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36 Wochen + mein Erfahrungsbericht zur äußeren Wendung im UKE

Schwanger, Babybauch, Maternity, Pregnant, 37SSW, 36 Wochen, Schwangerschaft, PinkepankDer Babybauch mit dem Neuen bei 36+5, also Ende der Schwangerschaftswoche 37. Die Kliniktasche sollte mittlerweile gepackt sein, der Geburtsplan stehen und auch sonst alles fertig und organisiert sein. Ich glaube, es überrrascht niemanden, wenn ich zugebe, dass bei mir noch das ein oder andere Häkchen auf meiner To-do-Liste fehlt. Aber wenn ich eins aus den Monaten mit Lotta und dieser Schwangerschaft mitnehme, dann, dass Planung und Organisation zwar hilfreich sein können (Windel, Getränk und einen Snack dabei zu haben erleichtert das Leben ungemein), auf der anderen Seite aber auch einschränken und zu Erwartungen führen, die, wenn sie so nicht eintreffen, für Enttäuschung und Panik sorgen.

Wie zum Beispiel die Tatsache, dass der Neue in Beckenendlage verharrte und sich nicht von selbst drehen wollte – oder konnte – und damit, wie ich ja letzte Woche geschrieben hatte, ein Kaiserschnitt als mögliche Entbindungsmethode zur Diskussion stand, was mich ziemlich unglücklich gemacht hat.

Einige haben es ja bereits über Instagram verfolgt – der Neue liegt mittlerweile „richtig“ rum, also in Schädel- und nicht mehr in Beckenendlage. Zu verdanken haben wir das nicht seinem eigenen Elan, sondern einer äußeren Wendung im UKE, dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Über diese äußere Wendung hört man viel und erfährt wiederum fast nichts, wenn man anfängt, sich damit auseinanderzusetzen. Und bei der Internet-Recherche findet man hauptsächlich Beiträge in Foren zu den Themen; bei einer klappt dies, bei der anderen jenes und bei manchen leider einfach gar nichts.

Deswegen haben wir relativ schnell ein Beratungsgespräch zur äußeren Wendung bei Frau Dr. Hollwitz im UKE vereinbart und uns danach für eine äußere Wendung entschieden, nachdem wir Vor- und Nachteile sowie die möglichen Risiken abgewogen hatten.

Wenn ihr also überlegt, eine äußere Wendung machen zu lassen, kommt ihr um ein Beratungsgespräch inklusive Ultraschall nicht herum. Dabei geht es erstmal darum, herauszufinden, ob eine Wendung im individuellen Fall überhaupt möglich ist. Dafür werden unterschiedliche Parameter erhoben, unter anderem Größe und Gewicht des Kindes, die Fruchtwassermenge, die Plazentalokalisation, ob der Steiß noch gut bewegt werden kann, um welche Art der Beckenendlage es sich handelt, ob Nabelschnurumschlingungen vorliegen oder nicht und um die wievielte Schwangerschaft es sich handelt.

Für jeden Parameter gibt es Punkte, die zu einem Wendungs-Score zusammengerechnet werden. Fällt der Score positiv aus, kann eine äußere Wendung also empfohlen werden, liegen die Aussichten auf Erfolg in der 37. Schwangerschaftswoche, also ab 36+0 ein bisschen höher als in der 38. Schwangerschaftswoche, insgesamt gelingen im UKE um die 60% aller Wendungsversuche.

Wir konnten in dem Beratungsgespräch alle unsere Fragen klären und hätten uns danach sogar eine Spontangeburt trotz Beckenendlage vorstellen können, für den Fall, dass die äußere Wendung nicht geklappt hätte, obwohl das für uns vorher nicht zur Debatte stand.

Kliniktasche:Aufklärungsbögen äußere Wendung UKEDen Aufklärungsbogen für die äußere Wendung haben wir mit nach Hause bekommen, wir konnten also in Ruhe noch mal alles durchlesen und weitere, mögliche Fragen notieren. Ich hab auch sporadisch meine Kliniktasche gepackt und mitgenommen, ich dachte mir, ich setze auf das Prinzip Regenschirm – wenn man den dabei hat, braucht man ihn ja auch nie. Kreißsaal:Aufnahme UKEAm Tag der äußeren Wendung wurde ich dann im UKE aufgenommen, habe ein Zimmer im Kreißsaal, ein Bett und ein Nachthemd bekommen und Dr. Ortmeyer, der die Wendung an diesem Tag durchführen sollte, hat noch mal per Ultraschall gecheckt, ob auch seiner Meinung nach und immer noch die Faktoren für eine erfolgreiche äußere Wendung sprachen. Nach dem Ultraschall wurde 30 Minuten ein CTG geschrieben, um sicherzustellen, dass die kindlichen Herztöne unauffällig sind, danach bekam ich einen Venenzugang und ein wehenhemmendes Mittel.

Eine Nebenwirkung der Wehenhemmung ist oft Herzrasen – das kannte ich zwar von Lottas Geburt schon, aber diesmal dauerte diese prophylaktische Wehenhemmung ja viel länger – und bei den Temperaturen war es ziemlich anstrengend, eine halbe Stunde lang mit Tachykardie im Bett zu liegen und zu warten. Aber es gibt eindeutig Schlimmeres.

Nach ca. einer halben Stunde Tokolyse und CTG ging es dann zum Glück endlich los mit der äußeren Wendung. Grob gesagt funktioniert das so, dass der Arzt den Steiß des Kindes mobilisiert, nach oben drückt und festhält, um dann mit der anderen Hand den Kopf nach unten zu bringen. Es werden also wirklich nur von außen die Hande auf den Bauch „gelegt“ und dann wird versucht, das Kind durch richtungsweisenden Druck in die Schädellage zu bringen. Zwischendurch hat Dr. Ortmeyer immer wieder per Ultraschall die Kindslage und die Herzaktion kontrolliert und mich hat es sehr beruhigt zu wissen, dass er nicht weitergemacht hätte, wenn er während des Wendungsversuches gemerkt hätte, dass es nicht funktioniert. Das war mir wirklich wichtig, zu wissen und auch darauf vertrauen zu können, dass er nicht versuchen würde, den Neuen um jeden Preis zu drehen, nur weil er vorher die Erfolgsaussicht positiv eingeschätzt hatte.

Und weil so viele gefragt haben, wie sich das denn eigentlich anfühlt: es hat echt weh getan. Es ist ein ganz komisches Gefühl, zu spüren, wie das Kind zwischendurch plötzlich quer im Bauch liegt und es ist auch nicht schön, die Schmerzen und den Druck auf den Bauch auszuhalten und nicht zu versuchen, dem auszuweichen.

Ich war so froh, dass eine Hebammenschülerin da war, die mich die ganze Zeit angeleitet hat, kurz ein- und lang wieder auszuatmen, wie bei Geburtswehen eigentlich. Ich habe ihre Hand und natürlich auch die Hand meines Freundes gequetscht und versucht, mich auf’s Atmen statt auf den Schmerz zu konzentrieren, was auch ganz gut geklappt hat. Trotzdem war ich froh, als der Neue dann endlich mit dem Kopf nach unten lag und das Ganze vorbei war.OK:CTG UKENach der erfolgreichen Wendung wurden noch fast eine Stunde lang per CTG die Herztöne vom Neuen überwacht, um sicher zu gehen, dass es ihm wirklich gut geht und dann konnten wir einfach nach Hause gehen.

Am nächsten Tag sollten wir ein Kontroll-CTG und eine Lagekontrolle in einer Klinik unserer Wahl machen lassen und mein Bauch hat sich noch zwei Tage lang angefühlt wie ein großer, blauer Fleck, obwohl von außen nichts zu sehen war.

Wir haben dann das Wochenende über irgendwie noch gebraucht, um wirklich zu realisieren, dass alles gut geklappt hat, der Neue jetzt so liegt, wie er soll und einer spontanen Geburt nichts mehr im Weg steht – mittlerweile freu ich mich darüber einfach wahnsinnig und bin froh, dass wir die äußere Wendung gemacht haben.

Im Nachhinein würde ich sie auf jeden Fall empfehlen für alle, die keinen Kaiserschnitt wollen und eine Spontangeburt in Beckenendlage irgendwie unheimlich finden. Die Schmerzen waren schon wirklich nicht schön, aber für das Ergebnis haben sie sich auf jeden Fall gelohnt.

Und ich finde, dass sowohl Frau Dr. Hollwitz als auch Herr Dr. Ortmeyer so einen guten Job gemacht haben, dass man sich auf jeden Fall in ihre Hände begeben kann. Mir hat selten ein Arzt so viel Sicherheit und Zuversicht vermittelt wie diese beiden.

Für die äußere Wendung kann ich also eine klare Empfehlung für’s UKE aussprechen, und für eine spontane Beckenendlagen-Geburt wären wir auch ins UKE gegangen, da wir im Geburtsvorbereitungsgespräch in der AKA erfahren haben, dass dort bei Beckenendlage immer ein Kaiserschnitt gemacht wird.

Wichtig finde ich noch, dass man die äußere Wendung als Schwangere nicht alleine „durchstehen“ sollte, ich fand es enorm hilfreich und schön, dass mein Freund dabei war, erstens als seelische Unterstützung, weil ich seine Hand quetschen konnte, weil er mir hinterher was Leckeres zu essen besorgt hat und auch für den (unwahrscheinlichen) Fall, dass doch eine Notsectio nötig gewesen wäre.Brot:Saft:Babybauch nach WendungUnd jetzt – warten wir ab, wie viele Bauchbilder es noch geben wird, trinken ein Tässchen Himbeerblättertee und ich arbeite meine To-do-Liste ab.

 

P.S. Das hier ist keine Werbung für’s UKE oder ähnliches, es ist nur mein Erfahrungsbericht, wie die äußere Wendung so abgelaufen ist und weil wir wirklich zufrieden sind, empfehle ich das UKE weiter, so wie es mir auch von allen, mit denen ich über das Thema Beckenendlage und äußere Wendung gesprochen habe, empfohlen wurde.

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