Das Leben Eben, Kinderkram
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Peppa Wutz, Netflix und Co. – über Mediennutzung von Kindern

Vorteil von Netflix - die Lieblingsserien immer dabei

Werbung in Zusammenarbeit mit Netflix

„3 Stunden Autofahrt? Ganz schön anstrengend, oder?“
„Ach Quatsch, wir haben ’ne Tablet-Halterung, damit kann er super Serien gucken!“

Das war ein Gespräch unter Bekannten, wir noch mit dem ersten Kind unter einem Jahr, ihrs war schon zweieinhalb. Ich kann mich erinnern, dass ich auf dem Heimweg zu meinem Freund sagte:

„Das find ich echt unter aller Sau, das Kind in dem Alter einfach vor den Fernseher (Tablet) zu setzen. Dann müssen sie sich halt was anderes ausdenken, um ihn zu beschäftigen. Ja klar, das ist anstrengender, aber so ist das halt, wenn man ein Kind hat.“

Uhh, böse Verurteilung anderer Eltern. Sowas passiert mir heute kaum noch, ich habe dazugelernt und selbst meine Erfahrungen mit Kindern und Mediennutzung gemacht. Während ich am Anfang wirklich alles verteufelte und meinen Kindern auf gar keinen Fall vor der Einschulung Kontakt zu iPhone, iPad und dem Fernseher bekommen sollten, haben sie jetzt, mit 4,5 und fast 3 Jahren Lieblingsserien auf Netflix, wissen, wie sie auf dem iPhone Bilder angucken und unsere alten iPads sind in ihren „Besitz“ übergegangen. Mit kindgerechten Apps und natürlich unter Aufsicht und Kontrolle. Trotzdem hat sich meine Einstellung zum Thema Mediennutzung deutlich geändert – und entspannt.

Kein Fernsehen unter 3!?

Lotta durfte vor ihrem 3. Geburtag gar nicht fernsehen. Ich kann mich noch lebhaft an einen Elternabend in der Kita zu dem Thema „Kinder und Fernsehen“ erinnern, dort haben wir unter anderem erfahren, dass Kinder unter 3 einfach noch nicht in der Lage sind, die schnelle Bildabfolge und was dahinter steckt, zu verarbeiten. Bei Lotta haben wir das, wie gesagt, „durchgehalten“ – es war aber auch kein Problem, denn sie kannte keine Serien, der Fernseher muss für sie einfach nur ein flächiger, schwarzer Einrichtungsgegenstand gewesen sein. Weil wir nie in ihrer Gegenwart und auch sonst wenig fern gesehen haben, war sie schlichtweg nicht interessiert an der Flimmerkiste.

Aber irgendwann nach ihrem dritten Geburtstag, vermutlich in einer für mich besonders stressigen Phase mit zwei Kleinkindern, trat plötzlich Peppa Wutz in unser Leben. Ein Tipp von einer Freundin. Und plötzlich waren wir im Peppa-Fieber. Ein niedliches Schweinemädchen mit kleinen Bruder (hey, wie bei Bo und mir!), Schweinemama und Schweinepapa. Eine stinknormale Klischeefamilie, die genau so stinknormale Klischeegeschichten erleben. Unaufregende Geschichten, in denen die Kinder sich wieder finden.

Fernsehen mit Kind - immer gemeinsam

Ich saß immer mit dabei, habe mir genau angeschaut, was passiert und überlegt, ob ich das okay finde. Das Ergebnis? Peppa Wutz geht klar. Die Folgen sind kurz und man kann auch mal schnell aus dem Raum gehen (alleine pinkeln, Kaffee holen, sowas eben), ohne dass was Schlimmes passiert.

Und das kleine Kind?

Ja, haha, das kleine Kind, der kleine Bruder. Bei dem haben wir die 3 Jahres-Grenze für den ersten Fernsehkonsum deutlich unterschritten. Ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht erinnern, wann er das erste Mal mitgeguckt hat. Ich weiß noch, dass er es am Anfang immer uninteressant fand und lieber gespielt hat. Das fand ich auch gut und hab das natürlich unterstützt, denn eigentlich wollte ich nicht, dass er schon so früh fern sieht.

Ja, eigentlich. Dabei ist es dann auch geblieben, denn natürlich fand er Peppa Wutz dann auch irgendwann spannend und lustig, diese Schweinefamilie, die immer in Matschepfützen springt und sich vor Lachen auf den Boden wirft.

Fernsehen und Kleinkinder

Damit sind wir nicht allein. Laut einer Studie zum Thema Mediennutzung von Kindern, in Auftrag gegeben von Urbia und Netflix, sehen 38% ab dem ersten und 36% ab dem dritten Lebensjahr fern.

Hier fände ich persönlich spannend, ob in der Studie nur Eltern mit einem Kind befragt wurden oder ob sie schon zwei haben. Ich wette, den meisten Eltern fällt es beim zweiten Kind schwerer, die 3 Jahre als frühsten Beginn für den Medienkonsum „einzuhalten“, oder?

Und wie lange dürfen eure Kinder fern sehen?

Als Richtwert für Kinder ab 3 Jahren werden 30 Minuten pro Tag „empfohlen“, wobei man natürlich nicht jeden Tag fernsehen muss. Jede Familie muss da ihren eigenen Weg finden, wie und ob Serien in den Alltag eingebaut werden. Wir zum Beispiel kuscheln uns oft nach der Kita zusammen auf’s Sofa und gucken eine Folge oder zwei.

Obwohl ich fast immer dabei bin und wir den Medienkonsum wirklich kontrollieren, habe ich trotzdem ab und zu ein schlechtes Gewissen. Gucken wir zuviel? Lege ich hier den Grundstein für Stubenhocker mit viereckigen Augen?

Austausch mit anderen Eltern – wie macht ihr das denn so?

Wie bei vielen Themen rund um Kindererziehung kann es äußerst hilfreich und spannend sein, sich mit anderen Eltern auszutauschen. Deswegen fand ich das Netflix-Blogger-Event mit Diskussion zum Thema Mediennutzung von Kindern vor einiger Zeit wirklich interessant, hab mich in den Zug nach Berlin gesetzt und mit einigen anderen Bloggerinnen und Bloggern darüber gesprochen, wie sie das denn so handhaben.

Netflix Oster Blogger Brunch, am 06.04.2017 in Berlin Kreuzberg

Streaming-Dienste statt Fernsehen

Bei der Diskussion und Gesprächen hat sich gezeigt, dass kaum noch jemand „normales“ Programmfernsehen nutzt, die meisten sind überzeugte Streaming-Dienst-Fans. Hat ja auch klare Vorteile – man kann entscheiden, wann und wo man Serien schaut. Ob im Auto oder im Zug – hier kann man übrigens bei Netflix sogar die Download-Funktion nutzen, um ohne Internetverbindung Folgen zu gucken – auf dem Sofa oder doch lieber gemütlich in der Kuschelhöhle im Kinderzimmer.

Und zwar immer dann, wenn es passt – der Tagesablauf muss nicht dem Zeitpunkt der Lieblingsserie angepasst werden. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich manchmal früher vom Spielen nach Hause gekommen bin, weil ich auf gar keinen Fall eine bestimmte Serie verpassen wollte. Oder aber, dass es riesigen Streit gab, weil das Essen natürlich eine Viertel Stunde vor Filmende fertig war. Ja, ehrlich, man kann sich in Zeiten von Netflix, Mediatheken und Co. kaum noch dran erinnern, aber das war richtig blöd.

Reisen mit den Lieblingsserien auf Netflix

Schön finde ich auch, dass Fernsehen sich bei einigen zu einem besonderen Ritual entwickelt – also zum Beispiel: immer Sonntags schauen alle gemeinsam eine Folge von der Lieblingsserie. Wir haben zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit immer Drei Haselnüsse für Aschenbrödel geguckt, als ich ein Kind war. Bis heute ist für mich nicht richtig Weihnachten, bevor ich nicht mindestens einmal Drei Haselnüsse für Aschenbrödel gesehen habe.

Denn, ich finde, fernzusehen hat in Zeiten von Netflix und Co. definitiv nicht mehr den Ruf verdient, die Kinder zu verblöden. Natürlich kommt es auch hier auf das Was, Wie und Wieviel an, aber ich stelle mal in den Raum, dass es einige Serien gibt, von denen Kinder auch etwas lernen können bzw. Erlerntes verfestigen können oder noch einmal vorgelebt bekommen. Schön finde ich hier auch als Beispiel, dass Kinder ihre liebsten Serien auch mal auf Englisch schauen können, falls sie sehr interessiert sind an Sprachen, als Vorbereitung auf Reisen, um die Sprachmelodie schonmal kennenzulernen oder schon erlernte Vokabeln in den Handlungen wiederzufinden und zu festigen.

Können Kinder durch die richtigen Sendungen etwas lernen? 

Ich bin der Meinung, ja. Wenn ich so richtig, richtig ehrlich bin, dachte ich das vorher nicht. Aber zwei unserer liebsten Serien auf Netflix haben mich tatsächlich eines besseren belehrt. Beziehungsweise nicht sie, sondern meine Kinder. Was die plötzlich alles wissen! Und wenn ich nachfrage, woher sie dies oder jenes kennen, dann antworten sie schonmal: Na, von Mouk und Chavapa!

Unsere Serien-Tipps für Kinder

Mouk und Chavapa, das sind ein kleiner Bär und ein kleiner Kater, die mit ihren Fahrrädern durch die Welt reisen. Dabei lernen sie die unterschiedlichsten Menschen und Kulturen kennen, erleben Abenteuer, Pleiten und Pannen, streiten und vertragen sich wieder. Die Serie ist wirklich toll gemacht, weil sie auf unterschiedlichsten Ebenen vermittelt, dass Freundschaft wichtig ist, dass man freundlich zu Menschen sein sollte, egal, wie sie aussehen und wo oder wie sie leben. Weltoffenheit, die Lust, Neues zu entdecken und klar, auch ein paar wissenswerte Fakten lernt man hier.

Dürfen Kinder fernsehen? Mediennutzung von Kindern mit Netflix

Die zweite Serie ist Oonas und Babas Insel – zwei kleine Papageientaucher, die die unterschiedlichsten Abenteuer erleben, mit ihren Freunden und ihrer Familie. Hier geht es eher um zwischen“menschliches“ Verhalten, Konfliktlösung, darum, seinen Freunden zu helfen, aber zum Beispiel auch, sich nicht veräppeln und ausnutzen zu lassen.

Noch mehr schöne Kinderserien auf Netflix sind zum Beispiel Geschichten aus Mullewapp, Der Dinozug und Die Bienen – die Kinder lieben auch noch Bobo Siebenschläfer, Lauras Stern und Max & Ruby.

Begleitetes Fernsehen

Wir sprechen natürlich auch über das, was wir gesehen haben, nicht immer im Detail und nicht immer sofort, aber das ist mir wichtig – die Kinder haben die Möglichkeit und auch die Zeit, das, was sie gesehen haben, zu verarbeiten. Und, wenn sie mit mir drüber sprechen möchten, das auch zu tun. Deswegen gibt es zum Beispiel abends kurz vor dem Schlafengehen bei uns kein Fernsehen mehr.

Und, wie schon erwähnt – es kommt hier sehr auf das Was, Wie und Wieviel und Was noch an. Die Kinder sollten also nicht alleine gelassen werden mit dem Fernsehen und es ist wichtig, ihnen auch Alternativen zu zeigen. Bücher, Treffen mit Freunden, Ausflüge, Natur. Wie Leonie von Minimenschlein es so schön gesagt hat: in Maßen statt in Massen.

Falls ihr die Diskussion auch noch sehen wollt, hier ist das Video vom Netflix-Event:

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Bei Schau hin (was dein Kind mit Medien macht) findet ihr noch ein paar Tipps für Fernsehanfänger, falls ihr noch unsicher seid, wie ihr das machen könnt.

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