Das Leben Eben, Kinderkram
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Peppa Wutz, Netflix und Co. – über Mediennutzung von Kindern

Vorteil von Netflix - die Lieblingsserien immer dabei

Werbung in Zusammenarbeit mit Netflix

„3 Stunden Autofahrt? Ganz schön anstrengend, oder?“
„Ach Quatsch, wir haben ’ne Tablet-Halterung, damit kann er super Serien gucken!“

Das war ein Gespräch unter Bekannten, wir noch mit dem ersten Kind unter einem Jahr, ihrs war schon zweieinhalb. Ich kann mich erinnern, dass ich auf dem Heimweg zu meinem Freund sagte:

„Das find ich echt unter aller Sau, das Kind in dem Alter einfach vor den Fernseher (Tablet) zu setzen. Dann müssen sie sich halt was anderes ausdenken, um ihn zu beschäftigen. Ja klar, das ist anstrengender, aber so ist das halt, wenn man ein Kind hat.“

Uhh, böse Verurteilung anderer Eltern. Sowas passiert mir heute kaum noch, ich habe dazugelernt und selbst meine Erfahrungen mit Kindern und Mediennutzung gemacht. Während ich am Anfang wirklich alles verteufelte und meinen Kindern auf gar keinen Fall vor der Einschulung Kontakt zu iPhone, iPad und dem Fernseher bekommen sollten, haben sie jetzt, mit 4,5 und fast 3 Jahren Lieblingsserien auf Netflix, wissen, wie sie auf dem iPhone Bilder angucken und unsere alten iPads sind in ihren „Besitz“ übergegangen. Mit kindgerechten Apps und natürlich unter Aufsicht und Kontrolle. Trotzdem hat sich meine Einstellung zum Thema Mediennutzung deutlich geändert – und entspannt.

Kein Fernsehen unter 3!?

Lotta durfte vor ihrem 3. Geburtag gar nicht fernsehen. Ich kann mich noch lebhaft an einen Elternabend in der Kita zu dem Thema „Kinder und Fernsehen“ erinnern, dort haben wir unter anderem erfahren, dass Kinder unter 3 einfach noch nicht in der Lage sind, die schnelle Bildabfolge und was dahinter steckt, zu verarbeiten. Bei Lotta haben wir das, wie gesagt, „durchgehalten“ – es war aber auch kein Problem, denn sie kannte keine Serien, der Fernseher muss für sie einfach nur ein flächiger, schwarzer Einrichtungsgegenstand gewesen sein. Weil wir nie in ihrer Gegenwart und auch sonst wenig fern gesehen haben, war sie schlichtweg nicht interessiert an der Flimmerkiste.

Aber irgendwann nach ihrem dritten Geburtstag, vermutlich in einer für mich besonders stressigen Phase mit zwei Kleinkindern, trat plötzlich Peppa Wutz in unser Leben. Ein Tipp von einer Freundin. Und plötzlich waren wir im Peppa-Fieber. Ein niedliches Schweinemädchen mit kleinen Bruder (hey, wie bei Bo und mir!), Schweinemama und Schweinepapa. Eine stinknormale Klischeefamilie, die genau so stinknormale Klischeegeschichten erleben. Unaufregende Geschichten, in denen die Kinder sich wieder finden.

Fernsehen mit Kind - immer gemeinsam

Ich saß immer mit dabei, habe mir genau angeschaut, was passiert und überlegt, ob ich das okay finde. Das Ergebnis? Peppa Wutz geht klar. Die Folgen sind kurz und man kann auch mal schnell aus dem Raum gehen (alleine pinkeln, Kaffee holen, sowas eben), ohne dass was Schlimmes passiert.

Und das kleine Kind?

Ja, haha, das kleine Kind, der kleine Bruder. Bei dem haben wir die 3 Jahres-Grenze für den ersten Fernsehkonsum deutlich unterschritten. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht erinnern, wann er das erste Mal mitgeguckt hat. Ich weiß noch, dass er es am Anfang immer uninteressant fand und lieber gespielt hat. Das fand ich auch gut und hab das natürlich unterstützt, denn eigentlich wollte ich nicht, dass er schon so früh fern sieht.

Ja, eigentlich. Dabei ist es dann auch geblieben, denn natürlich fand er Peppa Wutz dann auch irgendwann spannend und lustig, diese Schweinefamilie, die immer in Matschepfützen springt und sich vor Lachen auf den Boden wirft.

Fernsehen und Kleinkinder

Damit sind wir nicht allein. Laut einer Studie zum Thema Mediennutzung von Kindern, in Auftrag gegeben von Urbia und Netflix, sehen 38% ab dem ersten und 36% ab dem dritten Lebensjahr fern.

Hier fände ich persönlich spannend, ob in der Studie nur Eltern mit einem Kind befragt wurden oder ob sie schon zwei haben. Ich wette, den meisten Eltern fällt es beim zweiten Kind schwerer, die 3 Jahre als frühsten Beginn für den Medienkonsum „einzuhalten“, oder?

Und wie lange dürfen eure Kinder fern sehen?

Als Richtwert für Kinder ab 3 Jahren werden 30 Minuten pro Tag „empfohlen“, wobei man natürlich nicht jeden Tag fernsehen muss. Jede Familie muss da ihren eigenen Weg finden, wie und ob Serien in den Alltag eingebaut werden. Wir zum Beispiel kuscheln uns oft nach der Kita zusammen auf’s Sofa und gucken eine Folge oder zwei.

Obwohl ich fast immer dabei bin und wir den Medienkonsum wirklich kontrollieren, habe ich trotzdem ab und zu ein schlechtes Gewissen. Gucken wir zuviel? Lege ich hier den Grundstein für Stubenhocker mit viereckigen Augen?

Austausch mit anderen Eltern – wie macht ihr das denn so?

Wie bei vielen Themen rund um Kindererziehung kann es äußerst hilfreich und spannend sein, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Deswegen fand ich das Netflix-Blogger-Event mit Diskussion zum Thema Mediennutzung von Kindern vor einiger Zeit wirklich interessant, hab mich in den Zug nach Berlin gesetzt und mit einigen anderen Bloggerinnen und Bloggern darüber gesprochen, wie sie das denn so handhaben.

Netflix Oster Blogger Brunch, am 06.04.2017 in Berlin Kreuzberg

Bei der Diskussion und Gesprächen hat sich gezeigt, dass kaum noch jemand „normales“ Programmfernsehen nutzt, die meisten sind überzeugte Streaming-Dienst-Fans. Hat ja auch klare Vorteile – man kann entscheiden, wann und wo man Serien schaut. Ob im Auto oder im Zug – hier kann man übrigens bei Netflix sogar die Download-Funktion nutzen, um ohne Internetverbindung Folgen zu gucken – auf dem Sofa oder doch lieber gemütlich in der Kuschelhöhle im Kinderzimmer. Und zwar immer dann, wenn es passt – der Tagesablauf muss nicht dem Zeitpunkt der Lieblingsserie angepasst werden. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich manchmal früher vom Spielen nach Hause gekommen bin, weil ich auf gar keinen Fall eine bestimmte Serie verpassen wollte. Oder aber, dass es riesigen Streit gab, weil das Essen natürlich eine Viertel Stunde vor Filmende fertig war. Ja, ehrlich, man kann sich in Zeiten von Netflix, Mediatheken und Co. kaum noch dran erinnern, aber das war richtig blöd.

Reisen mit den Lieblingsserien auf Netflix

Schön finde ich auch, dass Fernsehen sich bei einigen zu einem besonderen Ritual entwickelt – also zum Beispiel: immer Sonntags schauen alle gemeinsam eine Folge von der Lieblingsserie. Wir haben zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit immer Drei Haselnüsse für Aschenbrödel geguckt, als ich ein Kind war. Bis heute ist für mich nicht richtig Weihnachten, bevor ich nicht mindestens einmal Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gesehen habe.

Denn, ich finde, fernzusehen hat in Zeiten von Netflix und Co. definitiv nicht mehr den Ruf verdient, die Kinder zu verblöden. Natürlich kommt es auch hier auf das Was, Wie und Wieviel an, aber ich stelle mal in den Raum, dass es einige Serien gibt, von denen Kinder auch etwas lernen können bzw. Erlerntes verfestigen können oder noch einmal vorgelebt bekommen. Schön finde ich hier auch als Beispiel, dass Kinder ihre liebsten Serien auch mal auf Englisch schauen können, falls sie sehr interessiert sind an Sprachen, als Vorbereitung auf Reisen, um die Sprachmelodie schonmal kennenzulernen oder schon erlernte Vokabeln in den Handlungen wiederzufinden und zu festigen.

Können Kinder durch die richtigen Sendungen etwas lernen? 

Ich bin der Meinung, ja. Wenn ich so richtig, richtig ehrlich bin, dachte ich das vorher nicht. Aber zwei unserer liebsten Serien auf Netflix haben mich tatsächlich eines besseren belehrt. Beziehungsweise nicht sie, sondern meine Kinder. Was die plötzlich alles wissen! Und wenn ich nachfrage, woher sie dies oder jenes kennen, dann antworten sie schonmal: Na, von Mouk und Chavapa!

Mouk und Chavapa, das sind ein kleiner Bär und ein kleiner Kater, die mit ihren Fahrrädern durch die Welt reisen. Dabei lernen sie die unterschiedlichsten Menschen und Kulturen kennen, erleben Abenteuer, Pleiten und Pannen, streiten und vertragen sich wieder. Die Serie ist wirklich toll gemacht, weil sie auf unterschiedlichsten Ebenen vermittelt, dass Freundschaft wichtig ist, dass man freundlich zu Menschen sein sollte, egal, wie sie aussehen und wo oder wie sie leben. Weltoffenheit, die Lust, Neues zu entdecken und klar, auch ein paar wissenswerte Fakten lernt man hier.

Dürfen Kinder fernsehen? Mediennutzung von Kindern mit Netflix

Die zweite Serie ist Oonas und Babas Insel – zwei kleine Papageientaucher, die die unterschiedlichsten Abenteuer erleben, mit ihren Freunden und ihrer Familie. Hier geht es eher um zwischen“menschliches“ Verhalten, Konfliktlösung, darum, seinen Freunden zu helfen, aber zum Beispiel auch, sich nicht veräppeln und ausnutzen zu lassen.

Noch mehr schöne Kinderserien auf Netflix sind zum Beispiel Geschichten aus Mullewapp, Der Dinozug und Die Bienen – die Kinder lieben auch noch Bobo Siebenschläfer, Lauras Stern und Max & Ruby.

Wir sprechen natürlich auch über das, was wir gesehen haben, nicht immer im Detail und nicht immer sofort, aber das ist mir wichtig – die Kinder haben die Möglichkeit und auch die Zeit, das, was sie gesehen haben, zu verarbeiten. Und, wenn sie mit mir drüber sprechen möchten, das auch zu tun. Deswegen gibt es zum Beispiel abends kurz vor dem Schlafengehen bei uns kein Fernsehen mehr.

Und, wie schon erwähnt – es kommt hier sehr auf das Was, Wie und Wieviel und Was noch an. Die Kinder sollten also nicht alleine gelassen werden mit dem Fernsehen und es ist wichtig, ihnen auch Alternativen zu zeigen. Bücher, Treffen mit Freunden, Ausflüge, Natur. Wie Leonie von Minimenschlein es so schön gesagt hat: in Maßen statt in Massen.

Falls ihr die Diskussion auch noch sehen wollt, hier ist das Video vom Netflix-Event:

Bei Schau hin (was dein Kind mit Medien macht) findet ihr noch ein paar Tipps für Fernsehanfänger, falls ihr noch unsicher seid, wie ihr das machen könnt.

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17 Kommentare

  1. Super! Danke für den Post! Kam hier gerade richtig… Freitag geht’s in den Urlaub und ich werde ohne schlechtes Gewissen mal ne Runde Peppa Wutz am Handy gestatten ☺️👍🏻

  2. Isabell sagt

    Oh noo, bitte löschen.
    Und wo ist mein eigentlicher Kommentar hin.
    Auto fill in fail :(

    • Johanna sagt

      Ach Mist Isabell, ich hab die Adresse gelöscht, ich weiß auch nicht, wieso das in letzter Zeit so oft passiert :-/

  3. Steffi sagt

    Bei uns war es ähnlich, die Große hat vor 4 gar jein TV gesehen (und auch unter 2 nichts mit Zucker 🙈), bei den anderen sah es dann schon anders aus.
    Aber auch jetzt ist bei uns Fernsehen keine Regelmäßigkeit. D.h. manchmal tagelang oder eine Woche gar nicht, aber dafür manchmal auch 1,5 Stunden.
    Wir Erwachsene schauen vor den Kindern auch nicht, die Kids eigentlich nur netflix und co, ‚echtes‘ Fernsehen kaum, außer Löwenzahn oder Sendung mit der Maus von der Festplatte.
    Die Kleinen, die früher damit anfingen sind auch echt immer scharf drauf, die Große (10) liest oftmals sogar lieber…

    • Steffi sagt

      Nochmal:
      Bei uns war es ähnlich, die Große hat vor 4 gar kein TV gesehen (und auch unter 2 nichts mit Zucker gegessen 🙈), bei den anderen sah es dann schon anders aus.
      Aber auch jetzt ist bei uns Fernsehen keine Regelmäßigkeit. D.h. manchmal tagelang oder eine Woche gar nicht, aber dafür manchmal auch 1,5 Stunden.
      Wir Erwachsene schauen vor den Kindern auch nicht, die Kids eigentlich nur netflix und co, ‚echtes‘ Fernsehen kaum, außer Löwenzahn oder Sendung mit der Maus von der Festplatte.
      Die Kleinen, die früher damit anfingen sind auch echt immer scharf drauf, die Große (10) liest oftmals sogar lieber…

  4. Anna sagt

    Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Bei uns ist es sehr ähnlich. Die Regelmäßigkeit zum Fernsehen gucken kahm eigentlich erst, seid dem die kleine (1,5) Mittags mama brauchte um einzuschlafen. Die große (bald 4) wollte nicht allein sein, störte aber enorm beim schlafen legen. Also ist das jetzt ihre Fernseherzeit. Aber sie guckt auch nur Sachen die ich alle schon mit ihr gesehen habe. Zuerst fand ich das gar nicht so gut. Aber ich habe gemerkt das sie darüber auch viel lernt. Gerade was auch die Sprache angeht. Und sie spielt vieles nach😊 Ich denke es ist wichtig das meine Kinder (kontrolliert) lernen mit Medien umzugehen.

  5. Isabell sagt

    So nochmal.
    Ich bin so froh das wir vom Stoff losgekommen sind, es hatte sich eingeschlichen morgens 1-3 Folgen Peppa zu gucken. Natürlich wollten wir Eltern nur noch etwas dösen und mühsam wach werden… Uh! Es endete im Drama, jeden Tag etwas größer und länger.
    Ein Traumstart in den Tag.
    Dann verschwanden die Schweine aus unserem Alltag und wir standen mit den Hühnern auf… Höhö.
    Wie gehst du denn mit Tetrz und Drama beim ausmachen um? Authentisch?
    Danke für die Liste, ich bin mir sicher wir werden im Herbst rückfällig.

  6. Marikjen sagt

    Als mein großer klein war, waren die ganzen Streamingdienste noch nicht so verbreitet, darum gab es hier immer eine Folge Sandmänchen. Eigentlich ganz schön und auch die Länge hat gut gepasst. Tatsächlich war ich es aber irgendwann satt die Abendbrotzeit nach dem Fernseher zu planen. Und dan kamen (Achtung Tipp:) Charly und Lola! So toll!!! Auf DVD und immer mal eine Folge. Und ich habe tatsächlich immer mitgeguckt, weil ich die Serie selber so schön finde :)

  7. Eva sagt

    Hallo Johanna, bei uns gibt es Fernsehen ( prinzipiell als on demand) nur am Samstag und Sonntag und dann je nur etwa eine halbe Stunde. Und ich Stimme dir zu, wenn gelegentliche Mediennutzung sicher nicht zur Verdummung führt, leider sieht die Realität heutzutage ganz anders aus. Viele Kinder schon im Kleinkindalter nutzen Medien viel zu häufig und erleiden damit wissenschaftlich nachgewiesene Lerndefizite im sprachlichen und motorischen Bereichen. Als Kinderärztin war ich erst auf einer Weiterbildung zum Thema Mediennutzung für Kinder in Hinblick des Kinderschutzes und ich sehe da ein großes und wachsendes Problem unsere Kinder-Generation. Vorallem weil die Menge der Mediennutzung meist umgekehrt proportional zur körperlichen Betätigung steht und sich daraus viele gesundheitliche Probleme von Übergewicht bis Aufmerksamkeitsstörungen ergeben können. Kein Kind profitiert wirklich von MedienKonsum bis etwa zum Alter von 8-10 Jahre. Neurowissenschaftler sind sich einig, das jede echte Interaktion zwischen Mensch und Kind sinnvoller und viel lehrreicher ist als jede zwischen Kind und Fernseher. Kinder müssen fühlen, begreifen und erleben, nicht nur sehen. Das Netflix das anders sehen möchte glaube ich gerne….
    In eurer Familie wird die Mediennutzung wahrscheinlich nie zum Problem werden, aber leider ist sie es für viele Kinder gerade in bildungsschwachen Familien bereits. Ich will damit auch auf keinen Fall missionieren denn auch wir nutzen Fernsehen, aber man sollte sich der Gefahren gerade aus häufiger Nutzung bewusst sein und sich nicht einreden lassen, das Medien einen wirklich Vorteil für die Kinder hätten ( außer eine kleine Auszeit für deren Eltern). Jedes vorgelesene Buch das ein Kind mit seinen Eltern liest und darüber redet ist definitiv lehrreicher als jede geschaute Sendung, sollte die noch so voller Wissen stecken.

    Liebe Grüße, Eva

    • Suse sagt

      Hallo Eva, ich finde es sehr spannend, was du schreibst. Ich wundere mich nämlich immer sehr über die Verharmlosung von Tv in meinem (eher akademischen) Umfeld. Da erzählen mir Mamas völlig selbstverständlich, dass es morgens vor der Kita erst mal zwei Folgen Peppa gibt (damit sie in Ruhe duschen kann). Nach acht Stunden Kita dann the same (“zum Runterkommen“, wobei eigentlich ja nicht das Kind gemeint sein kann, denn eigentlich hat Tv auf Zweijährige ja nicht wirklich längerfristig eine beruhigende Wirkung, oder?) Vor dem Schlafengehen dann vielleicht auch nochmal, bei längeren Autofahrten sowieso und am Wochenende dann eher mal länger, da kitafrei. Die Begründungen sind manchmal ehrlich (“ wir Eltern brauchen ja auch mal Zeit“, “vier Stunden Auto mit Brüllkind ertrag ich nicht“ usw.), oft aber auch total verharmlosend (“ach, das schadet ja nicht“, “machen alle so“) und manchmal auch beschönigend (“was die Kinder da alles lernen“, “Bildungsfernsehen“).
      Wenn ich dann frage, wie viele Stunden das (Klein)Kind pro Woche schaut, kommen oft zweistellige Zahlen zusammen.
      Als Pädagogin schockt mich das. Als Mutter (5 und 4) weiss ich, dass TV der billigste Babysitter der Welt ist. Auch bei uns gibt es Netflix, allerdings nur am Wochenende. Vor der Kita wird gespielt, nach der Kita wird gespielt, gelesen, gekuschelt. Ohne Netflix. Ich finde wichtig, dass sie runterkommen – ohne glotzen. Und ich finde wichtig, nach vielen Stunden Kita wirklich gemeinsame.Zeit zu verbringen und nicht sich berieseln lassen. Freitagabend gibt es dann als Ritual einen gemeinsamen Film, im Moment ist die Michel-Staffel dran. Am Wochenende dann noch (je nach Wetter) ein, zwei Folgen bei Netflix. Im Sommer fällt das meist aus. Die Kinder vergessen es meistens…
      Liebe Eva, mich würde mal interessieren, was du zum alltäglichen Tv von Kleinkindern (gerade im Zusammenhang mit dem Runterkommen von der Kita oder vor der Kita) sagst…
      Lieben Gruss

      • Sonnenschein sagt

        Hallo zusammen,
        unsere Tochter, Frida (4 Jahre alt), darf auch nur Samstags und Sonntags jeweils eine halbe Stunde Peppa Pig oder Ounas Insel gucken. Sie hat bis sie 2,5-3 Jahre alt war, nichts geguckt und sie findet es jetzt ganz toll.
        Die Äußerung, dass viel zu viele Kinder viel zu lang vor den Fernsehern geparkt werden und dass dies kritisch hinterfragt werden sollte teile ich.
        Da ich es auch so handhabe wie ihr beide könnte ich jetzt sagen ich bin eurer Meinung. Aber so ganz stimme euch leider nicht zu. Vor allem die Aussage dass Medienkonsum durch Kinder nichts positives bringt sondern nur die Babysitter Möglichkeit der Eltern ist damit sie duschen und Kaffeetrinken können.
        Ich war zunächst nur im Kindergartenalter in Deutschland und habe als wir nach Deutschland gezogen sind keinen direkten Kindergartenplatz bekommen. Ich war Diplomatenkind und sollte aber in einen deutschen Kindergarten. Zuhause konnte keiner Deutsch, so dass meine einzige Möglichkeit mit der Sprache in Kontakt zu kommen fernsehen war. Meine Eltern hatten damals Kindersendungen auf Video genommen und ich durfte jeden tag eine Stunde gucken. Ich konnte nach 6 Monaten Deutsch verstehen und sogar sprechen. Ich erinnere mich auch an die Sendung Taotao wo ich viel über Empathie und Gefühle gelernt.
        Was ich damit sagen will: ich teile eure Meinung dass regelmäßiger sogar täglicher Konsum nicht gut für Kleinkinder ist aber verteufeln würde ich es nicht..

      • Eva sagt

        Liebe Suse, Danke für deine lange Antwort auf mein Kommentar, ich freue mich über unseren Ähnlichen Stadpunkt und stimme deinem Gesagten zu.

        Zu deiner Frage: ich wüsste gar nicht warum Kinder vor der Kita von etwas „runter kommen“ müssten. Sie sind doch gerade erst aufgestanden und eigentlich voller Tatendrang. Und auch nach der Kita, voller Lautstärke und Trubel, glaube ich gibt es Beruhigenderes, wie z.B. zusammen ein Buch lesen, als schnell folgende Wechselbilder mit sprachlicher Untermalung. Ich habe sogar eher die Erfahrung gemacht, bei meinen eigenen Kindern, dass die Trennung vom TV eher Aggressionen weckt und nach dem Abschalten ein eher unzufriedeneres Kind zurück bleibt, welches gelegentlich sogar wütend über den ungewollten Abbruch ist.

        Jeder sollte selbst entscheiden, wieviel er für sein Kind als sinnvollen Konsum erachtet, und ja, auch jedem Erwachsenen steht mal eine Pause zu, aber der TV als Babysitter sollte dann wirklich eine Ausnahme bleiben. So bleibt ganz viel Zeit für freies Spielen und das Entwickeln der eigenen Kreativität. Und wenn dann ab und zu mal eine (kindgerechte) Serie läuft wird mit Sicherheit niemand Schaden nehmen.

        Liebe Grüße, Eva

    • Liebe Eva,

      ich stimme Dir voll und ganz zu. Es ist besorgniserregend, wie lange schon Kindergartenkinder täglich Fernsehen schauen. In der Kita meines Sohnes gab es tatsächlich einige Spielkameraden, die schon mit 5 Jahren ihren eigenen Fernseher im Zimmer stehen hatten. Genauso verhält es sich mit Computerspielen. Die Selbstregulierung funktioniert in so einem jungen Alter einfach nicht, wenn über die Medien ständig neue Reize ausgegeben werden. Und: Kinder müssen sich auch mal langweilen können!

      Mein Sohn wusste bis er 3 wurde überhaupt nicht, wozu dieser große schwarze Kasten im Wohnzimmer stand. Jetzt ist er 9. Wir haben jeden Freitag einen Mama-Sohn-Abend, an dem wir uns einen Film bei Netflix oder Amazon anschauen (meistens Sportfilme). Ansonsten schaut er nur sporadisch fernsehen. Bei den Großeltern ist das natürlich GANZ anders.

  8. Anne sagt

    Ich bin bei Studien, die von entsprechenden Unternehmen gesponsert werden, sehr skeptisch. Tolle Funktion von Netflix mit dem Download, letztlich jedoch nur Kundenbindung.
    Unsere Kinder schauen unter der Woche nur das Sandmännchen und das dann meist von der Festplatte. Ich lass mir nicht die Zeiten und Dauer des Abendessens vorgeben. Am Wochenende meist am Vormittag ca. 1h/Tag. Das genießt allerdings nein Mann für seine 2. Tasse Kaffee. Das Schulkind (7) bekam zum Geburtstag ein Tablet und darf damit Do und Fr kurz, am WE etwas länger spielen). Insgesamt bleiben wir im einstelligen Bereich/Woche.
    Wichtig finde ich uns Eltern als Vorbild, wenn wir ständig Whatsapp, Instagram und Co. checken, auch in Anwesenheit der Kinder, geht natürlich ein vorgelebtes Interesse an den Medien an sie über!

    • Sonnenschein sagt

      Hallo zusammen,
      wie schon betont, finde ich es auch wichtig die Dauer der Sendezeit zu begrenzen und für mich persönlich ist es wichtig dass mein Kind nur am Wochenende je eine halbe Stunde was guckt – das auch nur wenn sie fragt. Das ist die Idealvorstellung und an die kann ich mich halten.
      Allerdings bin ich, in der glücklichen Position, dass ich Teilzeit arbeite, die Großeltern Spaß am Kind haben und sich regelmäßig kümmern, einen Ehemann habe der jeden Abend nach Hause kommt und am Wochenende immer da ist. Wenn ich meine Freundin anschaue die Vollzeit arbeitet, nebenbei studiert, auch noch 2 Kinder hat (2 und 4) und auch noch alleinerziehend ist, ohne Großeltern die helfen und ohne Mann der sich finanziell oder anders beteiligt… dann ist es gefährlich zu betonen wie schlimm es ist Kinder vor dem Fernseher zu setzen. Ihre Kinder dürfen übrigens nichts gucken. Wegen den, auch hier erwähnten, negativen Effekten.. Allerdings denke ich, dass nichts dagegen sprechen sollte wenn sie ihren Kindern oder dem Älteren täglich eine halbe Stunde Peppa Pig zeigen würde. Ich glaube auch dass sie auch gelassener und geduldiger wäre als 24 Stunden komplett ohne Pause für die Kinder da zu sein.
      Die Sache die ich betonen möchte ist, lasst uns doch bitte , wenn wir uns alle einig sind, dass zu vieles und regelmäßiges Kindersendungen gucken schädlich ist, uns nicht hochschaukeln und unter Druck setzten dass das bisschen was unsere Kinder gucken auch noch schlimm ist. Ich glaube auch noch an den positiven Effekt des Lernens (auch wenn natürlich Buch Lesen, Ein Ausflug machen etc mindestens genau so effektiv ist)..aber die Nebenbedingungen von jedem hier sind unterschiedlich und die Idealvorstellungen aber irgendwie gleich..

  9. Christina sagt

    Ich war auch überzeugt, dass meine Tochter niiiemals im kleinkinderalter fernsehn darf, ist ja schlecht und macht doof und so…
    Und dann kann mit fast zwei Jahren eine sehr lange Krankheitsphase. Krankenhausaufenthalte, diverse Arztbesuche mit langen Auto- und Wartezeiten und Tage an denen wir das Bett nicht verlassen konnten. Was war/ bin ich dankbar fürs Internetfernsehen. Mittlerweile hat sich das anschauen der Kinderserien auf max eine halbe Stunde und das meist aufgeteilt, am Tag reduziert und das Interesse ist auch deutlich zurück gegangen. Wie bei allem, muss man für sich einen passenden Weg finden…
    Lg

  10. Hallöchen aus der Generation zwischen dir und deinen Kindern 😀
    Ich hab durch meine Ausbildung auch ansatzweise erfahren, dass krasser Medienkonsum halt nicht so toll sein soll für Kinder und werde das auch total nach Gefühl machen, wenn ich mal Kinder haben sollte.
    Ich war übrigens eins der Kinder, das SEHR viel fern gesehen hat. Besonders zur Grundschulzeit. Nach der Schule liefen auf RTL 2 nämlich immer Pokémon und co. Eine Menge Anime-Serien, die ich mit Stolz zu meiner Kindheit zähle, ich hab die echt geliebt. Vorher hab ich nicht so viel TV geschaut, eher Filme auf Videokassetten. Meine Mama hat mich und meine Schwester meist auch allein vor dem Fernseher gelassen, zwischendurch mal reingeschaut oder was anderes in dem Raum gemacht. Ganz viele würden ihr Verhalten wohl heute als verantwortungslos betiteln, aber hey ich lebe noch und dumm wie Brot bin ich auch nicht. Ich gebe zu, ich bin trotzdem heute ein echter Medien-Junkie – ich gucke manchmal einen ganzen Tag Netflix oder sitze einen ganzen Tag am PC, weil ich entweder ohne Ziel herumsurfe oder Sims spiele :D. Ich bin mir dessen aber bewusst und würde eine Zeit ohne auch überstehen.
    Also insgesamt sehe ich dieses Thema recht gelassen, denn ich glaube eigentlich nicht, dass Kinder krass irreversible Schäden davon tragen, es sei denn, sie gucken Dinge, die so GAR nicht ihrem Alter entsprechen. Das wäre ja dann nochmal ein anderes Fass, das man da aufmachen würde.
    Mir gefällt übrigens, wie gut du die Werbung mit einem ganz alltäglichen Thema verknüpft hast und es gar nicht wie Werbung wirkt :)

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