich sind und ich möchte niemandem, der so etwas erlebt hat, zu nahe treten.

Aber es geht auch anders. Es kann auch einfach von Anfang bis Ende alles glatt und gut und rund laufen. So wie bei uns und Lottas Geburt.

Normalerweise wäre das trotzdem kein Anlass für mich, hier über meine erste Geburt zu schreiben, aber als ich mit Lotta schwanger war, habe ich auf einer Party eine Mutter kennengelernt, die mir einfach mal erzählt hat, was sie für eine tolle Geburt hatte. Und weil mir dieses Erlebnis so viel mehr in Erinnerung geblieben ist und so viel mehr gebracht hat als all die anderen, schrecklichen Geschichten, dachte ich mir, vielleicht hilft es ja auch der ein oder anderen Schwangeren, die sich gerade auf ihre (erste) Geburt vorbereitet, zu lesen, dass eben nicht alles schrecklich sein muss.

Manchmal wacht man eben auch Sonntagmorgen nach mehreren, erholsamen Stunden Schlaf auf, hat Wehen, fährt ins Krankenhaus, wird im Kreißsaal super betreut, hält 6 Stunden später das Beste, was einem je passiert ist, in den Armen und sagt: Nö, war nicht schlimm, das war echt ’ne schöne Geburt.

Ich gebe zu – es begann alles mit einer kleinen Prise Glück am Vortag der Geburt, mit einer „Einleitung“ der etwas anderen Art sozusagen. Wir waren mit ebenfalls schwangeren Freunden auf dem Design Markt der Altonale, als uns Christian und Andrea Paff plötzlich zwei ihrer Wertmarken entgegenstreckten: zweimal Glück, einmal in blau für meine Freundin und einmal in pink für mich. Glück, Feine Billetterie, Wertmarken für’s Leben,Adventskalender,Altonale Design Markt, Christian und Andrea PfaffUnd auch, wenn es vielleicht ein bisschen albern klingt, ich glaube, dieses Wertmarken-Glück hat uns auch echtes Glück in Bezug auf die Geburt gebracht. Deswegen klebt die Wertmarke auch neben dem ersten analogen Foto von Lotta und mir in ihrem Babyalbum.DSC_5516 (1)Denn das Glück hielt an: Am Morgen des 18.11.2012 wurde ich nach einer erholsamen Nacht um acht Uhr morgens von einer Wehe geweckt. Nachdem ich in Ruhe geduscht, einen Kaffee getrunken und meinen Freund geweckt hatte, riefen wir im Kreißsaal an, um uns anzukündigen, schnappten meine Kliniktasche und fuhren aufgeregt los. Es war ein nebeliger Novembervormittag, mit herrlich klarer und frischer Luft, und als wir auf das uns gut bekannte Krankenhausgebäude zusteuerten, ahnten wir beide nicht, dass es nur noch sechs Stunden dauern würde, bis wir unser Baby in den Armen halten würden.

Im Kreißsaal war alles vorbereitet, als wir ankamen – wir hatten schon wieder Glück, denn es war kaum etwas los. Nachdem die ganzen Routineabläufe wie z.B. das CTG gelaufen waren, wollten wir eigentlich bei dem „schönen“ Wetter noch ein bisschen spazieren gehen. Tatsächlich aber kamen zu diesem Zeitpunkt die Wehen schon in so kurzen Abständen, dass ich eine ganze Weile lang mit einem Schuh am Fuß am Fenster stand, mich an der Fensterbank festhielt und es einfach nicht schaffte, den zweiten Schuh anzuziehen. Denn die Wehen waren schmerzhaft, das will ich gar nicht schön reden.DSC_4750Aber ich wusste, wofür dieser Schmerz gut war, es war ein positiver Schmerz, denn er war einfach ein Teil von dem Ereignis, das uns zu einer Familie machen würde. Ich hatte von vornherein kaum Angst vor den Schmerzen gehabt, außerdem traute ich mich, den Rat der Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs zu befolgen und atmete zum Schmerz hin, statt zu versuchen, ihm auszuweichen. Und obwohl ich sonst wirklich ziemlich schmerzempfindlich bin, hat das wirklich hervorragend geklappt. In den Wehenpausen war ich sogar ziemlich entspannt – mein Freund hat mir hinterher erzählt, dass ich zwischen den Wehen eigentlich immer gelacht hätte. Zwischendurch kam immer mal wieder eine Hebamme zu uns, schaute nach dem Rechten, untersuchte mich und stand uns zur Seite.

Was ich nicht verschweigen will, ist, dass ich, wahrscheinlich berufsbedingt, kein Freund davon bin, jemanden (also auch mich) Schmerzen aushalten zu lassen. Deswegen – und mit einem Anästhesisten als Freund, hatte ich auch schon vorher die Einwilligung für eine PDA ausgefüllt. Als dann auch noch zufällig genau der Anästhesist, den ich mir vorher gewünscht hatte, tatsächlich Dienst hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen und dachte mir: Ach, scheiß drauf, bevor es zu spät ist, das hier noch ewig dauert und schlimmer wird, nimmst du jetzt die PDA.DSC_4754Und für alle, die jetzt verächtlich durch die Lippen pfeifen und sich denken, dass es ja mit einer PDA auch kein Wunder ist, dass wir eine schöne Geburt hatten – ihr könnt gerne aufhören zu lesen. Ja, ich weiß nicht, ob ich ohne die PDA auf die Frage, wie Lottas Geburt denn so war, auch mit einem inbrünstigen „schön“ antworten würde. Ich glaube aber, ehrlich gesagt, schon.

Denn letztendlich war die PDA das, was mir am „wenigsten gefallen“ hat an der ganzen Geburt. Das Stechen tat nicht weh, sie lag super, hat toll gewirkt und es war wirklich nett, mal wieder das Gefühl zu haben, ein bisschen angeschäkert zu sein. Allerdings hat mir dieses Gefühl wohl so gut gefallen, dass ich bei der Dosierung ein bisschen übertrieben habe und am Schluss nicht mehr so viel Gefühl für die Presswehen hatte. Wenn ich es im Nachhinein ändern könnte, hätte ich wohl auf die PDA verzichtet. Aber letztendlich war es trotzdem auch so absolut okay für uns, weil wir zwei tolle Hebammen hatten, die sich die ganze Zeit und auch während dieser Phase extrem gut um uns, um mich und um Lotta gekümmert haben.

Deswegen hatte ich auch, obwohl zwischendurch unter den Wehen plötzlich Lottas Herztöne weg waren, nie richtig Angst. Innerhalb von Sekunden stand ein ganzes Team aus Hebammen und Ärzten um mich herum, das sich gekümmert hat, ruckzuck waren die Herztöne wieder da und gut, es konnte weiter gehen und als um kurz nach 17 Uhr unser Baby auf meiner Brust lag, konnte ich eigentlich gar nicht richtig fassen, dass es das schon gewesen sein sollte.schöne-GeburtEs war ja nicht so, dass ich so richtig drauf gewartet hätte, aber es hätte mich zumindest nicht überrascht, wenn noch ein Horrorerlebnis dazu gekommen wäre.

Aber es kam nicht. Es war, ist und bleibt für uns die perfekte und eine wunderschöne Geburt, nach der wir unser Sonntagskind in die Arme schließen konnten. Übrigens – das tollste Geschenk zum Jahrestag, das man sich vorstellen kann. Ich sag’s ja – manchmal stimmt eben alles.

Ich bin mir nicht sicher, ob meine kleine Geschichte über unsere schöne Geburt jemandem Mut machen kann, der wirklich panische Angst hat vor der ganzen Sache. Vor den Schmerzen, vor dem Krankenhaus an sich, vor eventuellen Verletzungen, die während einer Geburt entstehen können und und und. Ich hatte nämlich tatsächlich wirklich schon keine Angst, bevor ich auf der Party die oben erwähnte Geschichte über diese tolle Geburt gehört hatte.

Ja, mir war auch mulmig vor dieser großen Unbekannten „Geburt“, über die es so viel Gerede und Geschichten gibt. Aber prinzipiell hatte ich von Anfang an Vertrauen in mich, in meinen Körper, in unser Baby und in die medizinische Versorgung in der Klinik. Und in meinen Freund, der an diesem Tag instinktiv alles richtig gemacht hat.

Wäre es nicht super, wenn es mehr von diesen schönen Geburtserlebnissen geben würde? Einen tollen Start ins Leben für das Baby, in das Leben als Familie und als Eltern, Geschichten, die schwangeren Töchtern, Freundinnen, Bekannten und Fremden Mut machen, selbstsicher in Richtung Geburt zu blicken statt Angst zu schüren? Vielleicht, vielleicht gibt unser Erlebnis ja einer oder zweien oder auch mehr Schwangeren ein gutes Gefühl in Bezug auf ihre bevorstehende Geburt. Denn ich glaube wirklich, dass viel über die Einstellung läuft, ob man sich verkrampft, weil man von vornherein schon riesige Angst hat oder ob man sich locker, in freudiger Erwartung, selbstbewusst und mit Vertrauen in sich auf das Erlebnis Geburt einlässt.

In diesem Sinne wünsche ich allen anderen Schwangeren eine schöne Geburt und bin gespannt, ob sich meine These für die Geburt des Neuen bestätigt.DSC_4752P.S. Mir ist, wie schon in der Einleitung angesprochen, bewusst, dass jede Frau eine Geburt anders wahr nimmt, dass man manche Dinge einfach nicht beeinflussen kann und dass auch unvorhergesehene und schlimme Dinge passieren können, wenn man positiv und angstarm in die Geburt geht. Dieser Post ist nur (m)ein Erfahrungsbericht, mit dem ich zeigen möchte: Manchmal läuft einfach alles gut.

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