Das Leben Eben, Mompreneurs
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Und, wie läuft’s? 6 Monate als Mompreneur – Gedankenkarussell #2

Und, wie läuft’s?

Die Frage, die ich seit einem halben bei jedem Treffen, jedem Telefonat gestellt bekomme, kommt mir in den Kopf, während ich am Samstag Morgen auf dem Fußboden unseres winzigen Altbaubadezimmers sitze. Vor mir steht meine erste Tasse Kaffee, neben dem Laptop.

Während die Kinder unter der Dusche spielen, Haie, Schildkröten und Elefanten nebeneinander aufreihen, imaginäre Geburtstagskuchen und Trinkkekse (vielleicht die neue Erfindung?) backen, erstelle ich Versandetiketten für die Pakete, die ich heute Nacht bis um 2 Uhr gepackt habe.

Mit halbem Ohr höre ich, wie Lotta sagt, dass Löwen Menschen fressen, genau wie Haie. Ich versuche, ihr zu erklären, dass das durchaus mal vorkommen kann, aber nur ganz selten. Erklärung akzeptiert, unter der Dusche geht die Party weiter. Ich höre mich zum dritten Mal sagen: „So, jetzt kommt ihr aber gleich raus!“ – aber weder der Laptop, den ich anspreche, noch die Kinder reagieren wirklich. Verständlich.

Pubertät 2.0

Die Selbstständigkeit als Mompreneur, mit zwei kleinen Kindern, von denen eins noch nicht in der Krippe ist, fühlt sich für mich persönlich ein bisschen an wie eine zweite Pubertät. Stresspickel und Gefühlsschwankungen inklusive. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, innerhalb von Minuten, oft mehrmals am Tag. Voller Begeisterung und Tatendrang auf der einen, Selbstzweifel und lähmend langen To do Listen auf der anderen Seite.

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Wenn unfassbar viele Bestellungen an dem Tag reinkommen, an dem ich unbedingt die Umsatzsteuervoranmeldung fertig machen und abgeben muss. Wenn die Schlussrechnungen für die aktuelle sich mit den Anzahlungsrechnungen für die nächste Kollektion überschneiden und plötzlich eine Email aufplingt, in der mir eine Kundin schreibt, dass ich ihren Tag gerettet habe mit ihrer unheimlich schön verpackten Bestellung.

Wenn ich eigentlich genau weiß, dass das genau das ist, was ich immer machen wollte und machen will – und mich trotzdem frage, ob das Leben nicht so viel einfacher wäre, wenn ich Tag für Tag meine Stunden im Krankenhaus runterreißen würde, nach meinem Dienst nach Hause gehen und mich nur noch um Alltagsdinge und die Familie kümmern müsste.

Wenn ich so viele positive Rückmeldungen bekomme, mich zwar darüber freue, aber kein einziges Kompliment so richtig annehmen kann, weil ich ja weiß, dass ich nicht mal die Hälfte meiner Ideen bisher umgesetzt habe.

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Wenn ich mich mit anderen vergleiche – besseres Angebot, knackigere Texte, schlauere Kooperationen. Bei allen anderen wirkt alles so leicht und selbstverständlich – außerdem sehen sie auch noch immer blendend aus, während ich die 7 Kilo, die ich nach Bos Geburt abgespeckt hab, locker wieder auf den Hüften habe. Hrmpf.

Wenn ich Nachts wach liege, weil ich darüber nachgrüble, ob das wirklich der richtige Zeitpunkt war, um mich mit einem Onlineshop selbstständig zu machen. Was wäre wenn, hätte hätte, Fahrradkette.

Meine Zweifel gehen Hand in Hand mit dem schlechten Gewissen. Weil wir kaum noch Zeit zu viert haben und die Kinder ja nur einmal so klein sind. Weil ich oft so gereizt bin, dass die Spannung förmlich greifbar ist. Weil ich nichts und niemandem gerecht werde. Den Kindern nicht, dem Shop, mir und meiner Beziehung erst Recht nicht.

Alles Mist?!

Während ich versuche, zusammen und in Worte zu fassen, wie es denn jetzt eigentlich läuft, merke ich, dass ich mal wieder etwas für mich und ich glaube, auch für viele andere Frauen, ganz typisches mache – ich rücke das Negative, die Zweifel, in den Vordergrund.

Dabei läuft es eigentlich gut. Wenn ich drüber nachdenke, kann ich doch stolz auf mich sein, darauf, wie ich das letzte halbe Jahr gemeistert habe. Weil: Pinkepank ist eine One-Woman-Show. Der Blog, der Shop, Instagram. Auch, wenn der Blog in den letzten drei Monaten eher stiefmütterlich behandelt wurde und ich auf keinem der neuen It-Sozial-Media-Kanäle zu finden bin – der Shop läuft. Ich hab so viel gelernt, mir viel selbst angeeignet, Fehler gemacht, ausprobiert, verworfen, revidiert.

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Es gab Glücksmomente und Pechsträhnen, aber ich glaube, so funktioniert Selbstständigkeit. Probieren, auf die Nase fallen, aus Fehlern lernen, neue Ideen entwickeln, ein Schritt vor, zwei Schritte zurück. Nur, um am nächsten Tag einen Knallererfolg zu haben.

Es läuft.

Ich kann also auf diese Frage, wie es denn so läuft, eigentlich nur antworten: es läuft. Das Ganze geht seinen Weg, ich lerne, werde weiter Fehler machen, Tiefschläge erleben und Luftsprünge machen, wenn Emma, die süße Tochter von Anna Frost ein Kleid von Tinycottons aus meinem Shop auf der Fashion Week trägt oder die Matroschkas zu einem ihrer derzeitigen Lieblinge erklärt. Jedes Bild auf Instagram von „meinen“ Produkten in euren Kinderkleiderschränken und Wohnzimmern macht mich glücklich.

Klar, besser geht immer, größer, höher, schneller und weiter, mehr mehr mehr. Irgendjemand ist immer besser, hübscher, hat mehr Geld, ein besseres Händchen. Das ist in der Pubertät so, in der Selbstständigkeit, in Festanstellungen, im Leben.

Natürlich möchte ich das auch alles, es wäre scheinheilig, zu behaupten, dass ich schon zufrieden bin – optimieren geht schließlich immer. Es fehlen noch so viele Funktionen im Shop, die mir von Anfang wichtig waren, aber für die ich entweder nicht qualifiziert genug bin oder für die mir schlicht und einfach die Zeit fehlt.

Trotzdem konzentrieren wir uns erstmal darauf, wieder ein bisschen Familienzeit zu haben, zu leben, als Person nicht unterzugehen und trotzdem Zeit für unsere Karrieren zu haben. Wieder eine Balance in dieses Leben zu bekommen. Ein kleiner Schritt in diese Richtung ist, auch wenn es für viele paradox klingt, mein kleines, feines Ladengeschäft in Hamburg Eimsbüttel, in und an dem ich gerade arbeite. Es wird erstmal eher ein „Studio Store“, mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Die Kinder sollen mit mir hier rumwuseln und den Garten (hurra hurra) genießen, ich möchte wieder Zeit haben, zu bloggen, kann hier Shootings realisieren und an ein paar Tagen die Woche den Laden öffnen.

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Bevor es soweit ist, muss dort noch einiges passieren. Die Verkaufsräume müssen aufgehübscht werden (obwohl sie mit ihren alten Fliesen schon eine absolute Augenweide sind), eine Küche muss her und der Garten benötigt auch die ein oder andere Stunde an Zuwendung. Das Abenteuer geht weiter. Kommt ihr mit?

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