Das Leben Eben
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Ein Experiment

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Liebes Tagebuch,

das wird ein Experiment. Seit Ewigkeiten nehme ich mir vor, wieder mehr zu schreiben. Meine Perfektion steht mir dabei im Weg. Okay, und das immer die ein oder andere Taste meiner Laptop-Tastatur hakt, jetzt gerade sind es das T und die 7.

Die Perfektion ist allerdings der größere Stolperstein. Perfekt soll es sein. Ein perfekter Text, mit Aussage, Inhalt und natürlich einer Lösung für alle, die ihn lesen. Das klappt aber nicht. Erst klappte es mit Baby nicht, seit zwei Jahren klappt es wegen Pandemieproblemen nicht. Pandemieprobleme sind die Probleme, die eine Pandemie so mit sich bringt. Für jeden Menschen sind das andere, klar.

Schulschließungen, eine Familie, die sich zum Teil maximal auf die Nerven geht, weil sie außer sich selbst kaum noch jemanden sieht, aber natürlich trotzdem versucht, das Beste aus allem zu machen.

Das Gefühl, nichts mitzuteilen zu haben, weil: ist ja nichts los. Worüber sollte ich schon berichten, jeder erlebt ja fast das Gleiche gerade, seit zwei Jahren.

Die Angst, ins Negative abzudriften, weil neun Jahre Mutterschaft, zwei davon in einer Pandemie, die Hälfte der Woche allein und wahrscheinlich auch ein bisschen Veranlagung ihre Spuren hinterlassen haben, bei mir in Form einer mittelschweren Depression.

Und letztendlich auch immer ein bisschen die Angst, sich öffentlich nackig zu machen. Hier ein kleiner Seelenstriptease, da die Gefühle für alle Welt öffentlich zu machen. Die letzten drei Jahre habe ich ab und zu erlebt, wie es gegen einen verwendete werden kann, ehrlich zu sein, wie verletzlich es machen kann.

Aber, und das macht mich sehr glücklich: es hat mir auch gezeigt, dass es Verbindungen schafft. Dass meine Texte anderen Frauen Mut macht, das Gefühl gibt, nicht allein zu sein.

Ich überwinde also all diese Abers, die wie dicke Brocken überall dort liegen, wo ich sie nicht brauchen kann. Da, wo meine Gedanken einfach fließen und wollen. In meinen Fingerspitzen, die eigentlich über die Tasten fliegen wollen. In meinem Herzen, auf meiner Zunge. Ich ignoriere sie und starte dieses Experiment. Schreibe „Liebes Tagebuch“, obwohl ich mir dabei vorkomme wie 12 und ja, auch ein bisschen albern. Aber es ist leicht, diese Anrede zu wählen. Leichter, als alles zu zerdenken und am Ende wieder nicht zu machen.

Täglich zu schreiben, einfach nur für mich, das hatte ich mir eigentlich für meine Auszeit vorgenommen. Diese Pause, eine echte Pause, die gab es nicht. Und wie es aussieht, wird es sie auch im Januar nicht geben. Also verschiebe ich das Schreiben hierher. Mal kürzer, mal länger, dies, das, wie es mir gefällt. Einfach und allein aus dem Grund, wieder ins Schreiben zu kommen. Loszuschreiben. Zu experimentieren.


Wenn man nichts ändert, ändert sich sich nichts.


Und ich möchte vieles ändern, ohne mich den Regeln zu unterwerfen, wie „man“ dieses oder jenes gerade machen sollte. Experimentieren, mit Worten jonglieren, lernen, visuell verändern, (mich) entwickeln. Ich weiß, einige werden dabei sein. Und darauf freue ich mich.

Bis morgen, deine Johanna

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