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Ein Kind ist kein Kind. Oder: Warum ein Tag mit nur einem (Klein)Kind für uns wie ein Tag Urlaub ist. 7 Gründe für exklusive Zeit mit nur einem Kind.

7 Gründe, warum man auch mal was mit einem Kind alleine machen sollte

Ein Kind ist kein Kind – eine Beleidigung?

Ein Kind ist kein Kind. Diesen Hashtag habe ich vor kurzem auf Instagram benutzt, als ich mit nur einem Kind zuhause war und es sich angefühlt hat wie Urlaub. Der Hashtag hat zu einer kontroversen Diskussion geführt, da sich einige Mütter, die „nur“ ein Kind haben, angegriffen gefühlt haben. Das kann ich tatsächlich auch nachvollziehen, denn nüchtern betrachtet stimmt die Gleichung

Ein Kind ist kein Kind = keine Mutter

ja so auch irgendwie. Trotzdem war das natürlich nicht gemeint, als ich den Hashtag benutzt habe. Ich finde, jede Frau, die ein Kind hat, ist eine Mutter. Dabei spielt die Anzahl der Kinder keine Rolle. Genau wie auch jede Frau, die ein Kind verloren hat, ob in der Schwangerschaft oder danach, in meinen Augen eine Mutter ist. Insofern habe ich diesen Hashtag vielleicht etwas zu gedankenlos benutzt, andererseits wäre es mir tatsächlich nicht in den Sinn gekommen, dass sich jemand dadurch auf den Schlips getreten fühlen könnte. Wahrscheinlich weil es mir selbst selten so geht, dass ich mich durch Äußerungen anderer angegriffen fühle, zumindest nicht, was unser Leben betrifft.

Wie konnte ich es mit einem Kind bloß anstrengend finden?

Bevor wir zwei Kinder hatten, waren wir auch schon gestresst, ehrlich. Ich fürchte, wie sind einfach Stress-Menschen. Wir haben auch schon nicht gechillt im Park auf der Decke gelegen und mit Freunden gegrillt, als Lotta noch klein war. Ich glaube, es gibt Menschen, die sind ohne Kinder gestresst und Menschen, die sind mit 3 oder mehr Kindern die Ruhe selbst. Stress ist oft ein subjektives Empfinden, jeden stresst etwas anderes und Stress ist auch oft, was man selbst draus macht.

Trotzdem dachte ich, als ich das erste Mal eine schlafende Zweieinhalbjährige auf dem Arm gleichzeitig mit dem Kinderwagen inklusive schlafendem Baby die Altbau-Treppenstufen bis zum Fahrstuhl hochkriegen musste: Wie zur Hölle konnte ich es jemals mit einem Kind anstrengend finden?

Andere Situation, gleiches Empfinden: Zwei Kleinkinder, die beide todmüde sind, nicht ohne mich einschlafen können, sich gegenseitig durch immer lauter werdendes Gebrüll wachhalten bzw. noch zu klein und/oder zu müde sind, um Erklärungen zu verstehen und Lösungsversuche mit umzusetzen. Letztendlich hab ich natürlich auch solche Situationen gemeistert (im Bett liegend, während ich mit dem Fuß den Kinderwagen hin und her geschoben habe) – trotzdem dachte ich an solchen Abenden voll wütender Verzweiflung, durchgeschwitzt und mit geschwollenen Augen vom Heulen: Wie zum Teufel konnte ich es jemals mit einem Kind anstrengend finden?

Ein Kind ist kein Kind

Für mich persönlich kann ich sagen, ich finde es anstrengender und stressiger, zwei Kinder zu haben als eins. Weil man nicht die Bedürfnisse von einem, sondern von zwei Kindern befriedigen muss, die sich meistens widersprechen und das im schlimmsten Fall auch noch gleichzeitig. Weil man doppelt so viele Sachen schleppt, weil man doppelt so viele Termine koordiniert, weil es mehr Streit gibt, man sich auch mal auf eine Seite schlagen muss. Mehr Beziehung bedeutet mehr Arbeit. Trotzdem, und da gibt es kein Wenn und Aber, da kann es noch so stressig und anstrengend sein – es ist toll, zwei Kinder zu haben, wahnsinnig toll. Und manchmal ist es bestimmt auch einfacher, wenn Geschwister sich haben. Weil sie miteinander spielen, sich beschäftigen, voneinander lernen.

Um das nochmal klar zu sagen – nichts liegt mir ferner, als irgendeine Art von Familie oder Lebensentwurf herabzusetzen. So bin ich einfach nicht. Aber trotzdem empfinden mein Freund und ich es als sehr entspannend bzw. fast wie Urlaub, wenn wir uns den Luxus gönnen, mal nur Zeit mit einem Kind allein zu verbringen. Und weil das nicht nur für uns, sondern auch für die Kinder schön ist, hab ich hier mal 7 Gründe für exklusive Zeit mit dem Kind aufgeschrieben. Oder auch:

Warum ein Tag mit nur einem Kind sich anfühlt wie Urlaub - ein Kind ist kein Kind.

Ein Kind ist kein Kind. Warum sich ein Tag mit nur einem (Klein)Kind anfühlt wie Urlaub:

  • Es gibt nicht alle fünf Minuten ohrenbetäubendes Gekreische, Gebrüll und Weinen, weil die Geschwister sich um irgendwas oder wegen irgendwas streiten. Sprich: mehr Ruhe, weniger Theater. Die Chance, einen Gedanken zu Ende zu denken, ist deutlich höher.
  • Man kann sich auf ihren und nur ihren Takt einlassen. Balancieren? Okay, klar! Rechts oder links? Du entscheidest. Stehen bleiben und gemeinsam Gänseblümchen pflücken? Sicher. Alle Einzelheiten in einem Schaufenster angucken und bewundern? Ich bin dabei!
  • Ein Kind kann man besser im Auge behalten als zwei Kinder gleichzeitig. Man kann sich sogar beim Eis essen an die Lehne der Bank lehnen, die Augen schließen, während man das Gesicht in die Sonne hält und das Kind durch die Wimpern blinzelnd beobachten. Bedeutet: man kann auch mal kurz durchatmen und eine Pause machen statt ständig sprungbereit zu sein, falls doch einer zu weit Richtung Straße läuft.
  • Die volle Aufmerksamkeit. Mit zwei Kindern ist es einfach schwer, einem Kind wirklich die volle Aufmerksamkeit zu schenken, während es zum Beispiel etwas erzählt. Denn man kann fast sicher sein, dass das andere Kind genau dann hinfällt und getröstet werden muss, einen Tobsuchtsanfall bekommt, weil es nicht allein den Pullover anziehen kann oder oder oder. Und zack, ist die Aufmerksamkeit weg.
  • Mehr Flexibilität. Mit einem Kind die Pläne zu ändern, ist relativ leicht. Doch lieber Pommes statt Pizza, mit dem Bus statt der U-Bahn, Schwimmbad statt Zoo. Hier muss man sich nur als Erwachsener drauf einlassen können, was das Kind sich wünscht und schon haben beide Spaß. Mit zwei Kindern will garantiert einer dies und der andere das – und ich oft am liebsten gar nichts mehr.
  • Die Beziehung zueinander wird gestärkt. Wenn man sich Zeit nimmt füreinander, zu zweit, dann stärkt man seine Beziehung. Egal, ob es um eine Paarbeziehung oder um die Eltern-Kind-Beziehung geht. Exklusive Zeit mit nur einem Kind ermöglicht es, den anderen zu sehen, zu erkennen: wer ist eigentlich der Mensch hinter meinem Kind? Was ist ihm gerade wichtig, wo steht es, wo stehen wir? Gemeinsame Erlebnisse stärken das Wir-Gefühl, egal, ob es ein besonders toller Ausflug ist oder einfach nur mal die ungeteilte und ununterbrochene Aufmerksamkeit beim Bücherlesen und Kuscheln auf dem Sofa. Und wer sich als starkes Wir fühlt, der übersteht auch stressige Phasen leichter.
  • Altersentsprechende Aktivitäten. Es ist schön, auch mal Sachen zu machen, die genau in dem entsprechendes Alter des Kindes Spaß machen. Keiner wird über- oder unterfordert, keiner verliert schnell das Interesse, weil es zu langweilig oder zu kompliziert ist. Man kann das große Kind vor eine Herausforderung stellen, der das kleinere noch nicht gewachsen wäre. Oder dem kleineren Kind, ohne dass das große Kind die Lösung übernimmt.

Warum ein Tag mit nur einem Kind sich anfühlt wie Urlaub - ein Kind ist kein Kind.

Und woher kommt da jetzt das Urlaubs-Gefühl?

Das habe ich mich tatsächlich gerade beim Schreiben auch gefragt. Es ist ja nicht so, dass man mit einem Kind zwei Stunden lang auf dem Sofa liegen und ein Buch lesen kann, ohne unterbrochen zu werden. Dass man schlafen kann, um danach erholt und gestärkt den weiteren Familien-Alltag zu bestreiten. Nein, ein Kind alleine fordert auch Aufmerksamkeit.

Ich glaube, das Gefühl von Entspannung resultiert erstens daraus, dass man nicht den Spagat zwischen zwei Kindern mit unterschiedlichen Bedürfnissen machen muss, wodurch das Gefühl der Zerrissenheit und das potentiell schlechte Gewissen, nicht beiden gerecht zu werden, wegfällt. Also mehr Entspannung durch weniger (emotionale) Anspannung.

Zweitens nimmt man sich, wenn man einen Tag oder Nachmittag oder auch nur eine Stunde exklusiv Zeit mit einem Kind verbringt, einfach bewusst Zeit. Diese Zeit wird vorbereitet, vielleicht geplant aber nicht verplant. Sie wird nicht für Routine-Erledigungen verschwendet, es wird nicht gehetzt. Wir lassen uns bewusst auf unser Kind ein, auf sein Tempo und entschleunigen uns dadurch automatisch. Wir erinnern uns wieder, dass die Blütenblätter von Gänseblümchen auf der Unterseite manchmal pink sind, entdecken Hinterhöfe, galoppieren, balancieren, lassen das Smartphone in der Tasche und sind konzentriert auf das Hier und Jetzt. Entspannung durch Entschleunigung.

Entspannung durch Entschleunigung

Das ist meine Erklärung für das Urlaubsgefühl. Die Frage ist natürlich, ob das nicht mit zwei oder mehr Kindern auch klappen kann. Bestimmt kann es das. Ich kenne auch Familien, die sind mit drei Kindern unter drei die Ruhe selbst und wirken total entspannt. Wahrscheinlich ist das alles einfach Typsache, für eine Familie ist ein Kind stressig und für andere das vierte immer noch keine große Herausforderung.

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht? Stresst es euch, ein Kind zu haben? Denkt ihr seit dem Zweiten, das ist doch Pillepalle mit einem? Und die Eltern mit drei oder mehr Kindern, könnt ihr nur in euch hineinlachen über die Problemchen, die Eltern mit weniger Kindern als ihr sie habt, so aus der Ruhe bringen? Empfindet ihr die These „Ein Kind ist kein Kind“ als beleidigend?

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