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Der Traum vom Haus oder Von der Bedeutung des Wohnens

Der Traum vom Haus oder Von der Bedeutung des Wohnens. Villa in Hamburg

 

Im Moment gibt es hier zwei große Themen, die uns immer wieder beschäftigen. Das erste: Wie kriegen wir Lotta dazu, vor 23 Uhr zu schlafen? und das zweite ist: Wie wollen wir wohnen?

Stadt oder Land, Wohnung oder Haus, Miete zahlen oder lieber in Eigentum investieren? Wie lebt ihr denn so?

Als ich diese Frage gestern bei Instagram stellte, kamen im Minutentakt neue Antworten dazu, die diese Fragen beantworteten, von unterschiedlichen Aspekten beleuchteten, natürlich immer mit dem Hintergrund der individuellen Lebenssituation.

Ich bin vor zehn, fast elf Jahren nach Hamburg gezogen, habe erst in Eppendorf, Eimsbüttel, Ottensen und Bahrenfeld gewohnt, jetzt leben wir seit 4 Jahren in der Schanze. Ohne Kinder war das super, zu Fuß zum Kiez und zurück, mit dem Fahrrad ist man sowieso überall ziemlich schnell und Cafés, Kneipen, Restaurants und Läden haben wir ja eh direkt vor der Haustür.Der Traum vom Haus -Der Traum vom Haus | PinkepankAber. Seit Lotta auf der Welt ist, spielt der fußläufig erreichbare Kiez keine Rolle mehr, die Kneipen und Restaurants hab ich seitdem auch nicht mehr von innen gesehen und mein Shoppingverhalten hat sich, seit ich Kinder habe, ja auch grundlegend geändert, ich shoppe hauptsächlich online.

Gut, in den Cafés trinke ich immer noch, in guter Latte Macchiato Muddi Manier, meinen Kaffee, treffe mich mit Freundinnen zum Quatschen und Leute gucken.

Aber trotzdem. Diese ganzen vielen Menschen, die die Schanze, besonders in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag belagern, die in großen Gruppen den ganzen Gehweg blockieren, weil sie sich nicht entscheiden können, in welches hippe Restaurant sie gehen und mich verständnislos angucken und ziemlich träge reagieren, wenn ich sie bitte, mir Platz zu machen, damit ich mit meinem Kinderwagen und den Einkäufen durchkomme, stressen mich. Machen mich wütend und aggressiv.

Genau wie die Tatsache, dass jeder zweite Satz von mir an Lotta, seit sie laufen kann, ungefähr diesen Wortlaut hat: Nein Lotta, vorsichtig, nicht in die Hundekacke/Scherben/Kotze laufen. Klar, das gibt es überall, aber hier ist es ziemlich extrem.Der Traum vom Haus | PinkepankUnd ja, jetzt werden sich alle sagen: Na, wenn es dich so nervt, in der Schanze zu wohnen, dann hör doch auf zu jammern und zieh einfach um! Mach Plaz für all diejenigen, die gerne in die Schanze wollen, zieh auf’s Land!

Ja, aber! Erstens haben wir eine wunderschöne Altbauwohnung, mit allem, was dazu gehört: alten Dielen, hohen Decken, Stuck, wir haben einen großen Balkon und, hallo Luxus, einen Fahrstuhl. Wir haben 4 Zimmer und, ohne Balkon, 84 Quadratmeter. Und auch, wenn ich eigentlich ein Arbeitszimmer bräuchte und in ein paar Jahren das Kinderzimmer auch zu eng sein wird – sowas muss man erstmal wieder finden, in einer Stadt, in der die Mieten explodieren, weil es immer jemanden gibt, der sie bezahlt.Der Traum vom Haus | Pinkepank

Und zweitens können wir uns dann doch (noch) nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, nicht mal eben schnell bei Umai gebackenen Tofu zum Mittagessen mitnehmen zu können, nicht mal eben schnell zu Budni laufen zu können, weil wir vergessen haben, Windeln zu kaufen und ja, wir träumen immer noch davon, mal wieder auf Konzerte gehen zu können. Und dann ist es ja schon ganz praktisch, wenn man im Notfall innerhalb von 10-15 Minuten wieder zuhause ist und nicht erst eine Stunde fahren muss.

Puh, ja, und nun? Das fragen wir uns auch. Vor allem, weil wir jetzt mit zwei Kindern und einer anstehenden beruflichen Veränderung, immer öfter merken, dass wir einfach mehr Platz bräuchten. Aber für eine Wohnung mit 2 zusätzlichen Zimmern und entsprechend mehr Quadratmetern in einem Stadtteil, der uns nicht schon wie „aus der Welt“ vorkommen würde, kostet so eine Wohnung so viel, dass es weh tut. Und schon sind wir beim Thema Hauskauf. Warum sollten wir weiter Miete zahlen, wenn wir mit dem gleichen Betrag jeden Monat auch ein eigenes Haus abzahlen könnten?Der Traum vom Haus | Pinkepank

Weil wir es eben nicht könnten. Denn die Häuser, die uns (also mir) so vorschweben, sind rar. Und den Preis erfährt man vom Makler – auf Anfrage. Das ist ein bisschen so wie mit Klamotten, an denen keine Preise stehen. Die bewundert man, träumt ein bisschen, rechnet rum, überlegt, ob man sich das nicht vielleicht doch irgendwie leisten kann… und geht dann ein Schaufenster weiter. Die Vernunft siegt und knüppelt die Träume nieder.

Statt Prada doch wieder nur H&M.

Aber, aber, aber. Vernunft ist nicht gerade meine große Stärke. Ich laufe immer wieder an den Designer-Schaufenstern vorbei, schaue mir immer wieder dieses Stadthaus in Eimsbüttel an, mit 8 Zimmern, 200 Quadratmetern und Garten. Ein Paradies mitten in der Stadt.

Und die Vernunft sagt: Nein, es geht nicht. Nie im Leben.

Und das Herz sagt: Ich möchte aber so gerne. So, so gerne. Das muss doch irgendwie möglich sein.

Der Traum vom Haus | PinkepankEin Stadthaus. Mit Garten. Das wäre die Lösung all unserer (Wohn-)Probleme. Es müssten ja keine acht Zimmer sein und auch keine zweihundert Quadratmeter. Ich muss ja auch nicht gleich meinen ganzen Kleiderschrank mit Prada auffüllen, dieses eine Outfit aus dem Schaufenster würde schon reichen. Wenn ihr wisst, was ich meine.

Und weil ich seit Monaten immer und immer wieder diese Überlegungen anstelle, wie wohnen, wo wohnen, wann wo wie wohnen, mache ich mir auch immer mehr Gedanken darüber, was „wohnen“ eigentlich bedeutet.

Wohnen ist ja mehr als einen Platz zum Kochen, Essen und Schlafen zu haben. Eine Wohnung ist ein Rückzugsort, der sichere und bekannte Hafen, in den man immer wieder zurückkehrt. Der Ort, an dem geliebte Dinge auf dich warten, wenn du nach Hause kommst. Die Räume, in denen man sich selbst verwirklicht, in denen man durch Möbel, Bilder, Deko oder auch bewussten Minimalismus zum Ausdruck bringt, wer man ist, wie man sich wohl fühlt.

Und wohnen ist Leben. Die Wohnung oder das Haus, in dem man als Kind aufwächst, wird immer irgendwie „zuhause“ sein. Mit Erinnerungen an die Tapete, die man beim nicht einschlafen können angestarrt hat, an den Tisch, den man vor Wut im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Stift „gelöchert“ hat, an die Ecke, in der der erste eigene Schreibtisch stand.Der Traum vom Haus | PinkepankWohnen ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf, wohnen ist wichtig. Nicht umsonst gibt es hunderte toller Blogs, die sich ausschließlich mit dem Thema Wohnen und Einrichten beschäftigen, die Zeitschriften am Kiosk locken uns mit „Tipps für kleine kleine Räume“ und den schönsten Farbkonzepten. Wohnen ist für viele ein Hobby geworden, obwohl es in dem Fall natürlich mehr um das (Um-)Gestalten der Wohnräume geht. Aber wohnen ist ein Thema, egal, wie man es dreht und wendet, auf die ein oder andere Art ist es für jeden irgendwann und irgendwie relevant.

Heute hab ich mich, mitten in einem Gespräch mit dem Liebsten darüber, dass wir mehr Platz brauchen, plötzlich gefragt, ob sich das Wohnen eigentlich relevant verändert hat in den letzten Jahrzenten. Und ich glaube, das hat es.

Wenn man früher ein Haus gekauft hat, dann wusste man, da bleibt man. Für den Rest seines Lebens. So war zumindest der Plan.

Der Traum vom Haus | Pinkepank

Heute höre ich immer wieder: Wir kaufen jetzt ein Haus und naja, wenn es uns in ein paar Jahren nicht mehr gefällt, dann verkaufen wir es halt wieder.

Ja. Kann man machen. Ich weiß gerade auch noch gar nicht, ob ich das besser oder schlechter finden soll als das Modell „und sie wohnten für immer und ewig“. Klar, ein paar Erinnerungen wie die ans Tapetenmuster oder den löcherigen Tisch wünsche ich jedem Kind, aber vielleicht geht das auch, wenn der Tisch erst in einer Wohnung, dann in einem Haus und später wieder in einer Wohnung steht. Das Wohnen passt sich an, wird passend gemacht für die Flexibilität, die mittlerweile fast jeder Job fordert. Die Zeiten haben sich halt geändert.

Und ich denke, überlege, hinterfrage und überdenke diese ganze Wohnung-Haus-Miete-Eigentums-Geschichte immer und immer wieder und komme zu keinem Ergebnis. Außer zu dem, dass Wohnen wichtig ist, egal, für welche Form man sich entscheidet.

Wie wohnt ihr denn so und nach welchen Kriterien habt ihr Entscheidungen getroffen?

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