Das Leben Eben
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Alltagsgeschichten. Vom Chaos zwischen den Zeilen und Platz für Vorfreude.

Frühlingsblumen in pink

Ich merke, wie die Kopfschmerzen sich anschleichen. Über den Herd gebeugt versuche ich, die neueste Folge And just like that zu öffnen, um beim Kartoffeln schälen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Me time beim Essen kochen. Das Internet hängt, also setze ich erstmal Teewasser auf. Getrunken hab ich außer Kaffee bisher nur ein Glas Wasser, das reicht nicht. Während das Wasser anfängt zu sprudeln, denke ich an die Emotions- und Bedürfnisanalyse, die meine Therapeutin mir nach der vorletzten Stunde geschickt hat. Eine Übung, um herauszufinden, woher ein Gefühl gerade kommt, welches Gefühl es eigentlich genau ist und welches Bedürfnis dahinter steckt. Geht auch bei Schmerzen, ich halte kurz inne und frage mich: woher kommen die Kopfschmerzen jetzt?

Erstmal lasse ich meine Schultern fallen, ich bin angespannt, merke ich. War ich nicht gerade dabei, etwas anderes zu machen? Die Termine fürs LEG an die Lehrerinnen meines Sohnes schicken, fällt mir mit einem kurzen Schreck ein. Noch während der Drucker die Termine auf Papier brachte, klingelte es an der Tür. Unterbrechung, Maske suchen, Schuhe an und die Hälfte der Treppen runterrennen. Vierter Stock, der Fahrstuhl ist auf unbekannte Zeit kaputt, ich bekomme einfach viele Pakete und bin drauf angewiesen, dass die PaketbotInnen mir nicht komplett ungnädig werden.

Was war nochmal gerade?

Als ich wieder oben bin, packe ich die Pakete aus, zwei Bücher und eine neue Postmappe fürs Kind, ich tausche die kaputte Mappe gegen die neue aus… und verpasse es, hier wieder den Bogen zur Schule zu spannen. Stattdessen denke ich ans Mittagessen. Auch nicht unwichtig, aber es macht etwas mit mir. Diese Unterbrechungen, Dinge danach zu vergessen, das zu wissen und damit ständig auch Angst zu haben, etwas Wichtiges zu vergessen.

Ich fische den Zettel aus dem Drucker, fülle die Termine aus, scanne den Zettel ein und schicke ihn ab. Puh. Ein Punkt weniger. Die nächsten rutschen natürlich sofort nach. Ferienbetreuung anmelden, ach ja, ich wollte ja auch den Urlaub buchen. Und…ein Geschenk für den allerersten Kindergeburtstag, zu dem Ella eingeladen ist und auch geht, müssen wir auch noch besorgen.

Mit nur drei Kindern insgesamt, alle getestet, zwei davon seit Weihnachten nicht mehr in der Kita. Ich hoffe drauf, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, wie jedes Mal, wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden.

Corona, Corona, Corona. Keiner kann es mehr hören, keiner will mehr irgendetwas davon lesen. Außer, dass diese verdammte Dreckspandemie vorbei ist. Womit wir wieder beim Urlaub wären. Wohin wollen wir, für wie lange und wer kommt wohin mit? Kriegt André Urlaub für so viel Reisezeit, wie ich sie mir wünsche? Und: können wir uns das überhaupt leisten? Und über all dem schwebt natürlich das große C..

Kribbeln im Bauch

Für die Maiferien steht vielleicht eine Reise an, die sich anfühlt, als ob ich einen kleinen Traum verwirklichen würde. Ich werde kribbelig und aufgeregt und die (Vor-)Freude strahlt in meinem Körper. Allein die Aussicht lässt mich mich fühlen, wie ich mich ewig nicht gefühlt habe. Es ist diese große, kribbelige, unvernünftige, sorglose und naive Kinderfreude, die ich sofort wiedererkenne, obwohl ich sie so lange nicht gespürt habe.

Mir wird warm im Bauch, was vielleicht auch daran liegt, dass ich wieder am Herd stehen, aber meine Schultern entspannen sich, die Kopfschmerzen ziehen sich wieder zurück. Diese Vorfreude tut mir so gut, sie lässt meine Augen strahlen und haucht Leben in meine Roboterbeine. Ich schmeiße Musik an, tanze ein bisschen in der umher und merke, wie dabei all die To dos in meinem Kopf durcheinander purzeln.

Ich schnappe mir meinen Things to do today Kalender und schreibe, ohne groß nachzudenken, alles runter, was mir in den Kopf kommt. Ich schaffe Platz für die Vorfreude.

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