Kinderkram
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Kinderliebling Conni. Und die Frage: Wann flippt da endlich mal jemand aus?

Conni Pixi Bücher im Bücherregal im Kinderzimmer

Fast jeder kennt sie: Conni Geschichten im Pixi Format. Die Kinder lieben sie, viele Eltern würden einiges dafür geben, die heile Welt Geschichten nicht täglich vorlesen zu müssen. Ein Blick auf die Rollenverteilung der Eltern, die Antwort darauf, ob und als was Connis Mama eigentlich arbeitet und die große Frage: Wann flippt da endlich mal jemand so richtig aus?

Eine Hassliebe – heile Welt und klassische Rollenverteilung

Conni, das kleine blonde Mädchen mit der Schleife im Haar. Conni, die backen lernt, reiten und die Uhrzeit. Die das Seepferdchen macht, in den Kindergarten oder die Schule kommt. Bei der es nie Streit gibt, nur eine Mama, die zu müde ist oder zu viel zu tun hat, um mit ihr zu backen.

Mit Conni verbinden viele Eltern eine Hassliebe – denn Conni schafft am Ende immer alles, ihre Welt ist immer heil und rosarot. Conni soll so sein wie unsere Kinder. Angeblich. Denn Conni sitzt nie eine halbe Stunde lang auf dem Boden und brüllt, weil nur falsche Schuhe im Schrank stehen, sie ihre Puppe nicht findet oder die Lieblingsmütze in der Wäsche ist.

Und Connis Mama ist nie am Limit, brüllt mit Fratzengesicht und Sprühspucke, weil sie sich so sehr ärgert, dass sie für einen Moment die Kontrolle verliert und sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Außerdem ist sie immer zuhause, es wird noch das klassische Rollenbild gelebt und dadurch zum Vorbild. Connis Mama bringt sie zum Reiten und in den Kindergarten und holt sie auch wieder ab. Fußball geschaut wir mit Papa – und danach kann Conni Mama erklären, was Abseits ist. Einkaufen geht Conni auch. Mit Mama natürlich.

Klassische Rollenverteilung bei ConniConni hilft Mama – beim Staubsaugen*. Und Papa beim Gärtnern. Das ist zwar in den Köpfen nicht ganz so typisch „Männersache“ wie Löcher bohren und Autoreifen wechseln, aber es vermittelt doch ein Gefühl. Dass Mama für die klassische Hausarbeit zuständig ist und Papa, wenn er denn mal zuhause ist, netterweise im Garten die Blätter harkt. Den Garten schmeißt Mama vermutlich sonst auch noch alleine – sie ist schließlich die ganze Zeit zuhause. Oder?

Arbeitet Connis Mama eigentlich?

Gestern war ich zu einem Event im Carlsen Verlag eingeladen. Es gab Vorträg über Themen rund ums Buch, lesen und den Verlag. Unter anderem hat die Lektorin der Conni Bücher einiges zur Entstehungsgeschichte erzählt, dass Conni ursprünglich als Gegenentwurf zur antiautoritären Erziehung entworfen wurde und ich habe neu erfahren, dass es sogar Geschichten rund um Conni für das Alter ab 12 Jahren* gibt.

Im Anschluss haben wir ein bisschen diskutiert. Darüber, warum Conni Geschichten von vielen Eltern so gehasst werden, von den Kindern aber so sehr geliebt, dass die Geschichten rauf und runter vorgelesen werden müssen, immer und immer wieder.

Wir konnten mal zurückmelden, was uns an den Geschichten stört und was wir uns wünschen würden. Fragen stellen, Themen vorschlagen. Das kann übrigens jeder, wenn ihr Themenwünsche habt, schickt einfach mal einen Brief oder eine Email an den Verlag.

Conni Geschichten - warum hassen Eltern sie eigentlich so sehr?

Außerdem, und das fand ich wirklich spannend, haben wir erfahren, dass Connis Mama Kinderärztin ist. Ob sie allerdings in irgendeinem der Bücher auch wirklich mal arbeiten geht, ist offen geblieben. Vielleicht ist sie einfach noch in Elternzeit? Oder sie hat sich gegen den stressigen Krankenhaus- oder Praxisalltag entschieden. Ich fände eine Conni Geschichte, in der das thematisiert wird, toll. Eine Geschichte, in der Mama mal morgens aus dem Nachtdienst kommt und Papa Conni in den Kindergarten bringt. In der es ganz normal ist, dass Mama auch arbeitet.

Frischer Wind bei Conni

Vielleicht gibt es tatsächlich bald solche Conni Geschichten. Denn der Verlag wählt, gemeinsam mit der Autorin, alte Manuskripte aus, die überarbeitet, angepasst und in der neuen Version veröffentlicht werden. Zum Beispiel gibt Connis Mama sie in der alten Geschichte* „Conni kommt in den Kindergarten“ einfach am ersten Tag in der Kita ab und geht. Das fand nicht nur ich befremdlich, sondern auch meine Kinder. Sie haben sofort nachgefragt, warum die Mama nicht bleibt, dass kennen sie schließlich aus ihrer eigenen Erfahrung anders.

In der neuen Kindergarten Ausgabe*, die im August diesen Jahres erschienen ist, gibt es eine Eingewöhnung und zum Beispiel auch ein Inklusions-Kind.

Eins der neuen Conni Bücher heißt übrigens auch „Conni ist wütend„*. Gelesen hab ich das Buch noch nicht, aber laut der Beschreibung geht hier auch einfach mal bei Conni alles schief. So, wie es im normalen Leben an manchen Tagen eben einfach ist.

Conni nicht nur als Buch, sondern auch als Hörspiel auf dem Tonie

Diese Anpassung ist absolut notwenig und gut. Ich finde es super, dass der Verlag und auch die Autorin diesen Schritt gehen und dadurch Themen, mit denen wir alltäglich zu tun, vielleicht zu kämpfen haben, in den Conni Geschichten statt finden. Für meinen Geschmack könnten insgesamt auch mehr „schwierige“ Bereiche des Lebens thematisiert werden. Klar, Conni soll sowas wie eine gute Freundin sein, die alltägliche Situationen erlebt, die unsere Kinder genau so oder ähnlich erleben.

Darf es bei Conni auch mal traurig werden?

Aber dieser Alltag wird nunmal auch durchbrochen von traurigeren Ereignissen. Geht Conni nie auf eine Beerdigung? Lassen sich vielleicht die Eltern von Connis Freunden scheiden? Streiten Connis Eltern vielleicht auch mal? Bekommt niemand aus der Familie oder von den guten Freunden Krebs?

Wir werden hier auf jeden Fall weiter die Geschichten lesen, denn, auch das war ein Satz, der beim Event fiel: Die Bücher sind für die Kinder. Und in vielen Situationen begleiten die Conni Geschichten den Alltag und die Erlebnisse der Kinder sehr gut, finde ich. Außerdem braucht Veränderungen auch Zeit. Und Arbeit.

Kinderbuch Conni lernt reiten

Ich will mal unterstellen, dass es selbst in „unserer“ Generation, die wir jetzt kleine Kinder haben, immer noch zu Rollenkämpfen kommt. Nein, ich will es nicht unterstellen, ich weiß es. Klar, viele Mütter gehen arbeiten, aber es kommt oft zu inneren Kämpfen bei den Müttern und zu Kämpfen zwischen den Eltern. Wer ist für was zuständig, wer hat eigentlich welche Rolle? Vielleicht ist es deswegen auch so schwierig, die Rollenverteilung in Büchern anzupassen?

Themenvorschläge für neue Geschichten

Die Entwicklung der Conni Geschichten zu beobachten finde ich äußerst spannend, muss ich sagen. Zu sehen, welche Themen relevant genug sind, um thematisiert oder angepasst zu werden. Ich hab mir mal Gedanken gemacht, welche Themen ich spannend fände:

  • Tod/Beerdigung
  • Scheidung
  • Krankheit
  • Patchworkfamilien
  • Gleichgeschlechtliche Eltern
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Mama arbeitet/Papa bleibt zuhause
  • Arbeitslosigkeit
  • häusliche Gewalt
  • Geldsorgen
  • unterschiedliche Religionen
  • alltägliche Streitereien

Fast nur „düstere“ Themen, merke ich gerade. Das sind dann vielleicht nicht die Bücher, die man abends vor dem einschlafen liest, aber ich merke, dass mit fast 5 Jahren bei meiner Tochter zumindest schon auch Interesse an eher „schwierigen“ Themen besteht.

Welche Themen würden euch denn so interessieren? Findet ihr es auch gut und notwendig, dass die Geschichten überarbeitet werden oder gefällt euch Connis heile Welt ganz gut, gerade jetzt, wo die echte Welt geprägt ist von Terror, Naturkatastrophen und politischem Umschwung? Ich bin gespannt!

 

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