Das Leben Eben
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Tschüss Laden, Hallo Leben.


„Das Leben besteht aus Ausprobieren.“

Jemand völlig Fremdes, der nichts von meinem „Ich-will-alles-und-zwar-sofort-Strudel“ der letzten Jahre wusste, hat diesen Satz letztens  zu mir gesagt, als er sich den Laden anschaute und wir so drüber plauderten, warum an meiner Ladentür „Bis auf weiteres geschlossen“ steht.

Bis auf weiteres bedeutet in diesem Fall, man kann es sich denken, für immer. Den stationären Laden zum PinkepankShop zu schließen, ist mir nicht leicht gefallen, aber als die Entscheidung erstmal feststand, hab ich mich urplötzlich wieder lebendig gefühlt. Seitdem ist der Laden auch einfach zu und wenn ich die Straße überquere, denke ich plötzlich nicht mehr: „Wenn ich jetzt angefahren werde, hätte ich wenigstens eine Entschuldigung für eine Pause“.

Pinkepank - Der Laden

Reality hits you hard sometimes

Ja, auch wenn es hart ist, manchmal muss man der Realität ins Auge sehen und sich eingestehen, dass man sich verrannt hat. In eine Idee, in einen Traum. Man muss kalkulieren, ob es das wert ist. Auf geschäftlicher Ebene, finanziell gesehen. Und auch auf privater Ebene, auf meine Familie bezogen und auch auf mich selbst.Interior Kinder Concept Store mit Tinycottons, Gretas Schwester, Minimalisma, Macarons, Fabelab, Anny Who und Luckyboysunday

Der Traum vom eigenen Laden

Es war immer mein Traum, einen eigenen kleinen Laden zu haben, umgeben von lauter Dingen, die ich liebe, eine Alternative zu bieten zu Bärchenprints, schöne Outfits für Kinder zusammenzustellen, zu beraten und weiterzugeben, wofür ich brenne.

Ich brenne immer noch, für außergewöhnlich schöne Stoffe, für gute Verarbeitung und Qualität, für Dinge, die man wirklich braucht und für Kleidung, die manchmal vielleicht nicht praktisch ist, aber die Kindern einfach Spaß macht. Für schöne Accessoires, für Muster- und Material-Mix, für’s Detail.IMG_6036concept Store mit Mini Rodini, Gretas Schwester, Fabelab und VitraWickeltaschen und Clutches von Mara Mea im Kinder Concept Store in HamburgIch brenne für die Outfits, die ich erstelle und für die Labels, die ich auswähle.

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Aber. Ich merke, dass ich dieses Pensum nicht (mehr) alleine bewältigen kann und, wenn ich einfach mal knallhart ehrlich bin – es ist nicht so, dass dieses Business verdammt viel Kohle abwirft. Einigen bringt so ein Onlineshop für Kinder natürlich doch das große Geld, ich glaube, es gibt einige, die es etwas klüger angegangen sind als ich. Das hab ich früh erkannt, trotzdem hat einfach jede liebevoll von Hand gepackte Bestellung kaum Raum gelassen, die Richtung zu ändern.

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Und es gibt einfach zu viele Dinge, für die ich nicht brenne und für die ich mich auch nicht ansatzweise erwärmen kann. Technische Probleme. Immer und immer wieder. Falsche Lagerbestände, trotz sehr penibler Inventur. Andere Shops, die sich einfach partout nicht an Regeln halten. Zu sehen, wie viele Dinge schief gehen können, wenn man ein Paket verschickt. Neues zu entdecken, sich zu freuen, dass es noch niemand anders hat – und es zwei Wochen später bei der Konkurrenz entdecken. Weil sie einfach besser aufgestellt sind, finanziell, personell. Andere Shops, die mich erst überall schlecht machen und dann so dreist kopieren, dass ich ständig drauf angesprochen werde. Der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten. All das hat in Kombi mit meinem Anspruch an mich als Mutter und unserem Anspruch an ein Familienleben einfach nicht mehr gepasst.

Teddy MalbücherKinderkissen von Fabelab im Kinder Concept Store in HamburgDas könnte ich jetzt bedauern, ich könnte weinen und mich bemitleiden. Und natürlich denke ich auch manchmal: Schon wieder versagt, was kannst du eigentlich? Jetzt musst du vor über 40.000 Menschen auf Instagram zugeben, dass du es nicht schaffst. Du kriegst doch auch nichts auf die Reihe.

Mut beweisen statt immer die Frage: Was wäre gewesen wenn?

Und dann denke ich mir: doch. Ich krieg eine ganze Menge auf die Reihe. Ich traue mich. Ich traue mich, Dinge auszuprobieren. Ich traue mich, zu scheitern. Und das nicht nur vor Familie und Freunden, sondern in der Öffentlichkeit. Auch, wenn der ein oder andere jetzt denkt: Wusste ich doch eh vorher. Und noch andere vielleicht einen Freudentanz aufführen.IMG_4969

Aber ich bin mit mir im Reinen, ich freue mich so unendlich drauf, meine Kinder mal wieder aus der Kita abzuholen und sie vor die Wahl „Spielplatz oder Eis“ stellen zu können und sie nicht mit in den Laden nehmen zu müssen. Ich freu mich drauf, mal wieder nicht gehetzt zu sein, auf ein Leben ohne Magenschmerzen, schlechtes Gewissen und ständiges Entschuldigen. Ich freu mich über die vielen schönen Kontakte, die sich dadurch ergeben haben und die hoffentlich weiterhin Bestand haben. Und ich freu mich auf einen zufriedenen Freund, weil ich endlich mal wieder Kapazitäten hab, auch ihm Freiräume und Zeit zur Erholung zu ermöglichen.

Was hab ich eigentlich alles schon geschafft?

By the way – genau dieser Freund, der mich immer bedingungslos unterstützt, würde sagen:

Überleg dir doch mal, was du jetzt in deinen Lebenslauf schreiben kannst: ist Krankenschwester, hat Medizin studiert, Erfahrung im Einzelhandel, war selbstständig im Onlinehandel, Bloggerin.

Eigentlich ist es gar nicht so peinlich, aufzugeben. Sich auszuprobieren und herauszufinden, was passt. Und was nicht. Sich noch besser kennen zu lernen, Facetten des Ichs zu erleben. Eigentlich bin ich ganz schön stolz drauf, was ich bisher für Erfahrungen sammeln konnte, was ich alles gelernt und was ich mir alles beigebracht habe.

Danke, dass ihr beim Ausprobieren an meiner Seite seid.

 

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