Das Leben Eben
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Pinkepank – Baby No. 3

Ein reißerischer Titel – und ich verrate gleich zu Anfang: Nein, schwanger bin ich nicht.

Aber es gibt trotzdem Zuwachs in der Familie Pinkepank. Nicht in der realen, aber in der virtuellen.

Bevor ich, wie es eigentlich meine Art wäre, gleich damit rausplatze, muss ich ein paar Schritte zurückgehen, auch, um mir selbst mal klar zu machen, was hier eigentlich gerade passiert. In meinem letzten Post habe ich über geplatzte Träume geschrieben, darüber, dass ich keine Ärztin mehr werde, obwohl das lange Zeit mein Traum, und fast mein Lebensinhalt war.

Ich möchte nicht wiederholen, warum ich mein Studium abgebrochen habe und warum ich auch nicht als Krankenschwester zurück in die Notaufnahme oder überhaupt ins Krankenhaus möchte. Das wäre langweilig. Ich möchte lieber an einem anderen Punkt anfangen.

Exmatrikulation. BÄM.Und, was machst du so? Von geplatzten Träumen und neuen Chancen | PinkepankObwohl ich mich aus guten Gründen dagegen entschieden hatte, weiter Medizin zu studieren, löste die Exmatrikulation eine kleine bis mittelschwere Lebenskrise bei mir aus. Ich arbeitete zwar noch weiter in der Notaufnahme, aber natürlich war zu diesem Zeitpunkt schon klar – das ist nicht mehr das, was ich will. Mir wurde bewusst, wie sehr ich mich über meinen Beruf definiert hatte, er war so ein großer Teil von meinem Leben, dass die Lücke plötzlich riesengroß war. Ich hatte mich in der Medizin verloren, in der Vorstellung von mir im weißen Arztkittel, alles andere war diesem Ziel zum Opfer gefallen.

Und auch, wenn es ein bisschen albern und esoterisch klingt – nachdem ich die Notbremse gezogen hatte, musste ich erstmal wieder rausfinden, was ich will, was ich kann, wer ich bin. Und statt heimlich, still und leise Tagebuch zu schreiben, fing ich an zu bloggen. Ich lernte, machte vieles falsch und manches richtig. Mein Freund brachte mir das Fotografieren bei und ich plötzlich war ich eine Bloggerin. Auch, wenn mir das die ersten zwei Jahre wirklich schwer über die Lippen kam, es war mir immer ein bisschen unangenehm.

Warum das so war, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Und im Nachhinein kann ich mich natürlich auch nicht mehr verstehen. Denn warum sollte mir etwas unangenehm sein, in das ich so viel Leidenschaft, Zeit, Geld und vor allem Herzblut investiere?

schöne-GeburtIm selben Jahr wie mein Blog wurde auch Lotta geboren. Vielleicht wirkt es nach außen so, als ob ich die „bequeme“ Variante, Mutter zu werden, gewählt hatte, weil ich nicht wusste, wohin ich beruflich will und wie es weitergehen soll. Tatsächlich war das einfach ein relativ guter Zeitpunkt für uns, wir wollten ein Baby, den hunderprozentig richtigen Zeitpunkt gibt es sowieso selten und wir dachten uns – wenn nicht jetzt, wann dann?

Von der Medizinstudentin zur Bloggerin und Mama, alles innerhalb eines Jahres. Das war schön, aufregend, aufreibend, spannend, erschöpfend, brachte mir neue Freundschaften, neue Sichtweisen und zeigte mir, zu was ich eigentlich in der Lage war. Die ersten Monate war ich natürlich vollkommen ausgelastet damit, Mutter zu sein. Aber schon bei den Spaziergängen mit Kinderwagen kam immer wieder das Thema Job auf. Ich erinnerte mich wieder an die Gespräche mit meiner Freundin Lotta, die wir in den seltenen ruhigen Nachtdiensten hatten. Über Träume, Wünsche, Hirngespinste, ferne Ziele vielleicht. Sie träumte von einem eigenen Café, mit dampfendem Kaffee, saftigem Kuchen und der schönsten Einrichtung ever. Ich malte mir einen Laden aus, meinen Laden, mit lauter schönem Kinderkram.

Und dieser Traum vom eigenen Laden ließ mich nicht mehr los. Vor allem, weil mir in so vielen Situationen auffiel, wie wenig liebevoll und schön viele Dinge für Kinder gestaltet sind. Ich glaube, der Satz, den ich beim Shoppen für Lotta und später für Bo gesagt habe, war: „Hmmm, ja… Gibt’s das auch in schön?“. Mein Freund findet mich pingelig, aber mir ist gutes Design und schönes Material einfach wichtig, auch und vor allem bei Dingen für meine Kinder. Bei Klamotten, Spielzeug, Schuhen, ja, sogar bei Haargummis.

Die Idee für einen Laden waberte also in meinem Kopf herum, in dem Teil des Gehirns, der nicht durch Hormone und Stilldemenz lahmgelegt wurde.Babybauch Woche 32-40Als Lotta ein Jahr alt war, wurde ich wieder schwanger. Gewollt und geplant, aber doch überraschend schnell. Jobpläne wurden also erstmal wieder geschoben, ich konzentrierte mich auf’s Bloggen, das mir immer mehr Spaß machte. Der Blog wuchs, ich freute mich wahnsinnig darüber, wahrgenommen zu werden, steckte noch mehr Zeit und Energie in dieses Hobby. Die Themen verschoben sich ein bisschen, Kinder, Mode, Design, Lifestyle, darüber zu schreiben fiel mir leicht. Ich begann immer mehr, meine eigene Stimme zu finden, meinen eigenen Stil zu festigen.

Also Bo geboren wurde, hatte ich natürlich erstmal alle Hände voll zu tun. Plötzlich zu viert zu sein, Mutter von zwei Kindern, den Bedürfnissen einer fast Zweijährigen und eines Säuglings gerecht zu werden, das forderte mich. Der Blog trat ein bisschen in den Hintergrund. Ganz lassen konnte ich es natürlich nicht, also konzentrierte ich mich eine zeitlang mehr auf’s „Mikroblogging“. Gemeint ist natürlich Instagram. Ich liebe Instagram, die schönen Bilder, die schnelle Kommunikation, Instagram ist einfach mein Ding.

Je mehr Zeit ich inmitten dieser wunderschönen Bilder verbrachte, umso mehr wurde mir wieder bewusst, wie unglaublich viele, tolle Labels es da draußen gibt. Solche, die ganz klein angefangen hatten und mittlerweile so bekannt sind, dass ich sie sogar ab und zu an anderen Kindern in der Krippe sehe, Labels, die zumindest die Mütter, die sich mit Mode beschäftigen, schon mal gesehen haben. Und dann gibt es natürlich auch noch die ganz kleinen, unentdeckten.Baby No.3 Pinkepank Shop | PinkepankDer Idee vom eigenen Laden nahm nach und nach Form an. Ich recherchiere, las, lernte, besuchte Gründerveranstaltungen, erweiterte mein Gewerbe und war plötzlich Mompreneur. Konfrontiert mit Dingen wie der Umsatzsteuervoranmeldung, meinem ersten Flug und meiner ersten Nacht allein ohne die Kinder. Schnell war auch klar, dass ich die Mietpreise in der Schanze nicht alleine wuppen können würde. Die Notlösung, mit der ich heute mehr als glücklich bin, war also: ein Onlineshop.

Pinkepank Shop.

Ein Kids Concept Store, mit wunderschönen Klamotten, tollem Spielzeug für Kinder und einem winzigen Bereich für die Mamas. Der sich vielleicht ausbauen lässt, je nachdem, ob ihr genau so gerne noch eine Kleinigkeit für euch shoppt, wenn ihr für die Kinder bestellt, wie ich.

Seit fast einem Jahr arbeite ich auf dieses Ziel hin, die meiste Zeit von Zuhause, seit August endlich aus einem kleinen Büro mitten in der Schanze. Diese Gründungsphase ist und war das anstrengendste, was ich bisher gemacht habe. So müde und erschöpft war ich weder in der Zeit, als die Kinder geboren wurden, noch nach 13 Frühdiensten am Stück in meiner Ausbildung.

Aber diese Gründungsphase, dieser Schritt in die Selbstständigkeit, der Sprung ins kalte Wasser ist nach fast drei Jahren, in denen ich immer nach einer Zukunftsperspektive gesucht habe, genau das, was mich glücklich macht. Ich freue mich so sehr über jede einzelne Lieferung, mein Herz klopft, wenn ich die weichen Stoffe, hochwertiges Holz und feines Papier in den Händen halte. Ich kann es nicht abwarten, die Babybodys, Mützchen und Spieluhren in Seidenpapier zu wickeln und auf die Reise zu schicken, zu Müttern und Familien, die sich hoffentlich genau so darüber freuen wie ich. Ich freue mich drauf, Outfits zu verpacken, für den Alltag und für besondere Anlässe. Geschenke, für die Freundin, die Schwester, sich selbst.DSC_8207Die Strapazen dieser Gründung, die ein bisschen wie in drittes Baby ist, werden sicher genau wie nach einer echten Geburt, bald in den Hintergrund rücken, Platz machen für Energie und noch mehr Ideen.

Ich hatte den Mut zu scheitern. Und jetzt habe ich den Mut, meine Träume zu verwirklichen.

To be continued.

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