Vor drei Tagen habe ich angefangen, dieses vorletzte (?) Baby Bump Update zu schreiben. Hab geschrieben, geschrieben – und wieder gelöscht. Noch mal geschrieben – und noch schneller gelöscht. Am Mittwoch, da waren es noch genau 14 Tage bis zum errechneten Geburtstermin.

Vorgestern hab’ ich wieder angefangen zu schreiben, rausgekommen ist dabei nur der Satz: Noch 13 Tage bis zum errechneten Entbindungstermin.

Und gestern Abend, da konnte ich endlich meine Gefühle ordnen, benennen und formulieren.

Dieses Baby

Langsam wird es verdammt real, unser drittes Kind. Dieses Baby, von dem ich lange vor dem ersten positiven Test wusste, dass es da ist. Dieses Baby, das schon so sehr geliebt und sehnsüchtig erwartet wird von seinen Geschwistern. Und von uns natürlich. 

Dieses Baby, dank dem unsere Wohnung plötzlich wieder aussieht, als ob wir unser erstes Kind bekämen. Ein Kinderwagen, eine Wickelkommode, ein Kindersitz für’s Auto. Mini-Windeln, Babyklamotten. Alles da. Weniger als beim ersten Mal, bedachter. Aber alles bereit.

Dieses Baby, das hier noch mal alles auf den Kopf stellen wird. Das mit mir jetzt schon zu Bosse tanzt und für das wir uns immer noch nicht auf einen Namen einigen konnten.

Federwiege mit geflochtenem Moseskörbchen

Bauchtänze und Wehmut

Diese Tänzchen im Bauch, das Rumpeln, sich strecken und dehnen, das Ausbeulen und Wegflutschen, dieses wunderschöne und einzigartige Gefühl versuche ich gerade noch mal so intensiv wie möglich wahrzunehmen. Aufzusaugen. Zu speichern. Doppelt und dreifach gesichert. Damit ich es später abrufen kann, mit ganz viel Glücksgefühl und wenig Wehmut.

Wehmut macht sich hier gerade breit, ein bisschen wenigstens. Zwischen Nestbautrieb Galore, Stürzen und Knock-Out-Schläfchen. Zwischen Alltag und Organisation schleicht es sich, dieses Gefühl.

Das war’s. Das allerletzte Mal.

Das war’s, endgültig. Immer öfter wird mir das bewusst und ein bisschen schmerzt der Gedanke. Das allerletzte Mal schwanger zu sein, ein Baby in mir zu spüren. Das allerletzte Mal dieses Warten auf einen zweiten Strich. Auf ein “Schwanger” oder “Nicht schwanger”. Ein allerletztes Mal habe ich mit Gefühlskloß im Hals, in Bauch, Kopf und Herz den Test in meiner Schminktasche versteckt. Nur um alle zehn Minuten mit mulmigem Gefühl ins Bad zu rennen und zu checken, ob da immer noch “schwanger” steht.

Baby Bump Update SSW 38 - Beim CTG

Das allerletzte Mal der erste Ultraschall, die Ängste und Sorgen, Erleichterung. Das allerletzte Mal zum CTG. Zum allerletzten Mal die Spannung, wer da eigentlich zu uns stößt. Und wie.

Was das mit uns macht, als Familie, als Individuen, mit unserem Leben.

Wehmut, Spannung, Erleichterung

Dieser Anfang von etwas Neuem, das mit der Geburt beginnt, bedeutet auch gleichzeitig einen Abschied. Von einer Zeit, in der wir noch nicht wussten, worauf wir uns einlassen. Einer Zeit, in der das Leben mit Kindern noch vor uns lag und wir es nicht erwarten konnten, uns ins Abenteuer Familie zu stürzen. Von der Zeit der Familienplanung.

Ich weiß nicht, ob dieser Abschied mich noch mal einholen wird und ich vielleicht auch ein bisschen um diese Lebensphase trauern muss. Kann sein, muss nicht sein. Denn unter das Gefühl der Wehmut mischt sich Spannung und Freude, auf alles, was kommt. Und ein bisschen Erleichterung.

Uff, Ächz, Stöhn, Seufz, Autsch

Tatsächlich bin ich doch auch ein klitzekleines bisschen erleichtert, dass die Schwangerschaft in kurzer, absehbarerer Zeit beendet sein wird. Ich weiß nicht genau, seit wann, aber gefühlt seit einer oder zwei Wochen bin ich ein Wrack. Ich wälze und hieve mich stöhnend aus dem Bett, jeden Morgen muss ich erstmal zwei, drei taumelige Schritte machen bevor der stechende Rückenschmerz nachlässt und ich das Gefühl habe, einigermaßen Kontrolle über mein Gleichgewicht zu haben.

Ich freue mich drauf, nicht mehr wie auf Eiern laufen zu müssen, um nicht noch mal zu stürzen. Dreimal reicht, mein rechtes Knie ist immer noch offen und tut so weh, dass eine kniende Position für mich unter der Geburt gerade absolut flach fällt.

Baby Bump Update SSW 38

Von Furienalarm und Knock-Out-Schläfchen

An manchen Tagen, besonders Abends, nach anstrengenden Tagen merke ich: she is back! Die Furie in mir. Obwohl eigentlich nichts los ist, bin ich manchmal gegen 19:00/20:00 Uhr so am Ende, dass sie die Oberhand gewinnt und explodiert. Meckert, keift, treibt.

Obwohl ich sonst versuche, sehr drauf zu achten, die Kinder noch liebevoller und verständnisvoller zu behandeln und begleiten. Weil es eben auch für sie eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung ist. Alles wird sich ändern, wenn sie da ist. Aber weil mir das an manchen Abenden dann eben nicht mehr gelingt, hoffe ich, dass die Furie verschwindet, sobald die kleine Maus da ist.

Was wohl bleiben wird?

Schlafmangel

Vermutlich werde ich nicht zu mehr, sondern eher zu weniger Schlaf kommen, ich bleibe da mal realistisch. Auch, wenn ich bei Bo erlebt habe, wie entspannt das alles sein kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass es auch diesmal so sein wird, aber – lieber mit dem Schlimmsten rechnen als dann tief zu stürzen, wenn es nicht so läuft.

Momenten erlebe ich etwas, was mir noch nie vorher passiert ist. Ich gehe zu spät ins Bett und schlafe dementsprechend zu wenig. Aufstehen, fertig machen, die Kinder zur Kita, das kriege ich alles auf die Reihe. Und dann?

Knock-Out-Schläfchen

Von einer Sekunde auf die andere bin ich so dermaßen müde, dass ich einfach schlafen muss. Ich habe wirklich keine Wahl, mein Körper holt sich mit aller Macht und Kraft, was er braucht. Damit wir dann irgendwie durch den Tag kommen. Obwohl ich wirklich schon Zeiten mit weniger Schlaf hatte, das kenne ich so bisher nicht. Und ich bin wirklich beeindruckt und auch begeistert von meinem Körper, dass er mir so zeigt: einfach mal noch eine Stufe runter schalten. So die letzten Tage, Wochen vor der Geburt.

Alles klar?

A propos Geburt: Angst hab’ ich auch diesmal nicht, ich weiß, dass ich schon zwei Geburten gut geschafft habe und vertraue in mich und meinen Körper. Trotzdem habe ich nach der ganzen medialen Präsenz des Themas “Gewalt unter der Geburt” noch mal klar mit André abgesprochen, was ich möchte. Und zwar ohne viel Schischi, in ganz klaren Worten.

Ich möchte keine Intervention, es sei denn, eine von uns ist in akuter Lebensgefahr. Ich möchte keine Medikamente ohne Erklärung und Einwilligung. Und mein Baby bleibt auf jeden Fall bei mir. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass es uns beiden gut geht.

Obwohl André ja selbst Arzt ist, ich glaube, es hat uns beiden gut getan, das noch mal klar auszusprechen, in Erinnerung zu rufen und ihm auch noch mal deutlich zu sagen, dass das seine Aufgabe ist, falls ich das nicht mehr kann.

Baby Bump Update SSW 38

In diesem Sinne kann ich eigentlich nur sagen: hey ho, let’s go! Kleines Baby-Mädchen, hier ist alles und jeder bereit für dich!

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7 Comments

  1. Ach Johanna, das ist alles so so schön. Also nicht das Fallen, das Müdesein, oder die Furie, aber die Freude und das Gespanntsein und das neue kleine Leben! Meine Schwägerin ist jetzt schon bei 40+x und ich erwarte eigentlich die ganze Zeit den Anruf dass die kleine Maus endlich da ist :) Und tatsächlich merke ich jetzt selber dass ich doch nochmal will (also doch ein 2. Kind will) nachdem ich jetzt jahrelang eigentlich nicht sicher war….
    Ich wünsche dir noch ganz viel Kraft für die kommenden Tage und natürlich darüber hinaus. Ach, und bei unserem Sohn haben wir uns auch erst nach der Geburt im Kreissaal für einen Namen entschieden ;)
    Ganz lieben Gruß, Christine

  2. So schön geschrieben! Ich wurde ungeplant noch einmal schwanger und hatte dann die Gelegenheit, mich so richtig zu verabschieden. Vorher war mir das irgendwie nie bewusst, dass ich das eigentlich brauche. Wünsche dir für die Geburt alles Gute, dass einfach alle so kommt, wie es für alle gut ist und sich auch alles mit den anderen beiden regelt ?

  3. Alexandra berlit Reply

    Liebe Johanna, ich lese und sehe und höre dich immer gern….und nun habe ich eine Frage: ist es tatsächlich euer letztes Kind , also vom Gefühl seid ihr dann „ fertig“ ? Bei uns hat es bis zum sechsten gedauert …;-) … ich wünsche dir auf jeden Fall eine schöne Geburt und eine tolle, entspannte Kennlernphase . Wie aufregend…. bei uns werden es in einigen Jahren hoffentlich viele Enkel sein. Ich drücke dich herzlich und sende viele Grüße aus Glinde ?

  4. So von Herzen geschrieben, das ich ein bisschen (oder ein bisschen mehr) Pipi in den Augen habe. Alles Liebe für Euch!

  5. Liebe Johanna,Das ist Spool schön geschrieben. Ich kuschel so gern bei dir,weil ich mich gerade immer öfter frage, Wann wir uns Abenteuer Kind 3 starten….nicht mehr ob. Eher wann. Ein letztes Mal. Ich werde diese Wehmut sicher auch haben. Hach. Ich wünsch dir eine wunderschöne Geburt und freu mich auf mehr von vier plus einer. Alles Liebe

  6. Hallo Johanna, wir haben wohl mindestens drei Dinge gemeinsam: den Namen, ich habe auch einen Mamablog (www.bambinibelli.de) und ich bin auch gerade schwanger (Entbindungstermin gegen Mitte/Ende Juli). Bei uns ist es das zweite Kind, aber ich hätte auch gerne noch ein Drittes. Der Gedanke, dass es dann das Letzte sein könnte, hatte ich auch schon. Eigentlich möchte ich mir wenigstens für mich selbst die Option offen lassen, vielleicht doch noch mehr Kinder zu bekommen. Na ja, nun werde ich erstmal mein Zweites auf die Welt bringen, bevor ich überhaupt schon an das Vierte denke. :)
    Liebe Grüße,
    Johanna.

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