Das Leben Eben
Kommentare 11

1000 Fragen an mich selbst #17

1000 Fragen an mich selbst

Die 20 Fragen meiner Serie 1000 Fragen an mich selbst zu beantworten, fiel mir diesmal ziemlich schwer. Rechtzeitig geschafft hab ich es auch nicht und es ich hatte das erste Mal das Gefühl, die Fragen schaffen zu „müssen“.

So richtig gut geht es mir gerade nicht – dem Baby zum Glück schon – aber ganz im Sinne der Selbstfürsorge, um die es mir bei dieser Aktion ja auch geht, habe ich den Post einfach verschoben. Geschrieben, wenn es ging und auch einfach mal geschlafen, wenn es sein musste.

Neu dabei?

Falls ihr neu dabei seid und gerne noch einsteigen möchtet, alle Infos findet ihr in diesem Post und unter dem Schlagwort 1000 Fragen an dich selbst hier auf dem Blog. Ihr könnt übrigens jederzeit einsteigen, mit Frage 1 anfangen (die findet ihr im ersten Post, siehe Links) oder mit Frage 100, ganz wie ihr wollt. Und ihr könnt gerne auch unter jedem aktuellen Post eure Posts mit anderen Fragen verlinken.

1000 Fragen an mich selbst #17

321: Was gibt dem Leben Sinn? 

Beziehungen, Freundschaften, Liebe, für die eigene Überzeugung einzustehen und sich einzusetzen für das, was einem wichtig und woran man glaubt.

322: Was hättest du gern frühzeitiger gewusst? 

Wie sehr sich das Leben mit Kindern wirklich ändert. Wie überwältigend diese Liebe, die Verantwortung, die Angst um’s Baby sein kann. Wie einschneidend und einzwängend und isolierend. Wie wunderbar und furchtbar zugleich, wie grenzwertig, grenzverschiebend und grenzüberschreitend. Wie gefordert, überfordert und unterfordert man sich im ersten Jahr mit Baby fühlen kann. Wie matschig sich das eigene Gehirn plötzlich anfühlen kann, wie deplatziert und störend man sich plötzlich in der Öffentlichkeit fühlen kann. Wie hoch die Hochs des ersten Kinderkusses, des ersten „Mama, ich liebe dich.“ und dieses urtiefen Vertrauens des eigenen Kindes in dich sein können. Und wie tief die Tiefs. Dass man über sich hinaus wächst und über so viel Stärke und Kraft verfügt, wie man es nie für möglich gehalten hätte.

323: Wie alt fühlst du dich? 

An manchen Tagen wie 60 – gerade jetzt in der Schwangerschaft mit niedrigem Hb, Rückenschmerzen und Augenringen bis zu den Knien. An anderen Tagen eher wie Mitte zwanzig, wenn André und ich alleine unterwegs sind, mit dickem Babybbauch und man den Leuten auf der Straße ansieht, dass sie glauben, wir würden unser erstes Kind erwarten. Und oft eben einfach mit Mitte Dreißig, schwanger, mit zwei kleinen Kindern und selbstständig.

324: Was siehst du, wenn du in den Spiegel schaust? 

Augenringe und Sommersprossen.

325: Kannst du gut zuhören?

Ja, ich kann gut zuhören und Geheimnisse sind bei mir bestens verwahrt.

326: Welche Frage wurde dir schon zu häufig gestellt?

„Bist du schwanger?“ als ich es noch nicht war oder es noch nicht verkündet hatte, dicht gefolgt von: „Bist du SICHER, dass da keine ZWILLINGE drin sind?!„.

327: Ist alles möglich?

Während ich über diese Frage nachgedacht habe, ist mir bewusst geworden, dass ich die Aussage „Alles ist möglich“ durchweg positiv assoziiere. Alles ist möglich bedeutet höher, schneller, weiter, besser. Bei genauerer Betrachtung merke ich allerdings, dass auch in die andere Richtung alles möglich ist:

Eigentlich würde ich mit jugendlichem Leichtsinn und aus der Situation heraus, dass wir es einfach gut haben im Leben, sagen: ja, klar, natürlich ist alles möglich! Immerhin fliegen Menschen ins Weltall, es gibt Elektrizität und die Medizin kann Krankheiten heilen, an denen die Menschen früher reihenweise gestorben sind.

Auf der anderen Seite sterben Wale mit 30 Plastiktüten im Magen, einer der ältesten und wichtigsten Berufe der Menschheit stirbt langsam aus und Krankenhäusern ist wirtschaftlicher Profit wichtiger als Angestellte und Patienten. Frauen werden immer noch in so vielen Bereichen benachteiligt, noch schlechter stehen sie da, wenn sie Mutter oder gar alleinerziehend sind.

Ernüchternd. Es ist scheinbar alles möglich, in alle Richtungen.

328: Hängst du an Traditionen?

Jein. Wir sind noch dabei, unsere eigenen Traditionen für uns zu finden und zu festigen. Die einzige richtige Tradition, die wir haben ist tatsächlich unsere Goodbye Christmas Party am 26.12. mit Freunden.

329: Kennt jemand deine finstersten Gedanken?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich mir erstmal selbst die Frage stellen, welches meine finstersten Gedanken überhaupt sind. Der Wunsch nach meinem alten Leben ohne Kinder, der ab und zu aufploppt? Ich bin mir sicher, den kennen alle Eltern und ja, solche Gedanken von mir kennen Freunde und auch mein Freund.

Dass ich mir zu Shop-Zeiten manchmal gewünscht habe, angefahren zu werden, um endlich mal eine Pause zu haben? Diesen Gedanken, der mir im Nachhinein noch Angst macht, hab ich sogar  mit allen geteilt, die hier mitlesen.

330: Wie sieht für dich der ideale Partner aus?

Ich glaube, den perfekten Partner ohne Fehler und Macken gibt es nicht. An jedem Menschen gibt es Eigenschaften und Verhaltensweisen, die stören, die man sich anders wünscht. Solange das Kleinigkeiten sind, Sachen, die man aushalten kann, würde ich immer sagen – mit einem anderen Partner hat man andere Probleme. Deswegen ist es dann wichtig, sich auf die positiven Seiten zu konzentrieren und die Macken im besten Fall milde lächelnd zu ignorieren (also, falls André diesen Teil hier liest, wird er sich vermutlich schlapplachen. Aber ich geb mein Bestes, das auch so umzusetzen. Klappt, wie vermutlich in den meisten Beziehungen mit kleinen Kindern mal so – und  mal so).

Mir ist Intelligenz wichtig, Vertrauen, eine gemeinsame Basis, Treue. Das man gemeinsam lachen kann,  sich gegenseitig stützt. Und, das merke ich immer wieder, eigene Stärke, die Kraft, eigene Bedürfnisse zu formulieren und im Gespräch miteinander zu bleiben.

331: Wonach sehnst du dich?

Nach Ruhe. Ziemlich paradox, wo doch der Trubel hier mit drei Kindern in Zukunft noch größer werden wird – aber jetzt gerade, in diesem Moment, in dem ich versuche, zu schreiben, sehne ich mich nur nach Ruhe. Aus dem Kinderzimmer plärrt Conni und durch den Flur bollert ein Kind hinter einem Fußball hinterher. Natürlich nicht, ohne gleichzeitig Fußballkommentator zu sein und mir ununterbrochen zuzuschreien, wie der Spielstand ist.

Wieder einer dieser Momente, in denen ich mir eine schalldichte Dusche wünsche…

332: Bist du mutig?

Ja, ich finde mich mutig. Erstens, weil ich mich getraut habe, zu scheitern – und das auch noch ziemlich öffentlich. Und zweitens hat ebenfalls mit der Öffentlichkeit zu tun, der ich mich preisgebe. Meine Meinung, meine Inhalte. Ich finde nicht nur mich mutig, sondern alle, die das tun. Denn man muss verdammt stark sein und viel einstecken können, um die ganze Kritik, die da auf einen einprasselt, aushalten und einstecken zu können.

Von Menschen, die glauben, sich anhand von ein paar Instagram-Bildern eine Meinung erlauben zu können, ein Urteil. Das oft nicht besonders mild ausfällt.

333: Gibt es für alles einen richtigen Ort und eine richtige Zeit?

Ich glaube, für die wenigsten Dinge gibt es den einen richtigen Ort und genau die richtige Zeit. Es gibt immer irgendetwas, das dagegen spricht. Manche Dinge muss man einfach machen.

334: Wofür bist du dir zu schade?

335: Könntest du ein Jahr ohne andere Menschen aushalten?

Obwohl ich jemand bin, der sehr gut mit sich allein sein kann und dem viele Menschen schnell auf die Nerven gehen, würde es mir extrem schwer fallen, mich ein ganzes Jahr lang nicht austauschen zu können und alles nur mit mir ausmachen zu müssen. Wobei mir die Szenerie, in der so etwas möglich/nötig wäre, wohl nicht allzu viele Entscheidungen abverlangen würde, denke ich.

336: Wann warst du zuletzt stolz auf dich?

Es gibt tatsächlich nicht viele Momente, in denen ich so richtig stolz auf mich war. Das sind zum einen die Geburten meiner Kinder und zum anderen werde ich einen Moment in der Zeit aus der Notaufnahme nie vergessen.

Kurz vor Ende meines Dienstes kam ein alter Mann kam in den Schockraum, nach einigen Untersuchungen stand fest, dass er sterben würde – und zwar nicht innerhalb von Tagen, sondern innerhalb von wenigen Stunden. Während wir ihn weiter am Monitor beobachteten, verschlechterte sich sein Zustand rapide und die Stunden wurden zu Minuten.

Normalerweise hätten wir den Schockraum frei machen müssen, ich hätte zur Dienstübergabe gemusst. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass kein neuer Patient für den Schockraum angemeldet war, konnte und wollte ich diesen Mann weder alleine noch auf dem Flur, auf dem Weg in ein anderes Zimmer, sterben lassen. Ich setzte also durch, mit ihm im Schockraum bleiben zu dürfen und hielt seine Hand, während er starb.

Ich weiß nicht, ob er wahrgenommen hat, dass ich da war, in diesen letzten Minuten. Aber bis heute bin ich wahnsinnig stolz auf mich, dass ich mich gegen Anordnungen und Strukturen durchgesetzt habe.

Wenn ich weiter darüber nachdenke, merke ich, dass es fast ausschließlich solche Momente sind, in denen ich im Nachhinein stolz auf mich bin. Momente, in denen ich mir in der vollkommen verrückten Welt der Notaufnahme oder auch während meiner Ausbildung Zeit genommen habe, um mit dem Menschen mir gegenüber in Kontakt zu kommen. Momente, in denen ich Menschen in Ausnahmesituationen geschützt habe vor diesem System, das nur noch Zeit und Geld im Blick hat. Indem ich mir Zeit genommen habe, da war, gesprochen habe, gestützt habe, geschwiegen habe und Emotionen geteilt habe.

337: Bist du noch die Gleiche wie früher?

Nein, ich würde sagen, dass ich nicht mehr die Gleiche bin. Ich arbeite in einem Job, ich habe zwei, bald drei Kinder. Das sind Aspekte, die verändern.

338: Warum hast du dich für die Arbeit entschieden, die du jetzt machst?

Eigentlich war es zunächst keine Entscheidung. Dass man mit Bloggen und Instagram Geld verdienen kann, war mir lange nicht klar und auch gar nicht mein Plan. Ich bin irgendwie da reingerutscht und bin wirklich dankbar, mit dem, was ich liebe, flexibel Geld verdienen zu können und trotzdem für meine Kinder da sein zu können.

339: Welche schlechten Angewohnheiten hast du?

Dass ich immer noch Süßigkeiten esse, obwohl sie mir meistens gar kein Gefühl von Befriedigung verschaffen. Und, dass ich es einfach nicht schaffe, zum Sport zu gehen.

340: Verfolgst du deinen eigenen Weg?

Ich versuche es zumindest. Ich versuche, mich nicht zu sehr unter Druck setzen zu lassen, mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen und herauszufinden, was mich als Person und uns als Familie glücklich macht.

Euer Link-Up:
 Loading InLinkz ...

 

1000 Fragen an mich selbst #18

341: Worüber kannst du dich immer wieder aufregen?
342: Kann jede Beziehung gerettet werden?
343: Mit welchem Körperteil bist du total zufrieden?
344: Womit hält du dein Leben spannend?
345: Kannst du unter Druck gute Leistungen bringen?
346: Welche Lebensphase hast du als besonders angenehm empfunden?
347: Findest du andere Menschen genau so wertvoll wie dich selbst?
348: Hast du immer eine Wahl?
349: Welche Jahreszeit magst du am liebsten?
350: Wie hättest du heißen wollen, wenn du deinen Namen selbst hättest aussuchen dürfen?
351: Wie eitel bist du?
352: Folgst du eher deinem Herzen oder deinem Verstand?
353: Welches Risiko bist du zuletzt eingegangen?
354: Übernimmst du häufig die Gesprächsführung?
355: Welchem fiktiven Charakter aus einer Fernsehserie ähnelst du?
356: Was darf bei einem guten Fest nicht fehlen?
357: Fällt es dir leicht, Komplimente anzunehmen?
358: Wie gut achtest du auf deine Gesundheit?
359: Welchen Stellenwert nimmt Sex in deinem Leben ein?
360: Wie verbringst du am liebsten deinen Urlaub?

Related Post

11 Kommentare

  1. Kirsten sagt

    Wahre Worte!
    Ich finde es sehr schade das man sich in der heutigen Zeit für alles rechtfertigen muss, weil die Strukturen es so hergeben…
    Ich arbeite auch als Krankenschwester in einer psychiatrischen Einrichtung, dort muss man sich leider auch sehr oft durchsetzen und Willensstark sein.
    Wir sollten alles öfters stolz auf uns sein und uns auch mal auf die Schulter klopfen!
    Liebe Grüße kirsten

  2. Stephanie sagt

    Ich wollte nur sagen, dass es unglaublich viel Spaß und Freude macht deine Antworten auf die Fragen zu lesen. Auch wenn ich sie selber nicht beantworte, regen deinen Antworten oft zum nachdenken an oder rufen Erinnerungen wach. Vielen Dank dafür .

    • Johanna sagt

      Liebe Stephanie,

      wie schön, das ist doch auch viel wert – man muss ja gar nicht alles aufschreiben (und manche Fragen könnte man sich auch sparen;-)), es ist schon toll, wenn die Gedanken anfangen zu kreisen.

      Liebe Grüße,
      Johanna

  3. Eva aus Hamburg sagt

    Liebe Johanna,

    ich bin relativ neu hier bei dir und möchte trotzdem jetzt schon etwas loswerden. Dein Mut dich hier so zu öffnen, deine offenen Worte zu vielen Themen lassen mich jedes Mal mit dem Gefühl zurück hier ganz viel Authentizität zu finden, etwas das nicht jede/r in dieser Welt schafft. Das ist ein echtes Stück Glück dass ich hierher gefunden habe und ich danke dir für das was du hier machst.

    Viele positive Gedanken für dich, damit du wieder Kraft sammelst für die letzten Wochen.

    Regnerische Grüße von unterwegs, gerade aus Eppendorf.

    • Johanna sagt

      Liebe Eva,

      1000 Dank für deinen Kommentar, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutet! Mir ist Authentizität wirklich wichtig und es verletzt mich jedes Mal sehr, wenn mir vorgeworfen wird, dass ich nicht authentisch bin. Darum noch mal mal mehr: DANKE!
      Ganz liebe Grüße und einen schönen ersten Mai für dich,
      Johanna

  4. Ich hatte dieses Mal auch keinen Flow, obwohl es keine äußeren Umstände gab, fand die Fragen einfach teils „unrund“? Einen lieben Gruß & eine gute Restschwangerschaft, mit Ausruhen und Schlaf, wann immer notwenig, Doris

  5. Pingback: 1000 Fragen an mich selbst #17 - über den Sinn des Lebens

  6. Pingback: 1000 Fragen an mich selbst - #17 - Mama Maus Blog

  7. Bianca sagt

    Den Punkt mit dem angefahren werden, kenne ich. Als mein Sohn 1,5 Jahre alt war und ich Job, Familie und Haus einfach nicht unter einen Hut gebracht habe, mir alle Kräfte ausgingen, das Kind so Mega anstrengend war und auch noch die Partnerschaft eine sehr schwierige Phase erlebte, wünschte ich mir die Treppe hinunter zu fallen und mir das Bein zu brechen. Der Gedanke war wie eine Erleichterung. Ich bin daraufhin zu meiner Ärztin, die mich drei Wochen krank schieb. Sie sagte zu mir: Mädel, die Frauen sind die Leistungsträger dieser geselllschaft, aber genug ist genug. Fahr ans Meer“ – das tat ich. Meinem Bein geht es gut :)

    • Johanna sagt

      Das versteh ich so so gut! Manchmal ist einfach alles zu viel – aber ich finde, du kannst sehr stolz auf dich sein, dass du dir Hilfe geholt hast! ❤️

  8. Ich freue mich immer wenn ich deine Antworten lese. Sie zeigen mir sehr oft auch wo ich gerade stehe und was für Gedanken vlt in meinem Kopf festhängen! Ich freu mich auf dich Johanna, deine alu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.