Das Leben Eben
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Life Update – Das Leben eben. Von einer Kündigung, mehr Gleichberechtigung und Familienzeit.

Life Update - Das Leben eben. Von einer Kündigung, mehr Gleichberechtigung und Familienzeit.

Sehr geehrter Herr Professor, 

nach einem knappen halben Jahr in Ihrer Klinik hat sich für meine Familie und mich gezeigt, dass die Arbeit im Schichtdienst nicht mit einem zufriedenstellenden Familienleben vereinbar ist, solange unsere Kinder noch so klein sind. Deswegen kündige ich zum Ende des Monats.

Mit freundlichen Grüßen, …

Irgendwann, in den ersten Wochen der Schwangerschaft mit Ella saß ich heulend auf unserer Küchenbank. Ich hatte 4 wahnsinnig anstrengende Tage hinter mir und konnte mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich solche Wochenenden mit noch einem Kind mehr meistern sollte.

Solche Wochenenden?

Solche Wochenenden bedeutet in dem Fall 4 Tage „alleine“ mit den Kindern. Weil André von Freitag auf Samstag einen 24-h-Dienst hatte und von Sonntag auf Montag noch einen 24-h-Dienst. Freitag und Sonntag alleine. Und weil man nach vierundzwanzig langen Arbeitsstunden erstmal schlafen muss und auch nicht wirklich zu irgendwas zu gebrauchen ist, auch Samstag und Montag so gut wie alleine.

Schnell war klar, so geht das nicht mit dreien. Und so wollen wir es nicht. Die Arbeitszeiten wurden zwar angenehmer, nachdem André auf eine 75%-Stelle reduziert hatte und „nur noch“ etwa 45 Stunden pro Woche in der Klinik war. Strukturelle und personelle Änderungen sowie der lange Fahrtweg machten die Zukunft in besagtem Krankenhaus dennoch zunehmend unattraktiv. Eine neue Lösung musste her.

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Neue Stelle, neues Glück?

Eine neue Stelle hatte André tatsächlich ziemlich schnell in Aussicht. Viel dichter, mit guten Aussichten und fordernder Medizin. Den Haken an der Sache, den wir in Kauf nahmen: Nachdem er vorher eine Intensivstation geleitet hatte, würde er nun erstmal als Assistenzarzt arbeiten. Zwar mit dem Gehalt eines Facharzt mit Berufserfahrung, dennoch insgesamt deutlich weniger. Egal, das würden wir schon hinkriegen. Ich könnte etwas mehr arbeiten und wir alle uns ein bisschen einschränken. Kalkuliert, überlegt, entschieden.

Nach zwei Monaten Elternzeit, in denen wir uns ordentlich zurecht ruckeln mussten, ging dann das „normale“ Leben weiter. Neues Krankenhaus und die Hoffnung auf mehr Zeit für die Familie.

Ernüchternd schnell merkten wir, dass der Satz, den der ärztliche Kollege am Hospitationstag so nebenbei fallen ließ, wohl mehr Wahres hatte, als uns lieb war.

„Mehr Familienzeit? Und da willst du hier anfangen? Die Oberärzte haben hier alle keine Familie mehr…“

Ob das wirklich stimmt oder nicht – nach 5 Monaten im neuen Krankenhaus wurde uns beiden klar und klarer: so gehts auch nicht. Überstunden ohne Ende, als Familie verbrachten wir so gut wie gar keine Zeit mehr zusammen. Wir zwei sahen uns auch kaum noch, hatten keine Zeit mehr Dinge zu besprechen, geschweige denn, mal Zeit miteinander zu verbringen. Auch ein nicht unerhebliches Argument – der geringere Verdienst. Der wirklich dafür sorgte, dass ich deutlich mehr arbeiten musste – das aber durch die vielen Überstunden und den Schichtdienst immer irgendwie in meinen Tagesablauf mit den Kindern quetschen musste.

Klar, ärztliche Maßnahmen müssen dokumentiert werden. Angehörigengespräche müssen geführt werden. Instabile Patienten müssen versorgt werden.  Da kann man nicht einfach sagen: tschüss, ich hab jetzt Feierabend, meine Familie wartet auf mich. Ich weiß das, ich kenne das. Dafür habe ich selbst lange genug im Krankenhaus gearbeitet.

Und ja – Texte schreiben, Nachrichten und Emails beantworten, klar, das kann ich theoretisch auch alles noch abends im Bett. Aber eben auch nur theoretisch. Weil auch meine Tage lang sind und auch ich irgendwann so müde bin, dass ich nicht mehr denken kann. Dann flutscht kein Text mehr einfach so, dann wird alles zur Quälerei. Dann wird alles anstrengend und die Stimmung schlecht.

Durchbeißen oder raus da?

Im letzten Monat, im sechsten Monat der Probezeit drängte sich immer häufiger der Gedanke auf, dass wir so nicht weitermachen konnten. Ich wollte nicht mehr ständig um meine Zeit zum Arbeiten kämpfen müssen. Ich wollte nicht mehr nur noch hören, wie André nachts um halb eins die Tür aufschließt, kurz bevor mir die Augen zufallen. Nur noch „Hallo Schatz“ und „Tschüss Schatz“ im Halbschlaf murmeln.

Life Update - Das Leben eben. Von einer Kündigung, mehr Gleichberechtigung und Familienzeit.

Ich wollte nicht mehr alles alleine machen, nicht mehr alleine für die Kinder zuständig sein, für den Haushalt und auch noch das „weniger an Gehalt“ ausgleichen müssen. Denn auch, wenn wir uns eigentlich so weit die Aufgaben um Kinder und Haushalt teilen – eigentlich geht halt auch nur, wenn man auch mal zuhause ist.

Wir haben so viel über die Situation geredet, wie es die knappe gemeinsame Zeit zuließ. Zum Glück waren wir uns sehr schnell sehr einig. Dieses Modell von Familie ist für keinen von uns das, was wir uns wünschen. Nicht das, was wir leben wollen. Nicht das, was wir unseren Kindern vorleben wollen.

Ein paar Jahre lang durchbeißen? Oder: was bereut man eigentlich am Ende des Lebens?

Natürlich haben wir auch die Option in Betracht gezogen, einfach durchzuhalten. Für die Karriere. Für das Gefühl, nicht „aufgegeben“ zu haben. Hin und her, für und wider haben wir diskutiert und besprochen. Uns Möglichkeiten und Szenarien ausgemalt. Was wäre wenn?  Es könnte so leicht sein und ist so schwer. Sicher ist nur – so wie jetzt geht es nicht, nicht mehr, nicht mehr lange. Es fühlt sich an, als ob die Umstände uns kaputt machen.

Den Ausschlag aber hat ein Gespräch gegeben das wir hatten, nachdem ich einige Tage in Dauerschleife Bosse gehört hatte. Alles ist jetzt und Ich bereue nichts. Ich weiß, ich weiß, den Namen Bosse kann der ein oder andere hier vielleicht schon nicht mehr hören. Aber niemand trifft so wahr immer zur richtigen Zeit die richtigen Worte, trifft den Nagel auf den Kopf und ganz tief ins Herz.

All we have is now

„Alles ist jetzt, einfach machen, einfach machen.“

Das habe ich schon zu meinem Motto für 2019 auserkoren. Noch tiefer treffen mich eigentlich immer, wenn ich sie höre, diese Textzeilen:

„Wenn ich in den Rückspiegel seh, sind da mehr Lacher als Tränen, ist da viel mehr Freude als Bullshit. Ich bereue nichts, ich bereue nichts…“ (Bosse, Ich bereue nichts)

Die Frage, die ich mir daraufhin immer wieder gestellt habe, war: Woran möchte ich mich erinnern, wenn ich sterbe? Möchte ich mich immer gefangen gefühlt haben? Gedacht haben „ich würde so gerne dies und jenes“, möchte ich bereuen, Dinge nicht getan zu haben?

Ein bisschen makaber vielleicht, aber einfach auch nicht ganz unrealistisch: wenn einer von uns krank würde, todkrank, sterbenskrank – wäre dies das Leben, das ich leben wollen würde, wenn ich wüsste, dass ich nur noch ein paar Monate habe? Möchte ich nicht auch lieber Freude statt Bullshit im Rückspiegel sehen?

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Die Entscheidung

Das entscheidende Gespräch also. Wieder auf der Küchenbank, Ella in meinen Armen. Wieder dieses hin und her, das Gefühl, hin und hergerissen zu sein, sich einfach nicht entscheiden zu können. Bis ich irgendwann genau das zur Sprache brachte. Meinst du wirklich, wenn wir sterben, bereuen wir es, nicht genug gearbeitet zu haben? Jeder, der mit sterbenden Menschen arbeitet, weiß, dass es nicht die Arbeit ist, die am Ende zählt.

Sondern das eine Wochenende am Meer jeden Monat. Der vier Wochen Auszeit, den man sich zum Reisen genommen hat. Die verbummelten Nachmittag gemeinsam mit der Familie, mit Eis und Spätsommersonne. Familienkuscheln vor dem Fernseher. Pizzapicknick im Wohnzimmer. Oder im Stadtpark. Grillen mit Freunden. Gemeinsame Abende. Mit Spielen, Filmen, Popcorn. Das Lieblingsbuch zum zehnten Mal lesen.

Dieses Gespräch, dieser Moment war es, in dem die Entscheidung fiel. Für eine Kündigung noch in der Probezeit. Für das Gefühl von mehr Selbstbestimmtheit, von etwas Freiheit und ja, auch mehr Geld.

https://www.pink-e-pank.de/2018/08/13/holter-holper-di-polter-stolper-sechs-wochen-zu-fuenft/

Wie geht’s weiter?

André hat gekündigt und wird ab März als Honorararzt arbeiten. Das heißt, in Kliniken die Dienste machen, für die klinikintern kein Personal zu finden ist. Auf Grund von Krankheiten, Elternzeiten, Mutterschutz, schlechter Personalplanung, whatever. Das ist natürlich eine Herausforderung, in vielerlei Hinsicht. Zum einen sind wir dann beide selbstständig, die Sicherheit eines festen Gehalts fällt also ein Stück weit weg (was auch der Grund dafür ist, dass ich im Moment mehr Kooperationen annehme als sonst, um uns einen kleinen Puffer zu verschaffen). Und es bedeutet für André, dass er kein festes Team mehr hat, jedes mal „der Neue“ ist. sich immer neu zurecht finden muss.

Auf der anderen Seite bedeutet es für uns deutlich mehr Flexibilität, weil wir den „Dienstplan“ selbst gestalten können. Und weil der Stundenlohn höher ist, sieht es bis jetzt nach deutlich mehr Zeit für uns als Familie aus. Oder nach mehr Gehalt. Je nachdem, was wir gerade mehr brauchen, können wir hier etwas variieren. Außerdem freue ich mich sehr darauf, unsere Arbeitszeiten und Aufgaben zuhause angleichen zu können. Denn um gleichberechtigteres Arbeiten – in Bezug auf Erwerbsarbeit und Care-Arbeit – ging es ja neben mehr Familienzeit und dem Gehalt auch.

Wir werden sehen, wie es die nächsten Monate läuft. Ich werde berichten, wie sich dieser neue Job entwickelt, ob er hält, was er verspricht. Bisher sieht es so aus, als ob das so klappen könnte, wie wir es uns vorstellen. Auf jeden Fall fühlt sich seit der Entscheidung zum ersten Mal seit Monaten das Leben wieder leichter an.

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26 Kommentare

  1. Ulrike sagt

    Wow, echt toll! Ich freue mich für euch – das hört sich nach einer guten und wichtigen Entscheidung an und ich wünsche eurer Familie von Herzen, dass es sich so entwickelt wie ihr es euch wünscht!! Eure Kinder sind nicht lange so „klein“, schon ganz bald sind sie groß und die Zeit kann man dann nicht zurückdrehen. Umso schöner, wenn ihr euch für mehr Zeit mit Familie entschieden habt ♥️

  2. Ich freue mich so für euch mit, dass ihr eine Lösung (wie auch immer sich der Alltag dann gestalten wird) für euch gefunden habt!
    Ihr seid so eine tolle Familie, ihr schafft das und seid damit ein ganz wunderbares Vorbild für viele Familien.

  3. Elisabeth R. sagt

    Ich wünsche euch ganz viel Glück und Erfolg, das alles so wird, wie ihr euch das vorstellt. Die Daumen sind gedrückt.

  4. Katharina sagt

    Es klingt nach einer guten Lösung, allein schon weil es die unbefriedigende Situation für euch verändert. Ich drücke euch allen die Daumen das es die richtige Lösung ist und ihr in 5 Monaten zurück schaut und „ich bereue nichts“ laut mit singen könnt! Mutig ist jeder Schritt der Veränderung bedeutet, erst recht mit Kindern !

  5. Laura sagt

    Liebe Johanna, du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich für euch freue! Wie schön, dass dein Mann das Problem genauso bewertet wie du und ihr gemeinsam an einem Strang zieht und einen gemeinsamen Lösungsweg geht.
    „Ich bereue nichts“ von Bosse ist eins der besten Lieder überhaupt. Beim Konzert habe ich laut mitgesungen – soweit das mein Tränen verstopfter Hals zugelassen hat. Er trifft das Gefühl so gut! Wie schön ist es doch, am Ende zu sagen „ich bereue nichts“.
    Ich drücke euch von Herzen die Daumen, dass dieser Weg der richtige für euch ist und ihr als Familie wieder zusammen wachst, und dir einiges an Last von den Schultern genommen wird. Ich fühl es so nach! Du bist nicht allein.. <3

  6. villa_wunder sagt

    Huhu Johanna, erst mal wünsche ich euch alles Gute für die Zukunft. Ich finde ihr habt eine sehr mutige Entscheidung getroffen. Obwohl ich alleinerziehend bin, habe ich den Luxus finanziell sehr gut dazustehen, Mittag nach Hause zu kommen, um mit meiner Pippilotta gemeinsam Mittag essen zu können und sie z. B. bei den Hausaufgaben unterstützen zu können und sie es nur die Vokabeln abzufragen. Hier gibt es aber auch immer Zeiten, in denen ich viel Arbeiten muss. Das bedeutet dann tatsächlich die ein oder andere Nachtschicht. 😳🙈 Das nehme ich tatsächlich in Kauf, weil ich die finanzielle Absicherung und gleichzeitig einen geregelte Arbeitszeiten brauche. Ich bewundere alle, die den Schritt in die Selbstständigkeit gehen. Ich drücke euch die Daumen, dass sich euer Wünsche und Vorstellungen erfüllen. Liebe Grüße villa_wunder

  7. Mone Caspritz sagt

    Oh jaaaaa! Uns hing es vor 6 Jahren ganz genau so! Allerdings haben wir den komplet Ausstieg gewählt und sind mit Sack und Pack nach Neuseeland gezogen und was soll ich sagen….Es war die wohl beste Entscheidung unseres Lebens denn hier geht Thomas um kurz vor 8 aus dem Haus, kommt mittags meist nach hause und abends ist er wenn es spät ist um 19 Uhr da. Dienst ist alle 6 Wochen ein ganzes Wochenende und einmal in der Woche 24h wobei er da auch ganz normal zu hause ist am Abend und nur im Notfall nochmal rein muss. Wir haben zwar das Leben in einer Großstadt eingetauscht gegen eine Kleinstadt aber wir lieben es hier und kommen gaaaaanz sicher erstmal nicht wieder zurück. Entspannte Grüße aus dem sonnigen Timaru

  8. Bella sagt

    Wie schön, dass ihr diese Entscheidung für euch treffen konntet! Das wird bestimmt richtig gut. Die Freunde, die ich kenne, die als Honorarärzte arbeiten sind soooo zufrieden…
    Glückwunsch zu dieser Entscheidung!

  9. mamaste sagt

    Finde ich so toll das ihr gemeinsam eine Lösung gefunden habt und diese auch dirket in die Tat umsetzt. Wie spannend! Und sicher erstmal entlastend…

  10. Hallo liebe Johanna, ich schließe mich den anderen Mädels an und freue mich sehr über eure Lösung und wünsche euch einen geebneteren Weg mit ganz viel Zeit als Familie und viel Erfolg im Job!

    Ich freue mich auf viele weitere Storys und genießt jetzt die Mehrzeit für euch 5.❤
    Alles Liebe, Dani

  11. Sunatuerlich sagt

    Ich finde es großartig, dass ihr so entschieden habt. Die Zeit gibt einem niemand wieder zurück und die kleinen werden so schnell groß ♥️ Ich weiß, wie es dir ergangen ist, bei uns ist es genauso.

  12. Ich freue mich sehr für euch und wünsche euch von Herzen, dass sich alles so entwickelt, dass es für euch passt. Ihr traut euch, um eure Träume zu kämpfen und die bestmögliche Lösung für die ganze Familie zu finden. Und das werdet ihr. Danke fürs teilen. Deine Ehrp stößt immer wieder ein paar denkenswerte Gedanken bei mir an und auch wenn unsere Situation eine ganz andere ist, glaube ich, dass ihr vielen Mut macht, ihren ganz eigenen Weg zu gehen ❤️💪😘 liebste Grüße Maike

  13. Pingback: Herz/Kopf/Blog: Hosen runter, Frau Piepenkötter! | frau-piepenkoetter.de

  14. Gaby Reinhardt sagt

    Sehr vernünftige Entscheidung und mutig zugleich. Man lebt nur einmal und alles was das Bauchgefühl sagt, ist immer eine gute Entscheidung. Alles Gute Euch 5 👍

  15. Schön, dass ihr so mutig seid! Ich wünschè Euch, dass alles so wird wie ihr euch das vorstellt. Es bleibt spannend! LG Anja

  16. Julika sagt

    Ich freue mich so sehr für euch! Eine tolle, mutige und ich glaube sehr richtige Entscheidung! Freut Euch auf das was da kommt. Alles Liebe, Julika

  17. Christine sagt

    Liebe Johanna, dein Text hat mich sehr berührt. Das Gefühl sich für das zu entscheiden was ich am Ende des Lebens nicht bereuen werde wiegt manchmal so schwer – und manchmal doch so leicht. Zu wissen was man eigentlich will und das auch wirklich umsetzen zu können, empfinde ich aber als große Herausforderung. Sehr wertvoll wenn beide Partner sich einig sind und gemeinsam daran arbeiten. Es scheint ja euch beide auch gleichermaßen belastet zu haben, die Familie so wenig zu sehen stelle ich mir sehr schwer vor (und für die Kinder erst)
    Ich freue mich für euch, dass es sich jetzt etwas leichter anfühlt und drücke euch die Daumen dass es auch wirklich besser wird! Ich fühle mich sehr inspiriert von deinem Text und muss jetzt mal ein bisschen Bosse hören gehen, vielleicht komme ich ja auch zu einer Lösung die sich für mich etwas leichter anfühlt.
    Ganz lieben Gruß, Christine

  18. Sanne sagt

    Ich freue mich für euch, dass ihr diese Entscheidung getroffen habt.
    Für mich wird am April auch ein neuer Lebensabschnitt anfangen. Ich höre nach fast 21 Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber auf und werde in einer neuen Branche anfangen.
    Ich bin schon sehr aufgeregt, freue mich aber schon sehr darauf.
    Ich wünsche euch alles Liebe und Gute und freue mich schon auf eure weiteren Berichte eures Lebens.
    Liebe Grüße, Susanne

  19. Liebe Johanna,
    ich habe deinen Post heute zum zweiten Mal gelesen und auch meinem Freund davon erzählt. Zu allererst freue ich mich natürlich, dass ihr eine Entscheidung getroffen habt, mit der es euch gut geht. Egal ob Bauchgefühl oder lange drüber nachgedacht, wenn ihr meint, das ist euer Weg und euch geht es besser so, dann hat diese Entscheidung auch niemand zu verurteilen oder beurteilen – meiner Meinung nach. Ich selbst stehe noch am Anfang meines Berufslebens, mein Freund ist schon drin und wir reden oft über die Zukunft und wie wir uns ein Familienleben mit unserer Arbeit vorstellen. Fest steht aber schon für uns, „das eine Wochenende am Meer jeden Monat oder die vier Wochen Auszeit, die man sich zum Reisen genommen hat“ werden wir uns nicht herausnehmen können. Denn, mal Hand aufs Herz, wer kann das finanziell und beruflich schon? Unsere Eltern mit uns nicht und wir werden uns das auch nicht (mit unseren Kindern) erlauben können – vier Wochen sind schließlich fast ein ganzer Jahresurlaub und die Kosten für die Wohnung und alles weitere laufen dann weiter. Nennt man es wirklich „Auszeit“ müsste dafür wohl der Job gekündigt werden? Auch nicht so das Wahre, wenn der einem Spaß macht. Wenn Kinder im Spiel sind, ist man auf die Ferien angewiesen und auch dadurch wird es teurer. Versteh mich nicht falsch, so wie du deine Vorstellungen beschreibst, wären auch meine perfekten Vorstellungen von unserer Zukunft. Die Realität sieht, denke ich, aber anders aus. Unsere Arbeitgeber (die ihr ja als Selbstständige nicht wirklich habt, ich weiß) würden uns sicher einen Vogel zeigen, genauso wie das Portmonnaie. Und wenn wir dann vor und nach diesen vier Wochen durcharbeiten müssten, bis das Jahr zu Ende ist, sind wir wahrscheinlich richtig durch – wie jeder andere wohl auch. Ich finde eure Entscheidung mutig, erst recht, weil sie nicht nur euch beide, sondern eben auch eure Kleinen betrifft. Und ich möchte sie nicht be- oder verurteilen, das steht mir nicht zu. Aber ich kenne niemanden, der diese Vorstellungen, wie du sie hast und wie ich sie auch hätte, wenn die Umstände anders wären, verwirklichen konnte oder könnte. Und ich kann mir vorstellen, wer als Honorararzt arbeitet, bekommt noch mehr Nachtschichten oder eben die Arbeiten „reingedrückt“, für die nicht nur kein Personal da ist – aus welchen Gründen auch immer – sondern auch zu denen kein festangestelltes Personal Bock hat. Das wäre zumindest meine Erwartung daran, aber ich hoffe natürlich für euch, dass es genau das Gegenteil ist und sich alles für euch so entwickelt, wie es gut für euch ist.
    Also alles erdenklich Gute für dich und deine Familie. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Liebe Grüße, Kimberly

    • Johanna sagt

      Liebe Kimberly,

      vielen Dank für deinen langen und ausführlichen Kommentar. Ich bin da ehrlich gesagt sehr viel optimistischer als du, was das finanzielle und auch die Zeit angeht. Ein Wochenende am Meer heißt ja nicht automatisch immer 3 Tage, 2 Übernachtungen. Klar, das geht ins Geld. Ein Wochenende am Meer kann auch mal nur ein langer Tag sein. Oder zwei Tage, mit Übernachtung im Zelt. Mit Übernachtung im von Freunden geliehenen Wohnwagen. Oder Airbnb. Und 4 Wochen Auszeit – die nimmt doch mittlerweile fast jeder irgendwann mal. Sei es in Form von Elternzeit, sei es zwischen zwei Jobs oder eben der Jahresurlaub geballt oder schlau gelegt. Es gibt so viele Möglichkeiten, zum Beispiel für die Wohnung Wohnungstausch. Geht auch für Urlaub in anderen Ländern.

      Und die Befürchtungen zu den Honorararztdiensten kann ich nachvollziehen – aber man kann sich ja frei aussuchen, welche Dienste man annimmt und welche nicht. Man muss keinen Nachtdienst machen, wenn man keine Lust hat. Oder man macht nur 24 Stunden Dienste. Oder eben nur Tagdienste. Das ist das Schöne daran. Wir sind zum ersten Mal in unserem Leben als Familie eigentlich so richtig flexibel. Wir können sagen: hey, für die 4 Wochen Auszeit brauchen wir noch mehr Geld, es müssen noch zwei Dienste mehr in diesem Monat sein.

      Ich glaube, das wird gut. Und wenn nicht, glaube ich, dass wir einen anderen Weg finden werden. Danke, dass du dir Gedanken machst, liebe Grüße, Johanna

      • Ich habe jetzt schon öfter gelesen, dass Johanna für ihren „privilegierten“ Lebensstil kritisiert wurde und auch (finanzielle) Freiheiten hat, die sich wirlich nicht jeder erlauben kann. Aber der Traum von „jeden Monat ein Wochenende am Meer“ oder „4 Wochen Auszeit“ halte ich jetzt für überhaupt nicht unrealistisch und glaube, dass sich das wirklich JEDER mal erlauben kann. Meine Kollegen und Kolleginnen mit Kindern haben in den Sommerferien alle mindestens 3 und manchmal sogar 4 Wochen Urlaub. Einfach auch, weil es aufgrund von der Betreuungssituation nicht anders geht. Das is doch überhaupt nichts ungewöhnliches. Klar, fahren die nicht alle für die Zeit in Urlaub, aber man kann eine „Auszeit“ ja auch zuhause nehmen. Zelten im Garten oder auf dem Balkon, Matratzenlager im Wohnzimmer, Besuch bei Oma&Opa….
        Wir wohnen hier direkt an der holländischen Grenze und mein Plan ist es auch, wenn ich mal Kinder habe, mit ihnen sooft es geht zum Meer zu fahren. Zur Not auch ganz früh morgens hin und spätabends wieder zurück. Das kostet mich doch nur ein bisschen Spritgeld, Geld für eine große Portion Pommes und ein riesen Eis. ;-)
        Ich finde, man sollte das alles nicht so schwarz und überall ein „aber“ sehen. Ich drücke auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass alles so klappt, wie geplant. Und falls nicht, gibt es sicher auch dafür eine Lösung.

  20. Barbara sagt

    Liebe Johanna,
    genau so ist es! Weniger Überstunden und Pendelei, dafür mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Das hat uns vor drei Jahren dazu veranlasst, zwei feste Vollzeitjobs zu kündigen und ohne neue Jobs in Aussicht nach Schweden zu ziehen. Einfach machen, einfach machen. Heute sind wir beide erfolgreich selbstständig.
    Das wird bestimmt großartig werden bei euch! Auf eine tolle Zeit!

  21. Silke sagt

    „Alles ist jetzt“ …das ist auch mein Lebensmotto für 2019! Bosse hat mich mit dem Song auch ein Stück ermutigt! Ich habe für mich nach 20 Jahren Zahnarzthelferin entschieden einen neuen Weg einzuschlagen. Etwas aufzugeben was gut war, aber etwas anzufangen was mich fordert, was auch mehr Geld bringt. Etwas was mich neu erfüllt. Aber auch das habe ich mit meinem Mann besprochen…wir sind zu Viert und müssen uns auch ernähren und möchten mit unseren Mädels ( 6 & 8 Jahren) etwas erleben. Das Risiko einzugehen etwas aufzugeben wo alles gut ist, für etwas Neues, mit Probezeit, mehr Fahrtzeit und neuem Wissen aneignen und neuen Kollegen, einem großen Krankenhaus wo vorher eine kleine Praxis war, war da, ist nach 2 Monaten noch etwas da. Aber ich bin gut, sehr gut aufgenommen worden! Fühle mich wohl. Habe mehr Freiheiten ( bin nicht mehr an den Praxisurlaub gebunden) und mir macht die Arbeit Spaß! Also was kann passieren? Wir leben jetzt! Eine Diagnose kann ein ganzes Leben verändern…und am Rande, Ärzte werden händeringend gesucht.
    Ich wünsche euch das ihr mehr Familienzeit bekommt und das Andre sich wohl fühlt dabei. Und das das Geld auch stimmt :)
    Sei lieb gegrüßt, Silke

  22. Nicolas sagt

    Hallo,

    ich sehe es zwar wie du, aber ihr lebt im relativen Luxus und als Arzt hat man eine recht hohe Sicherheit auch als selbstständiger und zudem ein hohes Einkommen, man kommt auch wieder rein in dem Betrieb zumal ja ohnehin nicht jeder oberarzt wird und das auch nicht bereut.

    Wenn ihr euch nicht einschränken müsst, gut, finde auch freizeit und glück gehen vor Arbeit aber diese Theatralik in deinem Artikel stösst mir dann doch ein bisschen sauer auf in Anbetracht der Möglichkeiten die ihr habt unf des Niveaus auf dem ihr euch bewegt.

    Hoffentlich läuft’s.

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