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Montagmorgen-Eskalationen, Kitaverweigerung und der Wunsch nach einer schalldichten Dusche

Montagmorgen-Eskalationen, Kitaverweigerung und der Wunsch nach einer schalldichten Dusche

Montagmorgen. Müde stehe ich unter der Dusche, das Wasser rinnt durch die Haare über mein Gesicht. Draußen tobt ein Wutanfall nach dem anderen. Nach einer Stunde „Ich-will-nicht-in-die-Kita-Geheule“ versuche ich, die Wut, die Hilflosigkeit und den Impuls, einfach nachzugeben, den Abfluss hinunter zu spülen.

Zum Glück ist André nach seinem 24h Dienst mittlerweile nach Hause gekommen, um kurz zu übernehmen, während ich schnell dusche. 

Vor der Badezimmertür wird es immer lauter, Kreischen, Weinen, es bollert. Wütende Kinderfüße stampfen mit aller Kraft auf den Dielenboden. Ich atme einmal tief durch, schließe die Augen und versuche, das Theater auszublenden. Früher hat das irgendwie funktioniert, den Kopf unter dem Duschstrahl wurden alle Außengeräusche so gedämpft, dass sie fast nicht mehr da waren. Heute bräuchte ich dafür eine Regendusche mit der Intensität eines Wasserfalls und schalldichte Badezimmerwände.

Es rumst wieder. Kinderfuß auf Holzdielen. Resigniert stelle ich das Wasser ab, wickle mich in ein Handtuch, öffne die Tür und frage: „Was ist schon wieder los?“.

Mein Tonfall bewegt sich irgendwo zwischen besorgt, genervt und richtig angepisst. Jeden Morgen das Gleiche. Diesmal ist es ein Stempel, der nicht so geworden ist, wie er sollte. Während dieser kurzen Erklärung höre ich zweimal „Mama, ich möchte aber nicht in die Kita!“, bevor ich die kopfschüttelnd die Badezimmertür wieder schließe.

Jeden Morgen das gleiche Theater

Am liebsten würde ich mich wieder unter die Dusche verziehen, unter die Bettdecke kriechen oder einfach wegbeamen. Aber es hilft ja nichts. Jeden Morgen, wenn die Kinder in der Kita sind, fühle ich mich wie früher nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag. Ich habe so viel geredet, mich so viel gekümmert, an so viele Sachen gedacht und hatte weit mehr Auseinandersetzungen, als ich sie sonst in einem 8 Stunden Arbeitstag hatte.

An einem Montagmorgen ist das oft besonders anstrengend, aber auch nicht wirklich anders als an anderen Tagen. Und weil es wirklich nicht hilft, sich zu verkriechen, trockne ich mich ab, quetsche mich und den Babybauch in Klamotten, die noch passen, creme mir schnell das Gesicht ein und putze mein Zähne.

Mit Freundebuch, Kuscheltiere und noch mehr Tricks sind wir endlich – nach noch einem Kopf-gegen-Stuhl-Zwischenfall – unterwegs zur Kita. Der Abschied dauert lange, ist tränenreich und schmerzhaft, für uns beide.

Wo, wer, was ist das eigentliche Problem?

Auf dem Heimweg weine ich ein bisschen, es tut mir weh, mein Kind mit so einer Sehnsucht nach mir in der Kita zu lassen. Zu gehen, während er weint. Es ist mir unangenehm und ich schäme mich ein bisschen. Weil andere Mütter so locker flockig gehen, auch wenn ihre Kinder an der Tür weinen. Vielleicht reißen sie sich auch einfach zusammen, bis sie um die nächste Ecke sind verschwunden sind.

Ich frage mich die ganze Zeit, was ich falsch gemacht habe, falsch mache. Ob es an meinen ambivalenten Gefühlen liegt, weil ich natürlich verstehen kann, dass er bei mir bleiben möchte, aber gleichzeitig auch einfach ein paar ruhige Stunden zum Arbeiten brauche?

Montagmorgen-Eskalationen, Kitaverweigerung und der Wunsch nach einer schalldichten Dusche

Bin ich das Problem?

Bin generell ICH das Problem? Weil ich von zuhause arbeite, weil ich die Kinder zuhause behalte, wenn sie krank sind statt sie irgendwo hin zu organisieren? Bin ich zu sehr Glucke, zu wenig Karriere? Oder andersrum? Habe ich in der Zeit mit Shop nachhaltig das Gefühl vermittelt, zu wenig Zeit zu haben?

Unsere Kita ist toll, ich vertraue unseren Erzieherinnen und merke jeden Tag wieder, vor allem in den schwierigen Situationen, wie viel Mühe sie sich geben und wie liebevoll sie auf die Kinder eingehen. Sie machen wirklich viel und tolle Sachen mit den Kindern, Dinge, die ich zuhause nie leisten könnte. Und am Nachmittag, wenn ich die Kinder frage, war der Tag meistens toll. Super toll!

Trotzdem sitze ich mit dicken Augen und noch dickerem Kloß im Hals am Schreibtisch. Die Steuer drängelt, Emails, Texte und Bilder, die geschrieben und bearbeitet werden müssen. Und ich kann nur drüber nachdenken, was ich anders machen kann. Um nicht jeden Morgen diesen Streit, diesen Stress und dieses paradoxe Gefühl von gleichzeitigem Verständnis und Unverständnis zu haben.

Herausforderung Familienleben

Stadt Land Mama hat heute morgen eine „Rechnung“ aufgestellt, wieviel man als Mutter so verdienen würde – angelehnt an die „Jobs“, die man als Mutter so hat. Köchin, Krankenschwester, Therapeutin, Taxifahrerin, Putzfrau. Vergessen haben sie meiner Meinung nach die Detektivin. Und eine Sonderzulage für maximale Flexibilität.

Denn danach fühle ich mich jetzt. Ich spüre auf, was ich verändern kann. Was kann ich besser machen, an welchen Rädchen muss ich drehen, wo hakt es gerade? Welches Puzzleteilchen fehlt, wer braucht gerade was? Akribisch und sorgfältig verfolge ich Spuren, die mich hoffentlich zum „Ziel“ bringen. Und wenn ich den „Fehler“ gefunden habe, passe ich ihn an.

Damit es besser läuft, für die Kinder, für uns alle. Für jetzt, aber auch für die Zeit, wenn das Baby da ist. Wenn sich hier noch mal alles verändert, wir uns wieder zurecht ruckeln und alle in ihre neue Rolle finden müssen. Eltern von dreien, große Schwester von zweien, plötzlich nicht mehr der Kleine, sondern der Mittlere.

Vielleicht ist der letzte Absatz auch schon der Kern des Problems, der Knackpunkt. Vielleicht sind wir in dieser Zeit der Veränderung einfach noch nicht da angekommen, wo jeder wieder seinen festen Platz gefunden hat. Und diese Unsicherheit, dieses wackelige, wirkt sich auf alles andere aus?

Vielleicht. Das zeigt die Zeit. Und die Erfahrung.

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