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Zum ersten Mal… Kastanien sammeln

Kastanienblatt
Zum-ersten-Mal -Momente hat man als Erwachsener nicht mehr allzu viele. Klar gibt es immer mal wieder welche, wenn man einen neuen Job anfängt, in ein fremdes Land reist oder in eine fremde Stadt zieht, aber die alltägliche Dinge und Momente kennt man in der Regel.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man mit dem ersten Kind schwanger ist. Schon in der Schwangerschaft fangen sie an, magische Zum-ersten-Mal-Momente. Zum ersten Mal das Herz auf dem Monitor des Ultraschallgerätes schlagen sehen, zum ersten Mal der Familie und den Freunden vom Baby erzählen, der erste Tritt, die erste Geburt, zum ersten Mal Stillen, zum ersten Mal echte Sorgen um das eigene Kind, die erste durchwachte Nacht mit Kind auf dem Arm – von schön bis furchtbar ist alles dabei. Und es hört einfach nicht auf – vor ein paar Wochen hatten wir wieder einen dieser Momente, auf den ich mich schon gefreut habe, seit ich mit Lotta schwanger war: zum ersten Mal Kastanien sammeln!

Los geh’ts zum Kastanien sammeln

Mit geflochtenem Weidenkörbchen, das wir vorher aus dem Keller geholt haben (und selbst das war schon ein Abenteuer) sind wir vor ein paar Wochen losgezogen, um „Tanien“ zu sammeln. Ich find’s einfach toll, die Jahreszeiten mal wieder so bewusst zu erleben, zu erklären, Dinge zu entdecken und zu sehen, wie Lotta sich über jede Eichel und Kastanie, die sie am Wegesrand findet, freut. Denn irgendwie ist es ja so, dass man als Erwachsener auf solche Kleinigkeiten, die man kennt und immer wieder sieht, nicht mehr achtet. Klar hab ich auch jedes Jahr die erste Kastanie, die irgendwann zufällig vor mir auf dem Boden lag, aufgehoben und in meine Jackentasche gesteckt. Da habe ich sie dann Wochen später, schon ein bisschen verschrumpelt, wiedergefunden und mich gefreut.Kastanienbaum

Ein Korb voller Kastanien

Aber dieses Jahr habe ich, zusammen mit Lotta und ihrem Weidenkörbchen, wieder richtig Ausschau gehalten, nach den schönsten Kastanien von allen, nach kleinen und großen, nach denen, die am schönsten glänzen und solchen, die sich noch in ihrer stacheligen Schale verstecken.Kastanien sammelnWir haben gesucht, untersucht, entdeckt und gesammelt, an den unterschiedlichsten Orten. Und ich konnte mich plötzlich wieder daran erinnern, wie viel Spaß es macht, eine richtig frische Kastanie aus ihrem Stachelpanzer zu befreien und wie schön sich dieser glatte, glänzende Kern in der Hand anfühlt.

Und wusstet ihr, dass die Stachelhülle von innen ein bisschen nach Apfel riecht? Ich nicht. Ein richtig echter Zum-ersten-Mal-Moment, auch für mich.

Kastanien sammeln 2Kastanien sammeln in der SchanzeKastanien sammeln unterm AutoKastanien sammeln 3Natürlich haben wir nicht nur Kastanien gesammelt, sondern uns auch angeschaut, welche Blätter eigentlich zum Kastanienbaum gehören, wir haben Blumenwiesen hinter Zäunen bestaunt und wir haben zugehört, wie es klingt, wenn Kastanien auf Autodächer knallen – das Geräusch kennen wir jetzt ziemlich gut, unter den Bäumen standen ziemlich viele parkende Autos (wir haben also nicht noch werfen geübt, nur mal so am Rande).Lotta am ZaunAusbeute vom Kastanien sammelnDieser Nachmittag war wirklich einer der schönsten des Jahres – und das, obwohl es gleichzeitig für mich einer der ersten Tage alleine mit zwei Kindern war.

Mit den Kastanien noch zu basteln, haben wir allerdings bis heute nicht geschafft – aber wir müssen uns ja auch noch „zum-ersten-Mal-Momente“ für nächstes Jahr aufheben.Korb mit KastanienHabt ihr schon Kastanien gesammelt dieses Jahr?

 

9 Kommentare

  1. Ach wie schön :)
    Ich hab in diesem Jahr schon mit unserem kleinen Neffen gesammelt. Der ist richtig begabt und bastelt kleine Streichholztierchen daraus ;)

  2. also hier ist die Kastanienzeit schon so 6-8 Wochen vorüber, gesammelt habe aber auch ich alter Ochse wieder :-)
    Das mit den ersten Malen stimmt, habe mir für 2014 vorgenommen jeden Tag min. 1 Sache neu zu erleben/auszuprobieren/hören/sehen/durchdenken (und dies auf meinem Blog auch zu dokumentieren) und muss sagen: es ist unfassbar einfach!

  3. So schöne Bilder und dein Text dazu ganz wunderbar. Wieder einmal eine schöne Erinnerung die kleinen Dinge (auch ohne Kinder) bewusst wahrzunehmen und sich zu freuen.
    Habt eine wunderschöne Woche, liebste Grüße
    Eva

    • Johanna sagt

      Nee, das wusste ich tatsächlich noch nicht. Dann hab ich ja ein ganzes Glas voller Glück hier stehen, das ich verschenken kann, super! :-)

  4. Die Stachelhülle riecht nach Apfel? Das ist mir noch nie aufgefallen :-)
    Dein Beitrag gefällt mir sehr und die Fotos sind so schön! Es ist toll zu sehen, wie neugierig und begeistert Lotta beim Kastaniensammeln dabei ist!
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Johanna sagt

      Ja, witzig, oder?
      Schön, dass der Post dir gefällt, das freut mich sehr!
      Liebe Grüße!

  5. Liebe Johanna,

    was für ein wunderbarer Beitrag! Die Bilder sind wunderschön, deine kleine Maus herzallerliebst und du hast einen sehr schönen, melancholisch frischeversprühenden Text verfasst! Eine schöne Mittwoch-Morgen Lektüre, die mir den düsteren Herbst ein wenig versüßt! Danke :-)

  6. Silke sagt

    Hallo Johanna,

    Genau diese Momente hab ich dieses Jahr auch wieder erlebt – Als ich zum ersten Mal mit meinem 1 1/2 jährigen Enkelsohn Kastanien sammeln war. Einfach nur wunderschön!

    Und ich kann sagen, es ist sogar noch intensiver als mit meiner Tochter damals.
    Ich glaube das liegt daran, dass man je älter man wird, umso mehr hat man gelernt solche Momente zu schätzen. Ich freue mich auf jeden Moment, den ich mit diesem kleinen Goldschatz verbringen kann.

    Liebe Grüsse
    Silke

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