Das Leben Eben
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Meine Liebe zu Büchern. Ein Rückblick und ein Wiederbelebungsversuch.

Bücherliebe

Bücher. Morgens, Mittags, Abends, im Sitzen, Stehen oder Laufen.

Als Kind war ich das, was man im allgemeinen als Leseratte bezeichnet. Die örtliche Bücherei verließen wir immer mit einem riesigen Stapel Bücher, der kaum eine Woche reichte. Ziemlich schnell hatte ich alle für mich interessanten Bücher meiner Altergruppierung und der darüber gelesen.

Ich las eigentlich immer. Zuhause, wenn ich nicht mit Freunden unterwegs war, im Gehen auf dem Weg zum Schulbus, bäuchlings auf dem Fußboden, die Beine in der Luft, nachts, heimlich unter der Bettdecke, mit Taschenlampe und Angstkribbeln, erwischt zu werden.

Ich las schnell und leidenschaftlich, ließ mich von guten Geschichten fesseln und musste manchmal ein Buch bis in die hinterste Ecke unter’s Bett werfen, um dem Drang widerstehen zu können, es einfach im ganzen durchzulesen. Mitten in der Nacht.
Ich litt und freute mich mit den Protagonisten, wuchs mit ihnen und weinte, wenn ich die letzte Seite gelesen hatte. Nicht bei allen Büchern natürlich, aber bei vielen. Man könnte sagen, Bücher waren meine erste große Liebe.

Mit Buch und einer Tasse Tee auf dem Sofa | Bücher, meine große Liebe

Plötzlich ausgeliebt

Irgendwann, so mit 15 glaube ich, stand ich vor der Situation, dass ich mehrere großartige Bücher hintereinander gelesen hatte und plötzlich nichts mehr fand, was mich in den Bann zog. Ich geriet in den Strudel der seichten Frauenliteratur, deren Klappentexte sich nur darin unterscheiden, wie die wunderschönen Frauen, die eigentlich alles haben und trotzdem unglücklich sind, heißen, wo sie wohnen und welchen Beruf sie ausüben.

Als ich die immer gleichen Stories mit dem immer gleichen Ende, dass sich wieder nur darin unterschied, wie der Mann hieß, der am Schluss der Schlüssel zum Glück war, nicht mehr ertragen konnte, hörte ich einfach auf zu lesen. Außerdem war ich verliebt, zwischen knutschen, Theater, Musik und Schule blieben die Bücher auf der Strecke.

Auch zwischen 19 und 28 war vielleicht mein eigenes Leben einfach aufregend genug – Abitur, der Umzug nach Hamburg, ein komplett neues Leben, FSJ, Ausbildung, Examen, Notaufnahme, Trennung, zum ersten Mal so richtig Single, eine neue Liebe und dann ein Baby.

In diesen Jahren hab ich es nicht wirklich vermisst, zu lesen. Irgendwie war meine Leseliebe eingeschlafen, langsam aber sicher. So wie eine „echte“ Liebe, die nur noch vor sich hin plätschert, wenn man nicht bereit ist, an ihr zu arbeiten. Außerdem war da plötzlich das Internet, Blogs und wenig bis keine Zeit durch die neue Lebenssituation mit Baby. Zu Müdigkeit und mangelnder Zeit kommt, seit die Kinder auf der Welt sind, auch noch eine miese fiese Konzentrationsschwäche. Zumindest fühlt es sich so an. Nach einer halben Seite schweifen meine Gedanken ab, drehen sich um Wechselwäsche in der Kita, gesundes Essen und die Freizeitgestaltung.

Ein Stapel Bücher, ein heißer Tee und ab auf’s Sofa.

Aber mir fehlt das Lesen. Mir fehlt die intellektuelle Stimulation, mir fehlen die Entspannung und die Entschleunigung, die durch’s Lesen zwangsläufig zustande kommen. Der Geruch eines neuen Buches, das Rascheln der Seiten beim Umblättern. Die Spannung, ob das restliche Buch genauso gut ist wie die ersten Sätze versprechen. Außerdem, und das ist ein nicht unwichtiger Grund, möchte ich meinen Kindern Vorbild im Lesen sein. Ich wünsche mir, dass Bücher zu ihrem Leben gehören, dass sie ihr Denken erweitern und ihre Fantasie beflügeln.

Wenn deine erste große Liebe plötzlich vor dir steht

Manchmal ist es ja so – man trifft zufällig eine alte Liebe, schaut sich in die Augen und plötzlich steht das Herz wieder in Flammen. So ging es mir kurz vor Ostern, als ich in der Buchhandlung Lüders im Heussweg nach Büchern für die Kinder suchte. Ich sah die ganzen Bücher, alte und neue Geschichten und hatte plötzlich dieses Gefühl. Diese intensive Wärme im Brustkorb, ein bisschen schwummerig, alles wird weicher und wattiger, die Zeit läuft langsamer und man möchte dieses Gefühl konservieren, weil es sich so gut anfühlt, so besonders.

So ging es mir und weil ich glaube, dass es mit dem Lesen ein bisschen wie mit Sport ist und man Zeit dafür findet, wenn man es wirklich will, schaffe ich mir diese Zeit ab jetzt. Kleine Leseinseln, vielleicht nicht jeden Tagen, aber immer öfter. Denn dieses Gefühl will ich wieder und wieder und wieder.

Bücher - meine große Liebe?

Die Bücher, die die Liebe retten sollen

Die Bücher, die ich für den Wiederbelebungsversuch gekauft habe, sind die Tagebücher von Astrid Lindgren, die Fabelhafte Mrs. Bridge von Evan S. Connell, Mach dich auf von Keri Smith und Slow Family von Julia Dibbern und Nicola Schmidt.*

Seid ihr auch Leseratten? Habt ihr früher viel gelesen und jetzt weniger? Oder umgekehrt? Wie lest ihr und wo? Schnell, langsam, jedes Wort oder seid ihr Überflieger? Findet ihr, dass echte Bücher keine Zukunft haben und seid E-Book Fans? Kauft ihr im Buchladen oder Online? Habt ihr so richtig fesselnde Lieblingsbücher? Solche, die ihr immer wieder empfehlt, die auch nach Jahren noch im Regal stehen? Ich freu mich auf Tipps und bin gespannt darauf, ob und wie ihr lest.

*Partnerlinks – solltet ihr über diese Links ein Buch kaufen, bekomme ich dafür eine kleine Provision. Vielen Dank. Aber für den Fall, dass ihr eine kleine Buchhandlung in eurer Nähe habt, empfehle ich, die Bücher lieber dort zu kaufen.

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