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Change Is Good

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Mit einem Baby ändert sich alles. Aber – „Change is good“. Das sage ich mir im Moment mehrmals täglich. Einerseits, weil es stimmt und andererseits, um mich in Momenten, in denen es mir dann doch nicht bewusst ist, daran zu erinnern. Denn ganz egal, wie oft man sich vor der Geburt gesagt hat, dass man selbst ganz bestimmt nicht eine von diesen Müttern wird – eine in bequemen Schlabbershirts mit Knopfleiste zum Stillen, mit praktischem Kurzhaarschnitt und Milchflecken von oben bis unten. Eine, die nur noch auf flachen Schuhen durchs Leben latscht, weil sie ständig das Baby trägt und die keine anderen Themen mehr im Kopf hat außer Stillfrequenz, Windelinhalt und Schlafdauer. Eben eine von diesen Frauen, deren Persönlichkeit vom berühmt berüchtigten Muttertier verschlungen wurde. Egal, wie oft man sich und allen anderen versprochen hat, nicht so zu werden – glaubt mir, das Muttertier ist stärker. Zumindest meistens.

Denn natürlich wird es immer diese Frau im Freundes- oder Bekanntenkreis geben, die Tage, ach, Stunden nach der Geburt wieder Größe 34 trägt, die nie überfordert mit der Gesamtsituation ist und dazu auch noch von ihren Augenringen runtergezogen wird. Sie hat auch nicht die Nummer diverser Lieferservices in ihrem Telefon gespeichert, nein, diese Mutter kocht jeden Tag ein frisches und gesundes Essen mit Zutaten aus der Biokiste in ihrer durchgestylten und vor allem ordentlichen fünf Zimmer Altbauwohnung. Sie nimmt natürlich wenige Wochen nach der Geburt wieder regelmäßig an ihrem Yoga-/Zeichen-/Nähkurs teil, und ach ja, wenn das Baby schläft, studiert sie nebenbei Neurowissenschaften, plant die Eröffnung ihres Cafés oder organisiert eine Fashion Show.

Wenn das Baby dann wach ist, ist es ein kleiner Sonnenschein. Es weint nicht und es spuckt auch keinen Schwall Milch auf  die Lieblingsklamotten. Es sitzt gut gelaunt und noch besser gestylt auf dem Hüftknochen seiner Mutter und grinst jeden, der vorbei kommt, freundlich an, während Mutti einen Latte Macchiato (Sojamilch, fettarm) trinkt und mit ihren Model-Freundinnen über Gott und die Welt plaudert. Allen, die sich in dieser Beschreibung wiedererkennen – herzlichen Glückwunsch!

Was soll ich sagen… ich bin keine dieser Mütter. Mir kommt es vor, als ob ich überhaupt gar keine Zeit mehr für irgendwas habe. Ich habe zwei Monate gebraucht, um ein Make-up Täschchen für meine Schwester zu nähen. Und unsere Osterdeko ist seit drei Wochen fertig – in meinem Kopf. Außerdem plane ich, seit  im Februar das Valentine’s Yarn Bombing so gut geklappt hat, ein kleines Oster-Street-Art-Projekt. Aber bisher habe ich es noch nicht mal geschafft, Eier zu kaufen. Außerdem hat gefühlt jedes meiner Kleidungsstücke Milchflecken. Naja, die, in die ich schon wieder reinpasse zumindest. Und das Chaos in unserer Wohnung… na gut, ich gebe zu, das hat nichts mit Lotta zu tun. Ich war schon immer unordentlich und werde es wohl auch immer bleiben.

Nicht, dass mich hier jemand falsch versteht – ich bin wirklich unglaublich glücklich und ich liebe Lotta über alles! Ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen. Aber es dauert einfach viel länger als ich gedacht habe, um ein bisschen Routine in den Alltag zu kriegen und sich die Zeit so einzuteilen, dass noch ein bisschen was übrig bleibt neben Kind und Haushaltspflichten (wieso hat mir eigentlich vorher niemand gesagt, wie unglaublich viel mehr Wäsche man auf einmal waschen muss?!). Es ist also unschwer zu erkennen, dass ich immernoch mitten im Projekt  „Sinnvolles und effektives Zeitmanagment“ stecke.

Erinnert ihr euch an meinen Plan, in Englisch und Deutsch zu posten? Ich hätte es besser wissen müssen. Es ist wahrscheinlich niemandem entgangen, dass meine letzten Posts nur auf Deutsch waren. Und obwohl ich liebend gerne weiter auch in Englisch schreiben würde – es ist im Moment einfach viel zu verlockend, einen Post einfach schnell auf Deutsch zu schreiben, ohne Suche nach der Übersetzung bestimmter Worte und ohne darauf warten zu müssen, dass mein Freund Korrektur liest.

Deswegen habe ich mich dazu entschieden, ab jetzt erstmal nur noch auf Deutsch zu schreiben. Der Großteil meiner Zeit wird einfach von meinem Baby beansprucht, das kann und will ich auch nicht ändern, deswegen ist das jetzt für mich die richtige Entscheidung. Und – „Change is good“, richtig?

I found this beautiful print on the internet recently and I guess I like it so much because this is something I really have to tell myself again and again and again at the moment. Because with a baby life changes. And no matter how much you promise yourself to not become one of „those mums“ – you will. Or at least, most of us will.

Of course there will always be this woman who lives her life like nothing has changed. She is super skinny just days, no, hours after giving birth, she never looks tired and of course, she is cooking a fresh and healthy meal everyday in her super stylish, clean and tidy apartment. After a couple of weeks she is joining her yoga / painting / sewing class again – probably all of them. And oh, by the  way, she is studying neuroscience / planning to run her own café / organizing a runway show in the evenings when her baby is sleeping. When the baby is awake, her or she is never screaming or spitting milk on her clothes, no, her baby is sitting well-dressed on her hip bone, smiling at everybody who is passing by while mum is having a latte macchiato (non-fat soy milk) and chatting with her model friends. If you are one of those mums – congrats!

I am not one of them. It seems like I don’t have time for anything anymore. It took me two month to sew a make up bag for my sister. And I’m planning the easter decoration for like three weeks now and I have an easter street art project in my head since I finished Valentine’s yarn bombing– but I didn’t even buy eggs yet. I feel like all of my clothes have stains of milk on it – even the ones coming straight out of the washing machine. And – no, wait. One thing I can’t blame the fact that we have a baby for is the mess in our apartment. I’ve always been messy and I guess I always will be.

Don’t get me wrong, I am still unbelievably happy to have Lotta and there is nothing nearly as important as her. I would never ever want to live without her again! But I’m still in the process of learning how to manage my time.

So remember my plan to post in English and German? I should have known better. You probably noticed that my last posts were just in German. I would still love to write them in English as well. But I have to admit that right now with a lack of time it is too compelling to quickly write a post in German without the extra time to search for words in a dictionary and without waiting for my boyfriend to re-read the post to eventually find mistakes.

So I decided to stop posting in English for now. I don’t want say that I won’t write in English ever again but right now I need most of my time for the sweetest baby girl ever, so this is the right decision for me. Because I feel like blogging shouldn’t be stress but fun! And – change is good, right?

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6 Kommentare

  1. Jules sagt

    Schöner Text! Es IST die richtige Entscheidung, und damit machst du unserer süßen, entzückenden Lotta das wertvollste Geschenk: deine Lebenszeit und ungeteilte Aufmerksamkeit! Gerade gestern habe ich einer Freundin geschrieben und ihr vorgeschwärmt, was für eine tolle Mutter du bist und dass ich es genauso machen würde, sollte ich selbst mal ein Baby kriegen. Und ich bin bereit für unendlich viele Babysitter-Stunden! :)

    • Ach mein Uhl, dankeschön, das ist so süß von dir! Da musste ich doch glatt ein bisschen mit den Tränen kämpfen ;-). Und na klar, wenn jemand auf Lotta aufpassen kann, dann du! Das nächste Konzert kommt bestimmt!

  2. Toller Text Johanna!
    Ja, es ist ja meist im Leben so, dass es anders kommt, als man es plant bzw vor hat.
    Ich finde es gut, dass Du so ehrlich bist und die Situation so refklektierst! Ich denke auch, dass man sich das überhaupt nicht selber vorstellen kann, so lange man nicht selber mal Mutter ist. Ich habe auf jeden Fall großen Respekt vor jeder Mama und ich finde es toll, dass ihr diesen Weg gegangen seid! Du machst das schon!

    • Danke, Danke, Danke, das ist so lieb von dir! Und du hast Recht, es kommt selten so, wie man es plant. Aber manchmal ist das ja im Nachhinein gerade gut. Mal sehen, wird schon. Aber danke für deine Unterstützung!

  3. Anne sagt

    Liebe Johanna,

    du sprichst mir aus dem Herzen!
    Ich befinde mich der annähernd gleichen Situation- nur ein Stück weiter Elbaufwärts in Dresden mit einer Tochter die Ende August 2012 geboren wurde.
    Über wieviele digitale Ecken ich auf deinen Blog gestoßen bin weiß ich schon gar nicht mehr (der mama-modus lässt einen solche Sachen eben ganz schnell vergessen…), aber ich möchte die Gelegenheit nutzen um dir zu gratulieren: du schaffst es noch einen Blog neben Baby und diversen Kreativprojekten zu schreiben…Sei stolz auf dich!
    Das sinnvolle und effektive Zeitmanagement habe ich auch noch nicht drauf. Und immer wenn ich glaube, es doch annähernd hinzubekommen, kommt es wieder anders….ein Zahn wächst, der Rest des Körpers auch; Breiproben verstopfen usw. Planen ist nicht und den von Omas, und selbst unseren Müttern heiß begehrten „Rhythmus“ halte ich, zumindest für das erste Jahr, nahezu für eine Unmöglichkeit- also gepflegt drauf pfeifen und das eigene Ding durchziehen. So komme ich jedenfalls gut durch meine Tage…
    Und danke, für die vielen tollen Inspirationen; der Häkelkorb wird zeitnah ausprobiert ;)

    Liebe Grüße aus Dresden,

    Anne

    • Liebe Anne,

      vielen, vielen Dank, es tut wirklich gut, zu sehen, dass ich offensichtlich nicht die Einzige bin, der es so geht! Ich sitze gerade im dunklen Wohnzimmer neben der Hängewiege, mit der ich Lotta in den Schlaf geschaukelt habe, lese deinen Kommentar und musste dabei unwillkürlich grinsen. Es ist einfach so wie du schreibst, irgendwas ist immer, es ist einfach nicht zu schaffen, alles durchzuziehen, was man sich so vornimmt für den Tag. Aber ich muss auch sagen, dass mir das immer weniger ausmacht. Klar gibt es Tage, an denen es mich dann doch wahnsinnig macht, dass ich wieder nichts geschafft habe, aber wenn ich so an Lotta denke, wie glücklich sie ist und wie viel sie lacht und wie süß sie ist, dann quillt mein Herz über vor Glück und Liebe und alles andere spielt eigentlich keine Rolle mehr. Und zu der Sache mit dem Rhythmus – da gebe ich dir vollkommen recht! Bei uns gibt auch Lotta den Rhythmus vor, ich glaube, das ist im ersten Jahr deutlich einfacher, als ihr unseren Zeitplan aufzuzwingen.

      Ich freu mich sehr, dass dir mein Blog gefällt, berichte mal, wie der Häkelkorb geworden ist!

      Viele liebe Grüße von Johanna

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