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Alltagsgeschichten. Von Zimtduft, Kaffeesucht und 5-Minuten-Mama-Make Up.

Alltagsgeschichten. Von Zimtduft, Kaffeesucht und 5-Minuten-Mama-Make Up.

In der Wohnung riecht es leise nach Zimt, als ich die Tür aufschließe. In meinen Augenringen spüre ich deutlich die 5 Bleche Muffins, die ich bis um 1:00 gebacken habe. Ich atme tief ein und greife nach der Tasse mit kaltem Kaffee, die auf der Ecke vom Schuhschrank steht. Ein letzter Schluck heißer Kaffee, bevor wir losgehen zur Kita. Und ein erster Schluck, wenn ich mit Ella wieder reinkomme. Kalt. Aber das macht nichts. 

Wenig Schlaf, viele Termine

Um meine Hüfte baumelt die Manduca, ich bin für alles gewappnet. Bei jedem Schritt schwingen die Bänder und Schultergurte hin und her, Ella schläft im Kinderwagen. Vor und zurück, vor und zurück, bloß nicht aufwachen. Obwohl ich sie viel lieber dicht bei mir hätte, tut meinem Rücken die Entlastung durch den Kinderwagen gut.

Mein Blick fällt in den Spiegel. Ungeschminkt, aber immerhin abgeschminkt. Meine Mütze auf den nassen Haaren, für Shampoo hat es nicht mehr gereicht, bevor Babygeschrei mich aus der Dusche geholt hat. Fürs Rasieren auch nicht, immerhin bin ich gewaschen.

Kinderwagen Joolz HUB

Vor und zurück, vor und zurück. Ich stehe im Flur, das Laptop auf dem Schuhschrank. Optimale Stehtischhöhe. Die Zeit zerrinnt, in 50 Minuten muss ich aus der Tür. Nach neun Wochen habe ich es geschafft, auch mal für mich einen Termin zur Nachsorge bei meiner Gynäkologin in den Terminplan zu quetschen. Rückbildung? Haha. Ha. Ha. Obwohl – immerhin einen Flyer „Schwangerschaft und Rückbildung“ habe ich gestern schnell eingesteckt, als ich die Kinder vom Turnen abgeholt habe.

Prioritäten, Baby!

Noch habe ich mich nicht entschieden, welche Prioritäten ich setze, bevor wir uns wieder auf den Weg machen müssen. Haare doch noch mit Shampoo waschen? Oder den ganzen Tag mit Mütze? Schminken? Lieber erstmal noch eine Tasse Kaffee.

Vom Flur sehe ich einen Teil des Wohnzimmers. Meine feuchten Handtücher liegen auf dem Boden, genau dort, wo ich sie fallen lassen habe, um brüllenden Hunger zu stillen. „Ich könnte sie einfach aufheben, ins Bad bringen, über die Heizung hängen…“ denke ich, während meine Augenlieder noch ein bisschen weiter Richtung unterem Wimpernkranz sinken.

Kaffee, also erstmal Kaffee. Und ein großes Glas kaltes Wasser.

Alltagsgeschichten. Von Zimtduft, Kaffeesucht und 5-Minuten-Mama-Make Up.

Meine Hose kneift und ich bin genervt. Bei manchen Blicken in den Spiegel denke ich: Joa, nicht schlecht, hast schon schlimmer ausgehen. Meine Klamotten aber fühlen sich nicht so an. Eigentlich bin ich damit im Reinen, heute morgen, nach 5 Stunden Schlaf mit Stillunterbrechungen – irgendwie nicht. Ich schmeiße mich in eine meiner Schwangerschaftshosen und fühle mich… gemütlich.

Gemütlich kann ich allerdings gerade nicht gebrauchen, jetzt sind es nur noch 39 Minuten, bis wir wieder losmüssen. Geschafft? Bisher nix.

Hier mal schnell und da mal schnell

Also los, aufraffen. Auf dem Weg ins Bad nehme ich die Handtücher mit, stecke schonmal meinen Mutterpass in die Tasche, fülle Windeln und Wechselsachen für unterwegs nach und hänge das Fußballtrikot mit auf die Heizung. Damit es nachher zum Fußballtraining auf jeden Fall trocken ist.

Während das Wasser über meine Haare läuft und in meinen Ohren rauscht, habe ich Angst, Ella nicht zu hören, wenn sie weint. Ja, so bin ich eben. Ich mache mir Gedanken, manchmal zu viele, aber immerhin besser als keine.

Handtuch um die Haare, alles ist still. Still? Wieso still? Der Kaffee sollte doch schon brodeln? Check in der Küche, klar, ist nix mit brodelndem Kaffee, wenn der Herd nicht an ist.

Nix zum Anziehen…

Die gemütliche Hose fühlt sich auch komisch an, wir werden heute keine Freunde mehr. Was sag ich, nicht nur heute. Sie kommt auf den Stapel „zu verkaufen“ und ich verschwende wertvolle Minuten mit der Überlegung, was ich anziehen soll. Die (zu) enge Hose? Latzhose? Ist irgendwie doof bei der Gynäkologin. Alle Röcke sind mir zu kalt, also die enge Hose. „Vielleicht verkneife ich mir dann auch meine halbe Tafel Schokolade.“ denke ich und weiß jetzt schon, dass das nicht stimmt.

Ella regt sich, kurze Stillpause und verliebtes Babykuscheln. Wenn ich den richtigen Moment abgepasst habe, wird sie trinken und wieder einschlafen. Dann zurück in den Kinderwagen und ich könnte weitermachen. Best case. Worst case: trinken, weinen und von Hacken bis Nacken durchkacken. Bei dem Gedanken daran in Zusammenhang mit meinem schmelzenden Zeitkontingent treten mir die Schweißperlen auf die Stirn.

Aber – Glück gehabt. Satt schlummert sie wieder ein, Hacken bis Nacken kommt wahrscheinlich erst nachher im Wartezimmer. Egal, nicht dran denken, im Moment leben und im Moment ist erstmal – alles gut. Baby zurück in den Kinderwagen – immer noch alles gut.

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5 Minuten „Mama Make Up Routine“

Zehn Minuten habe ich noch. Das heißt, ein schnelles Make Up ist noch drin. Was heißt schnell – es ist das einzige Make Up, das ich kann. Und da ich für meine morgendliche „Mama Make Up Routine“ (das wollte ich schon immer mal schreiben) nur 5 Minuten brauche, passt das. Fünf Minuten, ernsthaft. Vor kurzem mit dem Timer gestoppt, weil André immer zu mir sagt: „Alle warten nur auf dich, immer brauchst du ne Stunde im Bad, um dich fertig zu machen!“

Seitdem kann ich, wenn er mit Augenrollen auf mein „Ich muss mich nur noch schnell schminken“ reagiert, mit hochgezogenen Augenbrauen triumphierend lächelnd auf meine imaginäre Uhr tippen und sagen: „5 Minuten!“.

Einen Hauch getönte Tagescreme, Concealer, Mascara, Glow, Augenbrauengel und besagte 5 Minuten später bin ich so weit. Quasi. Schnell noch Kaffee, ein Käsebrot. Und eine Flasche Wasser. Der Stillhunger kommt plötzlich und er kommt gewaltig.

Leise sprinte ich in die Küche (ja, das kann ich). Schnell den Kaffee aufsetzen, zum Mitnehmen. Ohne Kaffee geht nix. Ich klatsche Butter und eine Scheibe Käse zwischen zwei Scheiben Brot. Eine Hälfte in die Brotdose, die andere esse ich, während ich meine Wasserflasche fülle.

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Schnell los

Leise zurück zum Kinderwagen, der immer noch an der Wohnungstür neben dem zum Steharbeitsplatz umfunktionierten Schuhschrank steht. Proviant in die Tasche und kurzer Check, ob ich alles habe. Schnell die Schuhe anziehen, dank Käsebrot hänge ich meinem Zeitplan acht Minuten hinterher. So langsam werde ich etwas hektisch und natürlich, was passiert? Nein, zum Glück nicht Hacken bis Nacken, aber Ella weint.

Wechsel vom Kinderwagen in die Manduca, Rücken und Schultern hatten lange genug Pause. Zum Glück schläft sie gleich weiter und wir können los. Ein letzter Blick in den Spiegel, ich merke, dass ich immer noch das Handtuch vom Haare waschen um den Kopf geschlungen habe. Runter damit, die nassen Haare etwas entdröseln, trocknen können sie an der Luft, es ist schon warm draußen. Ein wirklich allerletzter Check im Spiegel, jetzt müssen wir uns sputen. Auf dem Weg nach draußen fällt mein Blick auf meine Hand am Kinderwagengriff und ich frage mich, ob draußen jemand denkt:

„Na wenigstens die Nägel hätte sie mal ordentlich lackieren können…“?

Die Tür kracht mit Schwung laut ins Schloss. Während wir auf den Fahrstuhl warten, schließe ich kurz die Augen, atme tief ein und rieche – Kaffee und Zimt.

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